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Aktienmarkt : Schwache Berichtssaison lässt Anleger kalt

Bild: F.A.Z.

Mehr auf der Soll- als auf der Haben-Seite befinden sich die Geschäftsberichte der Unternehmen am Donnerstag. Die Aktienkurse steigen trotzdem.

          5 Min.

          Die Berichtssaison verläuft nicht ganz nach Plan. Schon am Vortag waren die vorgelegten Geschäftszhalen nicht so recht nach dem Geschmack der Anleger. Krones erfüllte zwar die Erwartungen, doch nachdem dieser am Donnerstag eigene Aktien zur Liquiditätsgewinnung verkauft, gab der Kurs deutlich um 4,7 Prozent nach. VW bestätigte immerhin den Ausblick, doch Daimler zog die Gewinnprognose zurück und Kontron macht weiter Verluste.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sehr durchwachsen lief es auch am Donnerstag. Dennoch legten Dax und FAZ-Index um knapp 1 bzw. 0,8 Prozent auf 7833 bzw. 1682 Zähler zu, was nicht zuletzt der freundlicheren Eröffnung der Wall Street zu verdanken war. Vor allem aber wird weiter auf eine Leitzinssenkung der EZB und ein Ende der italienischen Regierungskrise spekuliert, auch wenn vieles daran als Wunschdenken erscheint.

          Fielmann und MTU schneiden positiv ab

          Auf der Haben-Seite stehen die Optikerkette Fielmann und der Triebwerksbauer MTU. MTU steigerte den Umsatz um 35 Prozent auf 945 Millionen Euro. Der Gewinn ging aber um ein Drittel auf 36 Millionen Euro zurück, weil die Beteiligung an den Triebwerken für neue Flugzeuge wie den Airbus A320 und A380 sowie Boeings „Dreamliner“ und den Jumbo 747-8 weniger Geld einbringt als der Service-Bereich. Allerdings übertraf das die Erwartungen der Analysten.

          Der Kurs stieg dennoch um 1,2 Prozent, gab aber über den Tag hinweg deutlich nach. Das besser als erwartete Abschneiden und die Bestätigung der als konservativ angesehen Jahresprognose reichen den Anlegern in diesem Fall offensichtlich. Zudem sei die Aktie angesichts eines Bewertungsabschlages im Vergleich zu Wettbewerbern attraktiv. Und die schwächere Marge gebe ja Chancen für sagt Analyst Markus Turnwald von der DZ Bank, der aber befürchtet, dass der Ausblick etwas zu optimistisch sein könnte.

          Fielmann hielt den Brillenabsatz stabil und weitete den Marktanteil aus. Der Umsatz kletterte in den ersten drei Monaten um 2,3 Prozent auf 277,8 Millionen Euro. Der Gewinn stieg leicht auf 32,9 Millionen Euro. Das war etwas mehr als erwartet. Dennoch fiel der Kurs um 2,1 Prozent. Der Start in das Jahr 2013 sei moderat ausgefallen, heißt es von der Baader Bank, die Aktie aber zu teuer.

          Bayer enttäuscht

          Auf der Soll-Seite finden sich vor allem Bayer, aber auch das Rhön-Klinikum, die Software AG und der Netzwerkausrüster ADVA Optical. Bayer hat mit seinen Kennzahlen für das erste Quartal dem die Erwartungen der Analysten verfehlt. Der Umsatz stieg um 2,1 Prozent auf rund 10,3 Milliarden Euro.    Der bereinigte operative Gewinn stieg nur um 0,4 Prozent auf 2,45 Milliarden Euro. Die deutliche Verbesserung des Reingewinns um 11,5 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro geht dagegen auf den Wegfall von Sonderlasten zurück.

          Während das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln deutlich wuchs, leidet das Gesundheitsgeschäft unter der Konkurrenz von Nachahmermitteln und möglichen Rechtsstreits rund um die Verhütungspillen Yaz und Yasmin. Zwar bildete Bayer keine weiteren Rückstellungen, doch hat der Konzern mittlerweile mehr als eine Milliarde Dollar für Vergleiche gezahlt. Vor allem das Kunststoff- und Schaumstoffgeschäft (Material Science) schnitt schwach ab, zudem wurde der Ausblick gesenkt. Der Kurs der Aktie lag den ganzen Tag im Minus, am Ende reichte es dann doch für ein Plus von 0,1 Prozent.

          Software AG und Rhön-Klinikum kommen nicht auf die Füße

          Die Software AG kommt und kommt nicht auf die Füße. Zwar stieg der Umsatz im Wachstumsfeld mit Produkten zur Optimierung von Geschäftsprozessen (BPE) deutlich. Doch der Umsatz im Traditionsgeschäft mit Datenbanken (ETS) ging deutlich zurück, während das wenig profitable Beratungsgeschäft der ehemaligen IDS Scheer weiter zurückgefahren wird. Konzernweit fiel der Umsatz damit um 12 Prozent auf 224,9 Millionen Euro. Experten hatten lediglich einen Rückgang um fünf Prozent erwartet. Der Kurs rutscht um 1,1 Prozent ab. Adva Optical kämpft weiter mit der großen Zurückhaltung seiner wichtigsten Kunden. Der Kurs des Glasfaserkabel-Spezialisten fiel um mehr als 2 Prozent.

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