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Aktienmarkt : Technologie-Aktien sind out

Tesla: Anleger wollen jetzt Substanz statt Glanz Bild: AP

Technologieaktien verlieren heftig an Wert. Das hat einen Grund: Sicherheit ist gefragt, und die Aktien sind schon ziemlich gut gelaufen - viel mehr war da nicht zu holen.

          3 Min.

          Technologiewerte sind derzeit gerade außer Mode. Am Donnerstag verlor der Tec-Dax mit einem Minus von 1,3 Prozent deutlich stärker an Wert als der F.A.Z.-Index, der lediglich um 0,7 Prozent sank. Die Kurse der Technologieaktien machten damit das nach, was ihnen die amerikanische Technologiebörse Nasdaq vorgab, die am Donnerstag ihren schlechtesten Tag seit November 2011 erlebte. Der Nasdaq-Index rutschte um 3,1 Prozent auf 4054 Punkte ab.

          Martin Hock
          (mho.), Finanzen, Wirtschaft

          Damit gehen die Gewinnmitnahmen aufgrund der schlechte Stimmungslage weiter. Die Ukraine-Krise schwelt und droht zu eskalieren. Ein Handelskonflikt mit Sanktionen gegen Russland und der Verweigerung von Gas- und Öllieferungen der anderen Seite würde sich nachteilig auf die Weltkonjunktur auswirken. Hinzu kommt, dass vor allem die Wachstumssituation Chinas schon seit längerer Zeit als unklar gilt.

          Aber auch viele andere Schwellenländer zeigen sich schwach. Am Donnerstag warnte Vitor Constancio, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), dass das derzeit größte Risiko für die Konjunktur der Eurozone ein Abschwung in aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien, Russland, Indien und China sei. Im vergangenen Jahr 2013 hätten diese Länder das schwächste Wachstum seit einem Jahrzehnt erzielt, wenn man den wirtschaftlichen Absturz nach der globalen Finanzkrise im Jahr 2009 ausklammere. „Das ist schlecht für die Eurozone, deren Erholung bislang weitgehend exportgetrieben ist“, sagte Constancio.

          Die Anleger machen daher lieber einmal dort Kasse, wo es bisher am besten lief und satteln auf Substanzwerte um. Chad Morganlander, Portfoliomanager bei Stifel Nicolaus, geht davon aus, dass der Trend auch in den kommenden Wochen andauert. Anleger suchten nach Unternehmen mit stabilen Erträgen. Sie hätten Bedenken hinsichtlich der hohen Bewertungen in Anbetracht des doch eher geringen Umsatzwachstums, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dies sein ein perfekter Cocktail für eine Rotation aus den Wachstumswerten in sogenannte Substanz-Aktien. Hinzu kommt, dass auf der technischen Seite die amerikanischen Indizes wichtige Unterstützungen gebrochen hätten, so Craig Erlam, Stratege beim Broker Alpari UK.

          Auch sind die Bewertungen vieler Aktien noch hoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Nasdaq-100-Index wird im Durchschnitt derzeit auf immer noch rund 26 geschätzt, der mittlere Wert liegt bei 21.

          Die Hausse an der Nasdaq begann noch in der heißen Phase der Finanzkrise, als der Nasdaq-100-Index im November 2008 bis auf 1036 Punkte gefallen war. Seitdem ging es bis zum 5. März dieses Jahres beständig nach oben. In dieser Zeit stieg der Index um das 2,6-fache oder um rund 27,5 Prozent pro Jahr.

          Einst und jetzt: Zehn Top-Aktien aus dem Nasdaq 100
          Unternehmen Kursplus [1] Kursminus [2] KGV KGV [e]
          Tesla Motors 616,75% -20,07% n.a. 147,0
          Netflix 370,61% -27,00% 139,9 241,0
          Micron Technology 276,30% -13,64% 11,4 15,6
          Illumina 208,02% -24,67% 66,9 97,7
          Facebook 158,33% -18,24% 100,3 42,6
          Keurig Green Mountain 156,92% -11,39% 29,3 71,3
          Tripadvisor 145,94% -24,51% 58,1 59,0
          Bi0gen Idec 122,53% -16,16% 36,7 206,9
          Gliead Sciences 116,81% -21,85% 34,9 47,2
          Proceline 112,25% -15,03% 32,2 847,8
          Quelle: Bloomberg

          Seit Anfang März werden nun vor allem die Gewinner des Vorjahres verkauft. Sechs Aktien, die zwischen dem Jahresanfang 2013 und dem 5. März zu den zehn  größten Kursgewinnern gehörten, sind auch unter den zehn größten Verlierern seitdem zu finden. Das gilt vornweg für den Internet-TV-Konzern Netflix, dessen Kursgewinn von 371 Prozent nun ein Verlust von 27 Prozent gefolgt ist. Getroffen hat es auch den E-Autobauer Tesla und das Soziale Netzwerk Facebook.

          Gerade diese Aktien weisen hohe Bewertungen auf. Tesla etwa macht derzeit keine Gewinne, die Analysten erwarten diese zwar für die nächste Zeit, doch wird die Aktie immer noch mit dem 147-fachen der künftigen Gewinne bezahlt. Noch schlechter sieht es für Netflix aus. Bei einer aktuellen Bewertung mit dem 140-fachen des Gewinns soll dieses Verhältnis nun auf das 241-fache steigen. Unter den Blinden der Einäugige ist Facebook. Aktuell noch mit dem 100-fachen bewertet, soll es demnächst nur noch der Faktor 43 sein.

          Im Durchschnitt sind die Top-Ten-Performer aktuell mit dem 57-fachen und künftig mit dem 178-fachen bewertet. Unter diesen Umständen sind Konsolidierungen nach einer solch langen Erfolgsstrecke einfach nur zwangsläufig. Ein Indiz dafür, dass die Zeit reif war, ergab sich auch aus den jüngsten Börsengängen von Twitter und dem Smartphone-Spieleanbieter King Digital, die trotz mehr oder weniger großen Zweifeln an der Werthaltigkeit der Geschäftsmodelle sehr begehrt waren.

          Der Kurs von Twitter liegt mit 41,34 Dollar inzwischen unter dem ersten Schlusskurs von 44,90 Dollar und 44 Prozent unter dem Höchstkurs von 73,31 Dollar. Bewertet ist die Aktie mit mehr als dem 2000-fachen des Gewinns. Der Kurs des Spätkommers King Digital liegt mit 18,23 Dollar weit unter dem Emissionspreis von 22,50 Dollar. Der Börsengang kam erst Ende März, dennoch waren die Aktien begehrt gewesen. Erfolgreich war das Investment indes nicht, da der Emissionspreis nicht mehr erreicht wurde.

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