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Aktienrückkauf : Gewinnmanipulation mit dem Rückkauf eigener Aktien

  • Aktualisiert am

Manche Unternehmen kaufen sie zurück Bild: Henthorn/STOCK4B

So günstig wird es vielleicht nie wieder: Unternehmen nutzen ihre Gewinnrücklagen vermehrt zum Rückkauf eigener Aktien.

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          Seit dem Jahre 1998 dürfen Unternehmen hierzulande eigene Aktien an der Börse zurückkaufen. Und weit mehr als hundert Gesellschaften haben sich seitdem bereits die notwendige Genehmigung ihrer Investoren für den Aktienrückkauf eingeholt.

          Die Zahl dürfte in Zukunft noch weiter ansteigen, denn ein Rückkauf bietet sich besonders dann an, wenn die Aktienkurse niedrig sind. Und sich das Parken von Gewinnrücklagen aufgrund niedriger Zinsen nicht lohnt. Die Ermächtigung zum Rückkauf erteilt die jährlich stattfindende Hauptversammlung, wo die Mehrheit der Aktionäre den Rückkaufplänen zustimmen muss.

          Die Genehmigung gilt für 18 Monate und ermächtigt die Gesellschaften, maximal zehn Prozent ihrer eigenen Papiere zurückzukaufen. Unbemerkt kann dies allerdings nicht geschehen, denn nach dem Börsengesetz sind Unternehmen dazu verpflichtet, den Kapitalmarkt von ihren Rückkäufen in Kenntnis zu setzen. Der Kaufpreis je Aktie darf dabei maximal zehn Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen fünf Handelstage liegen.

          Weiterverwerten oder einstampfen

          Zurückgekaufte Aktien kann das Unternehmen entweder in sein Umlaufvermögen einbuchen. Damit können sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgegeben werden, sei es als Mitarbeiteraktien oder durch einen Verkauf an der Börse, wenn der Kurs wieder den Vorstellungen des Managements entspricht. Die Aktien können aber auch eine besondere Rolle bei Fusionen und Firmenübernahmen spielen. Der Kaufpreis für eine Übernahme muss nämlich nicht unbedingt allein mit liquiden Mitteln bezahlt werden - statt dessen erhalten die abgebenden Alteigentümer einen Teil der Kaufsumme in Aktien des übernehmenden Unternehmens.

          Häufig kommt es aber auch vor, dass die Unternehmen die gekauften Papiere löschen und sie damit komplett vom Markt nehmen: Der erwartete Gewinn des Unternehmens verteilt sich dann auf eine geringere Zahl von Anteilsscheinen. Der Gewinn je Aktie steigt damit ebenso wie die Eigenkapitalrendite und bietet die Grundlage für Kurswachstum. „Das ist gerade in Zeiten, in denen die Gewinne rückläufig sind, interessant“, sagt Carsten Hilck, Fondsmanager bei Union Investment.

          Weiterer Effekt: Durch den Einzug eigener Aktien sinkt automatisch der Streubesitz. Die geringere Anzahl der frei verfügbaren Anteilsscheine macht es für potentielle Übernehmer schwerer, auf dem Markt genügend Papiere einzusammeln, um entscheidenden Einfluss zu erlangen oder die Unternehmenskontrolle an sich zu reißen. Ein erheblicher Faktor, besonders in Zeiten zunehmender Übernahmen. Nicht umsonst hat sich etwa Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, als oberstes Ziel gesetzt, den Börsenkurs zu steigern. Denn sein Unternehmen läuft ansonsten Gefahr, aufgrund seiner vergleichsweise günstigen Bewertung von einem Mitbewerber „geschluckt“ zu werden.

          Gier frisst Hirn

          Weil im Wesentlichen nur Gewinne der Gesellschaft zum Kauf eigener Aktien verwendet werden sollten, rät Hilck vom einem spekulativen Aktienrückkauf auf Kredit ab: „Das wäre ein Glücksspiel, denn schließlich ist ein Rückkauf keine Garantie, dass der Kurs nicht noch weiter fällt.“

          Das musste auch Karl Ehlerding erfahren: Der Großaktionär der Frankfurter Beteiligungsgesellschaft WCM hatte nach eigener Aussage in den vergangenen Wochen Aktien seines Unternehmens wegen der günstigen Kurse zurückgekauft - allerdings auf private Rechnung und darüber hinaus auf Kredit. Als der Börsenkurs überraschend weiter einbrach wurde Ehlerding von den Banken gezwungen, seinen Anteil am Unternehmen stark zu verringern, um seine Zinsen bezahlen zu können.

          Bewusste Manipulationen wie Rückkäufe zum Quartalsende, um schlechte Zahlen aufzupolieren, sind Hilck nicht bekannt: „Das wäre kontraproduktiv. Schließlich weist das Unternehmensergebnis aus, wie sich die Erträge zusammensetzen. Der Kapitalmarkt ist sehr wohl in der Lage, zwischen außerordentlichen und operativen Gewinnen zu unterscheiden.“

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