https://www.faz.net/-gv6-7o1dy

Aktiensplit : Aktionäre von Google haben weniger zu sagen

  • -Aktualisiert am

Gemächlich unterwegs: Google-Fahrrad vor der Zentrale des Unternehmens in Kalifornien. Bild: dpa

Nach einer komplexen Teilung verbilligt sich die Aktie des Internetriesen Google - rein optisch. Unternehmen wollen mit Aktiensplits in der Regel neue Anleger locken. Die Gründer von Google verfolgen andere Ziele.

          2 Min.

          Der Aktienkurs des Börsenlieblings Google war in den vergangenen Wochen an der Wall Street etwas unter Druck geraten. Für Altaktionäre des Internetriesen waren die Rückschläge von knapp 7 Prozent aber nicht sonderlich dramatisch - immerhin waren die Titel zuletzt 13 Mal so viel wert wie beim Börsengang vor fast zehn Jahren. Auch ohne Taschenrechner wussten die frühen Aktionäre, dass sie einen Gewinner im Depot haben, wenn sie den Aktienkurs des Unternehmens googelten. Der Ausgabepreis der Google-Aktien bei Börsengang betrug 85 Dollar. Am Mittwoch waren die Aktien mehr als 1100 Dollar wert.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Donnerstag kosteten die Aktien aber nur noch die Hälfte: rund 568 Dollar. Es handelte sich dabei aber nicht um einen dramatischen Kurseinbruch. Google hat nur zum ersten Mal in seiner Börsenlaufbahn die Aktien geteilt. Unternehmen machen das in der Regel, um ihre Titel optisch zu verbilligen. Am Börsenwert ändert sich durch die Teilung der Aktien nichts. Es sind nach einem Aktiensplit etwa im Verhältnis zwei zu eins wie jetzt bei Google nur doppelt so viele Aktien im Umlauf. In Haussephasen wollen Unternehmen mit derartiger Kurskosmetik vor allem Privatanleger locken, die im Vergleich zu institutionellen Investoren kleinere Anlagesummen zur Verfügung haben. Zudem müssen Anleger bei Käufen von weniger als 100 Stück traditionell höhere Gebühren an ihre Bank zahlen.

          Die Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin hatten in der Vergangenheit wenig Interesse an Aktiensplits gezeigt. Sie wollten langfristige Anleger anziehen und fürchteten, dass eine optische Verbilligung der Aktien Google zum Spielball von Spekulanten machen könnte. Dass sich Page, der Vorstandsvorsitzende von Google, und Brin nun doch zu dieser Transaktion durchrangen, hat einen anderen Grund. Sie wollen mit der etwas ungewöhnlichen Struktur des Aktiensplits ihre Macht im Unternehmen zementieren. Das funktioniert so: Page und Brin besitzen Aktien der Klasse B, die ihnen Mehrheitsstimmrechte von derzeit 56 Prozent garantieren. An den Börsen gehandelt wurden bislang die an der Nasdaq unter dem Kürzel GOOG notierten Aktien der Klasse A, die ebenfalls Stimmrechte verbriefen - allerdings nicht so viele wie B-Aktien. Da in den vergangenen Jahren immer mehr A-Aktien ausgegeben wurden - etwa zur Finanzierung von Übernahmen oder zur Vergütung der rapide gestiegenen Zahl der Angestellten - geriet die Stimmenmehrheit der Unternehmensgründer langsam in Gefahr. Der Aktiensplit löst dieses Problem in Kombination mit einer neuen Kategorie von C-Aktien, die im Zuge dieser Transaktion ausgegeben wurden. Aktien der Klasse C haben nämlich kein Stimmrecht. Die C-Aktien übernehmen das alte Börsensymbol. Die alten A-Aktien firmieren als GOOGL.

          Ob A oder C - Aktien von Google bleiben laut Börsianern ein gutes Investment

          Solche Maßnahmen sind immer noch selten, aber Google ist nicht das erste Unternehmen in der Technologiebranche, das stimmrechtslose Aktien emittiert hat, um die Interessen der Gründer zu schützen. Die Unternehmen Facebook, Linkedin und Yelp haben das ebenfalls gemacht. Auch der Kabelkonzern Comcast und der Kabelsender Discovery Communication haben eine ähnliche Aktienstruktur wie jetzt Google. Einige Aktionäre waren allerdings nicht glücklich mit den Plänen, die Google schon vor zwei Jahren vorgestellt hatte. Nach einer Klage machte der Konzern einige Zugeständnisse. Sollte sich der Kurs der C-Aktien deutlich schlechter entwickeln als der der A-Titel muss Google Aktionäre entschädigen.

          Der selbständige Fondsmanager Ryan Jacob nahm die Ausgabe der stimmrechtslosen Aktien mit Fassung. „Ich kann nicht sagen, dass ich begeistert bin, aber ich werde deswegen die Aktien nicht verkaufen. Google wird ein genauso gutes Investment sein wie vorher.“ A-Aktien und C-Aktien von Google legten am Donnerstag im frühen Handel an der Nasdaq im Tandem um mehr als 2 Prozent zu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schwierige Zeiten für Studierende

          Wohnungsmarkt in Uni-Städten : Studenten-Buden werden fast unbezahlbar

          Der Wohnungsmarkt für Studierende ist trotz der Corona-Pandemie noch teurer geworden. Gleichzeitig bricht vielen der Nebenjob weg. Das Ergebnis: Jeder vierte muss sich Geld von Freunden oder der Familie leihen.
          Maske auf! Clemens Wendtner rät zum Mund-Nasen-Schutz.

          Infektiologe Clemens Wendtner : „Die zweite Welle ist da“

          Chefarzt Clemens Wendtner hat im Januar in München die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Im Interview spricht er über Laxheit, Lüftungsanlagen – und warum die Jugend für die Eindämmung der Pandemie so wichtig ist.

          FC Bayern im Supercup : Das riskante Spiel der Uefa im Risikogebiet

          Beim Supercup gibt es einen unbedeutenden Pokal zu gewinnen, aber Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das Spiel des FC Bayern in Budapest bleibt ein Politikum. Der europäische Verband sieht darin ein „Pilotprojekt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.