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Aktienmarkt : Wahlausgang könnte längerfristig belasten

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Dass der Dax kurzfristig negativ auf das Wahlergebnis reagiert, verwundert niemanden. Aber auch längerfristig könnte eine neue Situation entstanden sein.

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          Dass der Dax eher schwarz-gelb gewählt hätte, ist kein Geheimnis. So dürfte auch eine kurzfristig negative Reaktion der Börse auf den Wahlausgang niemanden verwundern.

          Was die längerfristigen Konsequenzen betrifft, wurde der Wahl zwar im Vorfeld wenig Bedeutung für den deutschen Finanzmarkt zugemessen. Eine nur mit knapper Mehrheit agierende Regierung ist aber sicherlich nicht das Wunschbild der Börse, die sich von beiden Lagern zügige ökonomische Reformen erhofft hat. Doch besonders die vom Wahlkampf geprägte Verhaltensweise der Regierungsparteien in den letzten Wochen vor der Wahl hätte eine neue Situation geschaffen, meinen Experten.

          Problem Maastricht-Kriterien

          „Längerfristig muss man sehen, mit welcher Geschwindigkeit der Bundeskanzler bei den zuletzt angerichteten Problemen zurückrudert“, meint Finanzmarktexperte Heino Ruland vom Finanzdienstleister Steubing. Ruland denkt hier zum einen an die nach der Hochwasserkatastrophe ins Spiel gebrachte Infragestellung der Maastricht-Kriterien, die Gerhard Schröder als „obsolet“ bezeichnet hatte.

          Problem deutsch-amerikanisches Verhältnis

          Aber vor allem das Problem des belasteten deutsch-amerikanischen Verhältnisses könnte ökonomische Konsequenzen haben und müsse schnell bereinigt werden. Die fällige „Korrektur im Justizministerium“ werde Schröder dabei am schnellsten umsetzen können, während die anderen Maßnahmen, wie die Vertrauensbildung beim Thema Irak, mehr Zeit in Anspruch nähmen.

          „Man darf nicht vergessen, wie hoch die makroökonomische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahrzehnt geworden ist“, gibt der Volkswirt zu bedenken. „Der Außenhandelsüberschuss mit den USA hat mittlerweile etwa die Hälfte des Überschusses mit der Europäischen Union erreicht.“

          Aber auch das wichtige Thema der amerikanischen Direktinvestitionen sei berührt. Zuletzt habe Deutschland gegenüber dem konkurrierenden Vereinigten Königreich als Standort die Nase vorn gehabt, und wichtige Investitionen etwa von General Motors und Ford seien zu Lasten der Produktionsstätten in Großbritannien nach Deutschland gegangen. Dieser Vorsprung sei nun gefährdet, zumal die jüngsten Staatseingriffe wie der Fall Mobilcom für Unbehagen unter den amerikanischen Investoren gesorgt hätten.

          Umweltaktien dürften kurzfristig profitieren

          Einen klaren Gewinner der Wahlen an der Börse gibt es doch. Das sind die Umweltaktien, besonders die der Windkraftbetreiber, die zuvor zumindest phasenweise unter den etwas unscharfen Angaben des Kanzlerkandidaten Stoiber zur künftigen Förderpolitik einer unionsgeführten Regierung gelitten hatten. „Die Umweltaktien werden profitieren, keine Frage“, meint Ruland.

          Doch rät der Experte zur Vorsicht: An den grundsätzlichen Tendenzen werde sich nichts ändern, und die Gefahr sei hoch, dass sich die zu erwartende Kursbewegung angesichts der „guten Bewertung“ der Papiere als Strohfeuer erweise.

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