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Aktienmarkt : Zweigeteilte Bankenwelt

  • Aktualisiert am

Mit Rückenwind Bild: dpa

Die Aktie der Deutschen Bank ist nach einer Kapitalerhöhung gefragt und bewegt auch den Dax. Die Commerzbank kriselt dagegen weiter. Und auch andere Unternehmen machen wenig Freude.

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          Deutschland, deine Banken. Spätestens seit die Bundesländer die Gewährträgerhaftung für die Landesbanken aufgeben mussten, ist ihre Solvenz ein notorisches Thema. Die Aufspaltung in „Bad Banks“ und „Good Banks“ half, aber auch unter den „Good Banks“ scheint es „Bad Banks“ zu geben.

          Zu den „Good good Banks“ gehört derzeit jedenfalls die Deutsche Bank, deren jüngste Kapitalerhöhung sehr stark nachgefragt wurde, wie es aus dem Institut heißt. Und weil aufgrund begrenzter Stückzahlen nicht jeder im gewünschtem Umfang zum Zug kam, wird heute am Markt nachgekauft. Das treibt den Kurs um mehr als 7 Prozent nach oben. Die Bank gehe endlich ihr Kapitalproblem an und mit der so gestärkten Kapitalbasis könne die unterdurchschnittliche Kursentwicklung ein Ende nehmen, heißt es.

          „Good good“ und „Bad good„

          Anders die Commerzbank, bei der man bisweilen das Gefühl hat, sie tue nichts mehr anders als ihr Kapital zu erhöhen. Das plant die Bank nach 2003, 2005, 2008, 2011 und 2012 einmal mehr. Aber so einfach ist das nicht. Zunächst musste sie aber erst einmal 10 Aktien zu einer zusammenlegen, damit der Aktienkurs nicht unter dem alten Nennwert von 1 Euro liegen würde. Die Aktion war berechtigt: Denn am Montag fiel der Kurs mit einem Rekordtief von 9,874 Euro deutlich darunter.

          Am Dienstag sorgt nun der Run auf die Aktie der Deutschen Bank am Donnerstag wieder für leichte Kursaufschläge und möglich, dass der Kurs wieder über die Marke von 10 Euro steigt. Doch die Kursentwicklung ist die einer „Bad good Bank“: Allein in diesem Jahr beträgt das Minus mehr als 40 Prozent, auf Sicht von 5 Jahren sind es 95 Prozent.

          Und während die Deutsche Bank den Gewinn im ersten Quartal einen Gewinnanstieg um mehr als 20 Prozent steigerte, bestehen Zweifel daran, dass die Commerzbank im laufenden Jahr überhaupt einen Gewinn erzielen wird. Mit einem neuen Privatkunden-Konzept will sie vor allem Kunden von Sparkassen in den Großstädten gewinnen. Doch da muss sie schon einiges auffahren, um diese wenig wechselaffine Kundschaft zu gewinnen.

          Ferner setzt sie aufs Internet und will zur Direktbank mit Filialen werden -  oder umgekehrt. Dabei gerät sie sich zwar mit der eigenen Tochter Comdirect irgendwie ins Gehege. Die hat etwa auch unabhängige Baufinanzierung im Angebot. Just dafür fährt die Commerzbank jetzt eine große Fernsehkampagne, in der sie sich als gereift und (wieder) vertrauenswürdig präsentiert. Ob das beim misstrauisch gewordenen Publikum verfängt, bleibt abzuwarten.

          Zinssenkung hilft vor allem den Banken

          Die Kursgewinne der Aktie der Deutschen Bank bewegen auch den Dax nach oben, der 0,4 Prozent auf 7908 Punkte zulegt. Der marktbreite FAZ-Index gewinnt 0,3 Prozent auf 1683 Zähler. Im Vordergrund steht allerdings die erwartete, wenngleich volkswirtschaftlich wenig sinnvolle Zinssenkung der EZB am Donnerstag. Aber diese hilft den Bankaktien über verringerte Finanzierungskosten. Zumindest werden die Zinsverluste geringer, die aus der Geldanlage bei der Zentralbank entstehen. Denn den Satz von 0 Prozent wird diese nicht unterschreiten. Denn als Dänemark dies versuchte, überwälzten die Banken das auf die Kreditzinsen, was von der Dänischen Nationalbank alles andere als gewollt war.

          Vielleicht wird aus der Zinssenkung aber doch nichts: Das vom Forschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklima für Mai fiel deutlich besser als erwartet aus. Die deutschen Verbraucher sind trotz Konjunkturflaute weiter in Kauflaune.

          Gesundheitsaktien mit Sparpotential

          Demgegenüber stehen eher schwächere Quartalszahlen – jenseits der Deutschen Bank – auch wenn daraus nicht in jedem Fall Kursabschläge folgen. Im Gegenteil: Der Kurs der Deutschen Börse steigt um 1,6 Prozent, weil die Zahlen weniger schwach waren als gedacht. Der Gewinn fiel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent, das Handelsvolumen ist geschrumpft und damit auch die Erlöse.

          Die Kurse von Fresenius und seiner Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) fallen indes um, knapp 2 bzw. mehr als 3 Prozent. Die Unternehmen verfehlten die Erwartungen. Noch schwächer steht es um die Aktie des Biotech-Zulieferers Qiagen, deren Kurs um knapp 5 Prozent fällt. Nach einem Gewinnrückgang hat Qiagen die Prognose gesenkt. Wie auch FMC machen dem Unternehmen die Einsparungen im amerikanischen Gesundheitswesen zu schaffen.

          Grauer Himmel über Solar

          Sonne dagegen in der Solarbranche. Der Zulieferer Wacker Chemie verbucht zwar einen Gewinneinbruch und die Aktie wird allenthalben zum Kauf empfohlen. Dennoch steigt der Kurs um mehr als 3 Prozent. Aber die Nachfrage nach Reinstsilizium stieg wieder und damit fiel der Umsatzrückgang nicht so hoch aus wie befürchtet. Möglicherweise beflügelt auch die katastrophale Bilanz von Solarworld.

          Weniger natürlich das, als die Tatsache, dass das Unternehmen sich mit seinen Gläubigern vorläufig geeinigt hat. Dazu soll es einen Kapitalschnitt  um 95 Prozent mit anschließender Kapitalerhöhung geben, wodurch 60 Prozent der Finanzverbindlichkeiten in Eigenkapital umgewandelt werden sollen. Der Aktienkurs liegt dennoch nur 2,6 Prozent im Minus, was wohl daran liegen dürfte, dass das Papier ohnehin kaum noch etwas wert ist.

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