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Aktienmarkt Südafrika : Börse Johannesburg jagt von Rekord zu Rekord

  • Aktualisiert am

Südafrika ist nicht nur bei Touristen beliebt: Blick vom Tafelberg Bild: picture-alliance/ dpa

Südafrikas Aktien verzeichnen ein Hoch nach dem nächsten. Doch die Risiken wachsen - nicht nur wegen der hohen Bewertung. Ausländischen Anlegern macht ohnehin die Währung einen Strich durch die Rechnung.

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          An der Börse in Johannesburg haben die Haussiers das Ruder anscheinend fest in der Hand. Der Leitindex der Börse von Südafrika, der JSE-Africa-All-Share-Index, hat nicht nur den scharfen Einbruch zwischen Mitte Mai und Mitte Juni wieder wettgemacht, sondern er stieg bereits Ende August/Anfang September auf einen neuen Rekord.

          Nach einem kurzen Rückschlag setzte er seinen Höhenflug und damit seine jahrelange Erfolgsgeschichte fort. Er führte den Index am Montag auf den Höchststand von 23.051 Punkten, nachdem er sich abermals um knapp ein Prozent erhöht hatte. Damit hat der Index in den vergangenen zwölf Monaten um rund 45 Prozent zugelegt.

          Gesundheitswesen und Telekom geben Rückenwind

          Ausländische Anleger haben die Kurssteigerungen seit dem Frühjahr jedoch nicht so recht genießen können, denn die Landeswährung, Rand, ist seit April gegenüber dem amerikanischen Dollar um etwa 20 Prozent gefallen. Allein im September büßte er gut 7,5 Prozent ein. Der südafrikanische Aktienmarkt spürte zuletzt Rückenwind vor allem von den Bereichen Gesundheitswesen und Telekommunikation. Das Ergebnis sähe gewiß noch wesentlich besser aus, wenn sich die Rohstoffaktien nicht unter nachhaltigem Druck befunden hätten. Südafrika ist ein bedeutender Produzent und Exporteur von Edel- und Industriemetallen, von Diamanten und Erzen sowie von Kohle, aber auch von Agrarerzeugnissen.

          Mit dem allgemeinen Kurseinbruch an den Börsen von Anfang Mai, der mit einer Schwäche auch vieler Rohstoffe einherging, hat sich vor allem im Sektor der Schwellenmärkte eine gravierende Veränderung eingestellt. Die Börsen von Ländern, die Rohstoffe produzieren und exportieren, tendierten im allgemeinen eine Weile lang relativ schwach. Die Aktienmärkte von Rohstoffimporteuren dagegen wiesen zunächst eine „relative Stärke“ auf. Später ergab sich ein differenzierteres Bild, das nach dem Urteil von Anlagestrategen mehr und mehr von den individuellen fundamentalen Bedingungen in den einzelnen Ländern bestimmt wurde und noch wird.

          Leistungsbilanzdefizit als hohes Risiko

          Im Falle Südafrikas sind sich die Experten nicht einig, welche Kräfte hinter den in den vergangenen Wochen verzeichneten Kurssteigerungen stehen, zumal nach Darstellung der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch im September Kapital vom Aktienmarkt dort abgeflossen ist. Die Börse in Johannesburg wird zudem als relativ hoch bewertet eingestuft.

          Ferner gilt Südafrika aus rein politischer Sicht als vergleichsweise unsicheres Pflaster. Normalerweise würde dies bedeuten, daß Aktien dort schon allein aus diesem Grund einen Risikoabschlag aufweisen müßten. Auch das vergleichsweise hohe südafrikanische Leistungsbilanzdefizit gilt unter Anlageaspekten als hohes Risiko. Viele Anlagestrategen empfehlen spätestens seit dem allgemeinen Kurseinbruch vom Mai, Börsen von Ländern untergewichtet zu halten oder sogar zu meiden, die sich durch ein solches Defizit auszeichnen.

          Exportwirtschaft leidet unter dem starken Rand

          Ein großer Teil der südafrikanischen Exportwirtschaft leidet noch immer unter der zurückliegenden starken Aufwertung des Rand gegenüber allen anderen führenden Währungen. Sie hatte nach dem Urteil vieler Strategen vorwiegend finanztechnische Gründe in Form massiver Carry Trades, die hohe Kapitalzuflüsse bescherten und diese Aufwertung erzwangen, und weitaus weniger fundamentale Ursachen.

          Ein gravierendes Ergebnis dieser Aufwertung war das, was als „Dutch Disease“ bezeichnet wird. In den fünfziger und sechziger Jahren büßten die Niederlande aufgrund des stark gestiegenen Preises für Erdgas wegen der Währungsaufwertung kräftig an internationaler Wettbewerbsfähigkeit ein. Geplante Investitionen vor allem im Bergbau sind aus Kostengründen unterblieben. Die in Rand erlösten Exporteinnahmen der Produzenten von Rohstoffen fielen, während die in Rand anfallenden Kosten stiegen. Besonders stark haben dies die den Weltmarkt beherrschenden südafrikanischen Produzenten von Gold und Platin gespürt.

          Kräftiges Wachstum der Binnennachfrage

          Der fundamentale Hintergrund, vor dem sich die Kurse an der Börse in Johannesburg bilden, zeigt ein kräftiges Wachstum der Binnennachfrage. Nach Darstellung von Deutsche Bank Research sind sowohl der Konsum als auch Innovationen die treibenden Kräfte. Dies und die Schwäche des Rand dürften die in diesem Jahr auf 5,5 Prozent geschätzte Inflation der Verbraucherpreise anheizen. Die Bank erwartet weitere Anhebungen des Leitzinses durch die Zentralbank.

          Der zyklische Gipfel könne bei neun Prozent erreicht werden. Voraussetzung dafür sei jedoch, daß das gegenwärtig bei etwa sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegende Leistungsbilanzdefizit wieder um einiges unter diese Marke sinke und daß sich die Inflationsrate zusammen mit dem Konsum abschwäche. Unter den gegenwärtigen Bedingungen erscheine bei zehnjährigen südafrikanischen Staatsanleihen eine Rendite von 8,5 Prozent angemessen.

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