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Akustik : Phonak-Aktie profitiert von der Volkskrankheit Schwerhörigkeit

  • Aktualisiert am

„Eleva” von Phonak Bild: Phonak

Der Schweizer Hörgerätehersteller Phonak verdient viel Geld und steigert seinen Marktanteil. Wenn die neuen Produkte die Hoffnungen erfüllen, hat die Aktie noch Potential. Nur die hohe Bewertung trübt das Bild.

          Phonak verkauft Produkte, die niemand gerne trägt, die das Leben aber enorm erleichtern können: Hörgeräte. Das Schweizer Unternehmen verdient viel Geld mit der Volkskrankheit Schwerhörigkeit.

          Das Geschäft ist zwar hart umkämpft, doch Phonak scheint sich mit der Konkurrenzsituation gut arrangiert zu haben. Die Aktie steigt und steigt. Vor wenigen Tagen markierte das Papier in Frankfurt ein neues Rekordhoch bei 48,75 Euro. Die alten Rekordmarken aus dem Jahr 2000 sind damit Vergangenheit (Isin CH0012549785).

          24,3 Prozent Eigenkapitalrendite

          Fünf Unternehmen beherrschen den Markt für Hörhilfen: Siemens (Marktanteil 22 bis 23 Prozent), William Demant (20 bis 21 Prozent), Phonak (19 Prozent), GN Resound (17 Prozent) und Starkey (10 bis 12 Prozent). William Demant hatte jüngst erklärt, daß er mit einer Konsolidierung im Hörgerätemarkt rechnet; Gerüchten zufolge ist das Unternehmen an GN Resound interessiert.

          Phonak schloß das Geschäftsjahr 2002/03 mit einem Minus ab, doch dann ging es rasant aufwärts. Das Geschäftsjahr 2004/05 brachte der Gesellschaft eine Umsatzrendite von 14,3 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 24,3 Prozent. Die operative Marge (Ebit) betrug 18,8 Prozent. Auch die Bilanz sieht gut aus: Die Eigenkapitalquote beträgt inzwischen 60 Prozent.

          Phonak gewinnt Marktanteile

          Die Entwicklung in den ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres sieht ebenfalls sehr erfreulich aus: Die operative Marge stieg auf 23,9 Prozent - im Gesamtjahr soll sie 22 bis 24 Prozent betragen. Die Umsatzrendite kletterte auf 19,1 Prozent. Der Konzerngewinn nach Steuern hat sich auf 76,4 Millionen Franken fast verdoppelt, was aber zum Teil auch an der Umstellung der Rechnungslegung auf IFRS liegt.

          Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten um gut ein Fünftel auf knapp 400 Millionen Franken. Mitte März teilte Phonak mit, auch im zweiten Halbjahr 2005/06 „auf Rekordkurs“ zu sein. Das Management hob die Umsatzerwartung von plus 17 bis 19 Prozent auf plus 20 Prozent an. Die Gruppe habe ihre Marktanteilsgewinne weiter ausbauen können.

          Phonak ist über alle Preisklassen gut aufgestellt: „First Class“-Hörsysteme machen 36 Prozent des Umsatzes aus, die „Business Class“ trägt 20 Prozent bei, die „Economy Class“ 24 Prozent. Die Internationalisierung des Geschäfts schreitet voran. Inzwischen macht das Europa-Geschäft nur noch 45 Prozent des Umsatzes aus, es folgen der nordamerikanische Markt mit 44 Prozent und Asien/Pazifik mit neun Prozent.

          Neue Produkte kommen gut an

          Die jüngst eingeführten Produkte verkaufen sich dem Unternehmen zufolge sehr gut. Weitere Hoffnungen setzt das Management auf zwei neue Produkte: „Micropower“ und „Verve“. Micropower soll „das kleinste Hörsystem für Menschen mit erheblichem Hörverlust“ sein.

          Verve richtet sich an „anspruchvollste Kundenkreise“. Verve „spricht“ zu seinem Träger und sagt ihm zum Beispiel, wann die Batterie gewechselt werden sollte. Außerdem stehen den Kunden speziell geschulte Akustiker per Hotline zur Verfügung. Ob sich das Geschäft mit diesem exklusiven Produkt lohnt, muß die Zukunft zeigen. „Es ist ein Experiment“, räumte denn auch ein Phonak-Sprecher gegenüber der Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“ ein.

          Hohe Bewertung birgt Rückschlagrisiko

          Wenn die neuen Produkte die Hoffnungen des Managements erfüllen, sind die Aussichten für Phonak weiterhin sehr gut. Dann wäre auch die hohe Bewertung der Aktie gerechtfertigt: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 31,1 bzw. 26,9 auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung für dieses und das kommende Geschäftsjahr sind die Aktien alles andere als billig. Die Aktien von William Demant (KGV 28,9) und der GN-Resound-Mutter GN Store (KGV 30) sind allerdings ähnlich hoch bewertet.

          Phonak ist auf jeden Fall mit guten Produkten auf einem interessanten und wachsenden Markt tätig. In der jüngsten Vergangenheit hat das Management hervorragende Zahlen geliefert. Wenn das so bleibt - im Augenblick spricht wenig dagegen -, hat die Aktie noch Potential. Doch Anleger müssen wissen, daß die hohe Bewertung einiges an Rückschlagsrisiko birgt.

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