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Kursschwäche : Was ist bloß mit der Apple-Aktie los?

  • -Aktualisiert am

Seit Ende Juli geht es mit der Apple-Aktie bergab. Anleger rätseln Bild: AFP

Apples Aktienkurs kannte in den vergangenen Jahren nur eine Richtung - nach oben. Analysten waren begeistert, Anleger euphorisch. Zuletzt verlor der Konzern jedoch mehr als 100 Milliarden Dollar Börsenwert. Nur ein Zwischentief?

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          Sie ist eine der größten Verliererinnen in den vergangenen drei Wochen an der Börse gewesen: Seit Ende Juli fällt der Kurs der Apple-Aktie. Anleger rätseln. Was ist da los? Dabei waren doch die jüngsten Quartalszahlen gut gewesen.

          Vielleicht liegt genau hier das Problem. Denn „gut" ist für viele Investoren des iPhone-Konzerns oft eben nicht gut genug. Die Erwartungen an Apple und seine Bilanz sind alle drei Monate immer wieder aufs Neue gigantisch. Dazu gehörte - etwas paradox - im Grunde auch die Erwartung, dass der Konzern die Erwartungen übertreffen werde. Tatsächlich schaffte er das bislang regelmäßig.

          1700 Prozent seit dem Jahr 2005

          Die Erlöse für das vergangene Quartal waren beispielsweise im Jahresvergleich um ein Drittel auf fast 50 Milliarden Dollar gestiegen. Mit einem Gewinn von gut 10 Milliarden Dollar verdiente Apple 38 Prozent mehr als im gleichen Vorjahresquartal, lediglich der iPhone-Absatz enttäuschte ein wenig die Analysten. Also eigentlich alles in Butter.

          Und dennoch ist seit der Bilanz-Veröffentlichung der Wurm im Apple-Aktienkurs drin. Es ging in den vergangenen vier Wochen in drei Phasen kräftig nach unten. So kräftig, dass die von vielen Anlegern beachtete 200-Tage-Linie nach unten durchkreuzt wurde, was wiederum von Chart-Technikern als klassisches Verkaufssignal bezeichnet wird. Also eine Trendwende?

          Soweit dürfte es wohl nicht kommen. Denn nach wie vor haben Apple-Aktionäre in den vergangenen Jahren viel Geld mit ihren Anteilsscheinen machen können. Wer vor gut einem Jahrzehnt Steve Jobs und seinen Produkt-Visionen Glauben geschenkt und zum Beispiel 10.000 Euro in Apple-Aktien investiert hat, kann sich heute – trotz der jüngsten Abschläge – über daraus gewordene 172.000 Euro freuen. Das ist eine Rendite von mehr als 1700 Prozent.

          Aber auch wer erst in den vergangenen Jahren eingestiegen ist, hat einen guten Schnitt gemacht: Auf Sicht von einem Jahr kommt das Papier auf ein Plus von 46 Prozent, über die vergangenen fünf Jahre ergibt sich ein Zuwachs von mehr als 270 Prozent. Wird ein langfristig orientierter Anleger angesichts dessen im Licht der aktuellen Kursschwäche nervös? Auf den ersten Blick wohl kaum. Schließlich ist man an einem Konzern als Aktionär beteiligt, der nach wie vor über die höchste Marktkapitalisierung der Welt verfügt und weiterhin noch immer kräftiger als alle vergleichbaren Schwergewichte der Branche wächst.

          Auf der anderen Seite gilt: Auch Apple muss sich mit den globalen Marktgegebenheiten auseinandersetzen. Stichwort China - wenn die Konjunktur im Reich der Mitte abschwächt, hat das auch Auswirkungen auf die Wachstumsaussichten des iPhone-Konzerns, der gerade im vergangenen Quartal in China große Bilanzsprünge verbuchen konnte. Er generiert dort immerhin mehr als ein Viertel der Konzernerlöse. 

          Analysten sind sich uneinig

          Seitens der Analysten wird Apple derzeit sehr unterschiedlich eingestuft. Morgan Stanley hat die Aktie zuletzt auf „Overweight" belassen mit einem Kursziel von 155 Dollar. Der zwölfprozentige Kursrutsch der Aktie seit der Zahlenvorlage sei vor allem Ängsten über rückläufige iPhone-Verkäufe im kommenden Jahr geschuldet, schrieb Analystin Kathryn Huberty Sie selbst rechne für das Jahr 2016 aber mit steigenden Verkäufen - vor allem durch iPhone-Besitzer,die ihre derzeitigen Geräte durch die zuletzt auf den Markt gebrachten iPhones 6 und 6 Plus ersetzten.

          Ein komplett andere Sicht vertreten die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch. Diese haben die Aktie von „Buy“ auf „Neutral" abgestuft und das Kursziel von 142 auf 130 Dollar gesenkt. Kurzfristig dürfte eine deutlich schwächere Umsatzdynamik aufgrund des nachlassenden iPhone-Wachstums auf den Aktienkurs drücken, schrieben die Analysten. Zudem brauchten Neuerungen wie die Apple Watch, Apple Pay und Apple Music noch etwas Anlaufzeit.

          Apple-Quartalsbericht : Börse reagiert enttäuscht trotz Wachstum

          Jedoch schrieb Merrill Lynch in der Studie auch diesen einen Satz: „Langfristig bietet die Aktie aber weiter deutliches Potential.“ Das wiederum sieht auch Morningstar so und stufte Apple von „Hold" auf „Buy" hoch. Die Experten des Analysehauses halten die Aktie für erheblich unterbewertet. Das leuchtet etwa angesichts eines aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) von nicht einmal 13 durchaus ein.

          Alles in allem dürfte die Apple-Aktie langfristig jedem Aktionär Freude bereiten. Die langfristige Perspektive ist für den erfolgsverwöhnten Konzern weiterhin sehr gut. Neue Produkte wie die Apple Watch sowie neue Dienste wie Apple Music und auch die geplanten Aktivitäten im Automobilbereich dürften genügend positive Impulse für wieder steigende Kurse liefern, nachdem die Aktie innerhalb weniger Monate mehr als 100 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren hat.

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