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Aktienmarkt : Unerwartete Rückkehr der Zuversicht

Beliebt: Käufer von Indexfonds mögen derzeit deutsche Aktien Bild: REUTERS

Hoffnungen auf Lösungen für die Krise haben die Aktienkurse am Montag um bis zu 5 Prozent steigen lassen. In vielen Ländern sinken daneben die Anleiherenditen.

          2 Min.

          An den Aktienbörsen in Europa und Amerika sind die Aktienkurse am Montag deutlich gestiegen. Der Dax schloss auf 5745 Punkten mit einem Plus von 4,6 Prozent. Der breiter gefasste FAZ.-Index stieg um 4,4 Prozent auf 1289 Punkte. An der Wall Street gewann der Standardwerteindex Dow Jones bis zum Handelsschluss 2,6 Prozent auf 11.522 Punkte.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Den Optimismus der Anleger begründeten Händler mit den Hoffnungen auf einen neuen Anlauf zur Lösung der Schuldenkrise im Euroraum und Spekulationen auf Finanzhilfen für Italien. Gerüchten zufolge soll sich das Land in Gesprächen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über eine mögliche Finanzierung befinden. Beide Seiten dementierten jedoch solche Gespräche. Es gebe keine Diskussionen mit der italienischen Regierung über ein Finanzierungsprogramm, sagte ein IWF-Sprecher. Ohnedies ist die IWF-Delegation, die auf Wunsch der Regierungen des Euroraums Italien bei der Lösung der Haushaltsschwierigkeiten beraten soll, noch nicht in Rom eingetroffen.

          „Fundamental nichts Konkretes“

          Daneben wurden auch die guten Umsatzzahlen des Handels in Amerika vom vergangenen Freitag ("Black Friday"), die als Indikation für das gesamte zu erwartende Weihnachtsgeschäft gelten, als möglicher Grund für die steigenden Kurse genannt. Angesichts der Spekulationen um mögliche neue Schritte in der Schuldenkrise gehörten die Aktien von Banken und Versicherern zu den größten Kursgewinnern.

          Die Papiere der Allianz stiegen um 7,4 Prozent im Kurs, die der Deutschen Bank um 7,2 Prozent. Commerzbank-Aktien gewannen 4,1 Prozent an Wert. Konjunkturabhängige Titel wie die Aktien der Automobilhersteller Daimler und Volkswagen legten um 7,9 oder 7,1 Prozent zu.

          "Es gibt fundamental nichts Konkretes, was einen Kursanstieg in dieser Höhe rechtfertigen würde", sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg. Es gebe nur Gerüchte. Und die Anleger griffen derzeit nach jedem Strohhalm, der sich ihnen böte, selbst wenn die Marktspekulationen umgehend dementiert würden wie im Falle Italiens. Dabei sollte es um mögliche Kredite über 400 bis 600 Milliarden Euro gehen, die kurzfristig durch den IWF gar nicht aufgebracht werden könnten.

          Alles nur Technik?

          Klude sieht in dem Kursanstieg auch eine mögliche Gegenreaktion auf die jüngsten Einbußen. Ein Index wie der Dax habe in der vergangenen Woche 5,3 Prozent an Wert verloren und nun ein gutes Stück davon wieder gutgemacht. In den zurückliegenden Wochen seien die Aktienkurse immer wieder kräftig gefallen. Und getrieben durch Hoffnungen, dass die Politik und die Europäische Zentralbank einen Schritt in die richtige Richtung zur Lösung der Krise machten, auch wieder deutlich gestiegen. Besonders stark seien dabei immer wieder die Kursausschläge der Finanztitel ausgefallen.

          In der vergangenen Woche kaufte die Europäische Zentralbank nach eigenen Angaben Staatsanleihen in Höhe von 8,6 Milliarden Euro. Das ist etwas mehr als in der Vorwoche - insgesamt belaufen sich die Anleiheankäufe auf 203,5 Milliarden Euro. Am Markt für europäische Staatsanleihen gingen unter anderem die Renditen für Papiere aus Italien, Spanien, Frankreich, Belgien und Österreich spürbar zurück. Auch die Preise für Kreditausfallderivate dieser Länder fielen zurück. Die Renditeabstände zu Bundesanleihen verringerten sich.

          Dessen ungeachtet fallen Euroländern neue Anleiheemissionen schwer. Am Montag musste Italien eine Rendite von 7,3 Prozent bieten, um eine zweijährige inflationsindexierte Anleihe zu plazieren. Belgien musste eine Rendite von 5,6 Prozent bieten, um sich für zehn Jahre Geld leihen zu können - so hoch waren die Finanzierungskosten zuletzt vor zehn Jahren. Im weiteren Wochenverlauf will auch Frankreich Anleihen plazieren, obgleich das Land nach Angaben aus dem Finanzministerium die für 2011 notwendigen Mittel bereits aufgenommen hat.

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