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Aktienmarkt : VW schickt Kurse in den Keller

  • -Aktualisiert am

Das Volkswagendebakel wirkt sich mittlerweile auch auf andere Autowerte aus. Bild: AFP

Schwarze Tage an der Börse: Der Abgas-Skandal lässt die VW-Aktie noch einmal rund 20 Prozent abstürzen, der Dax verliert insgesamt 3,8 Prozent. Die sinkenden Rohstoffpreise wecken Deflationsängste.

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          An den internationalen Finanzmärkten kehrt keine Ruhe ein. Am Dienstag stand wiederum Volkswagen im Mittelpunkt des Interesses an der Börse. Die Vorzugsaktie des größten Automobilkonzerns der Welt brach unter dem Eindruck neuer Hiobsbotschaften noch einmal um rund 20 Prozent ein. Der Konzern kündigte am Dienstag an, im dritten Quartal 6,5 Milliarden Euro für Risiken zurückzustellen. Damit besitzt auch die bisherige Prognose für den Jahresgewinn 2015 keine Gültigkeit mehr.

          Nunmehr summiert sich der Kursverlust der Vorzugsaktie auf 40 Prozent in 2 Tagen. Unter dem Eindruck dieses Debakels gaben auch die Aktien anderer europäischer Fahrzeughersteller am Dienstag spürbar nach. In der Folge brachen führende europäische Aktienindizes wie der Dax und der Euro-Stoxx 50 um mehr als 3 Prozent ein. Das Tagestief des Dax von 9559 Punkten wurde zuletzt im Januar dieses Jahres erreicht.

          Historischer Tiefstand des brasilianischen Real

          Für weitere Ernüchterung sorgten weiterhin fallende Rohstoffpreise, die zwar die Kaufkraft in den Industrienationen erhöhen, aber wirtschaftlichen Druck auf zahlreiche Schwellenländer ausüben. Am Devisenmarkt fiel der Kurs des brasilianischen Real gegenüber dem Dollar auf einen historischen Tiefststand. Der Fall der Rohstoffpreise kann nach Ansicht von Analysten den von den Zentralbanken in den Industrienationen erwünschten Anstieg der Inflationsrate auf rund 2 Prozent auf unabsehbare Zeit verschieben. Denkbar ist sogar, dass die Inflationsraten in den Minusbereich fallen. Erfasst von der Baisse wurde auch der Goldpreis, der sich um knapp ein Prozent verbilligte.

          Diese Unsicherheit sorgte an den Märkten für Käufe von Staatsanleihen, die als sicherer Hafen betrachtet werden. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sank um 8 Basispunkte auf 0,61 Prozent, die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen um 6 Basispunkte auf 2,14 Prozent. Die Rendite fünfjähriger deutscher Staatsanleihen fiel erstmals seit fast einem Monat wieder unter Null. Die Schwäche des Aktienmarkts begünstige Kursgewinne bei Anleihen, hieß es von der Rabobank.

          Nicht nur an der deutschen Börse richteten sich die Blicke nach Wolfsburg. Mehrere Analysten senkten am Dienstag die Daumen. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs etwa empfahl, die VW-Vorzugsaktie nach den manipulierten Abgastests zu verkaufen. Über den finanziellen Schaden hinaus sei der Imageverlust für den Wolfsburger Autohersteller erheblich, schrieb Analyst Stefan Burgstaller in einer Studie. Obendrein könne der Skandal die geplante Absatzoffensive von Diesel-Fahrzeugen deutscher Hersteller in den Vereinigten Staaten erschweren. Matthias Jasper von der WGZ Bank in Düsseldorf gab zu bedenken, dass die auf Volkswagen zukommenden Kosten und Strafen vermutlich auf sehr lange Zeit nicht absehbar seien. Diese Aussicht sei sehr negativ und veranlasse auch langfristige Anleger zu Verkäufen der Aktie.

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          Ganz einheitlich war die Stimmungslage unter den Börsianern nicht. Weitaus zuversichtlicher für die künftige Entwicklung von VW ist die Schweizer UBS: Analyst Philippe Houchois nahm das Kursziel für die Aktie, die am Dienstag noch wenig mehr als 100 Euro kostete, nur leicht von 300 auf 290 Euro zurück. Er rät sogar weiterhin zum Kauf, da VW einer der wenigen Autobauer mit bedeutendem Ergebnis- und Kapitalpotential sei.

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