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Aktienmarkt : Schwache Berichtssaison lässt Anleger kalt

Wenig erwartet wurde vom Rhön-Klinikum, das Ertragsschwierigkeiten hat und nach der fehlgeschlagenen Übernahme durch Fresenius allein zurecht kommen muss. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse um 10 Prozent auf 752 Millionen Euro. Der Konzerngewinn sank um 29 Prozent auf 24 Millionen Euro. Vor allem aber kürzt der Klinikbetreiber die Dividende drastisch auf 0,25 von 0,45 Euro. Das drückte den Kurs zunächst deutlich, doch nachdem die neue Führungsmannschaft mehr Ertragskraft versprach und mögliche Effekte über die Prognose für das Gesamtjahr hinaus versprach, drehte dieser 1,2 Prozent ins Plus.

Dem Eisenbahnzulieferer Vossloh machen der harte Wettbewerb und die geringe Auslastung in den Lokwerken zu schaffen. Zwar kletterte der Umsatz um 4,5 Prozent auf 267,2 Millionen Euro. Aber der Gewinn schrumpfte. Doch der Aktienkurs verbuchte ein kleines Plus von 0,5 Prozent.

Evoniks Debüt verläuft brauchbar

Abseits der Berichtsaison geht der Blick vor allem auf das Börsendebüt des Chemiekonzerns Evonik. Die Aktie startete mit 33 Euro in den Handel. und schloss bei 32,94 Euro über dem Plazierungspreis von 32,30 Euro. Mit einem Gesamtvolumen von gut zwei Milliarden Euro für insgesamt rund 14 Prozent der Evonik-Aktien ist es einer der größten Börsengänge in Deutschland seit Jahren.

Positiv auf den Gesamtmarkt wirken immer noch die Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank aufgrund der zuletzt schwächeren Konjunkturdaten. Analysten zweifeln jedoch an deren Nutzen. Denn eine Leitzinssenkung würde die Kreditbedingungen vor allem in Ländern verbessern, wo sie kein großes Problem sind, wie etwa in Deutschland. In den Peripherieländern aber hilft sie wenig, weil diese vor allem ein Problem in der Angebotsstruktur und weniger auf der Nachfrageseite haben.

Der deutliche Sieg des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund in der Champions League gegen Real Madrid schlägt sich auch am Aktienmarkt nieder. Nachdem der Abgang von Mario Götze den Kurs am Dienstag und Mittwoch um bis zu 6 Prozent fallen ließ, legt er am Donnerstag um mehr als 6 Prozent zu und macht die Abschläge vergessen.

An der Wall Street überwiegt Optimismus

Auch an der Wall Street beherrscht die Bilanzsaison das Geschehen. Und obwohl längst nicht alle vorgelegten Quartalsausweise überzeugen, ist die Stimmung gut. Die Anleger spekulieren auf die Arbeitsmarktzahlen. In der vergangenen Woche haben weniger Amerikaner zum ersten Mal Arbeitslosenhilfe beantragt als erwartet. Auch die britische Wirtschaft scheint der Rezession entgehen zu können. Sie wuchs im ersten Quartal etwas stärker als erwartet. Der Dow-Jones-Index steigt um 0,45 Prozent auf 14.754 Punkte. Der S&P-500 gewinnt 0,6 Prozent und der Nasdaq Composite 0,75 Prozent.

Unter den im Dow gelisteten Unternehmen hat der Mischkonzern 3M im ersten Quartal überraschend schlecht abgeschnitten und musste daher seine Ertragsprognosen für dieses Jahr senken. Das drückt die Aktie um 2,2 Prozent. Exxon Mobil hat zwar mehr verdient als erwartet, dafür aber weniger umgesetzt. Der Aktienkurs des Ölkonzerns fällt um 1,2 Prozent.

Bei Cliffs Natural Resources, dem größten nordamerikanischen Eisenerzproduzenten, fiel der Gewinnrückgang im ersten Quartal nicht ganz so stark aus wie befürchtet. Der Aktienkurs macht einen Freudensprung von knapp 18 Prozent.

Akamai hat nicht nur einen Gewinnsprung um 65 Prozent im ersten Quartal verzeichnet, sondern sich darüber hinaus für das laufende Quartal höhere Ziele gesetzt, als Analysten erwartet hatten. J.P. Morgan belohnt das mit einer Kaufempfehlung, der die Anleger prompt folgen. Die Akamai-Aktie verteuert sich um fast 20 Prozent.

Der Kurs von Intuit bricht dagegen um mehr als 12 Prozent ein. Sowohl J.P. Morgan als auch die Citigroup haben die Aktie auf „Neutral“ heruntergestuft, nachdem Intuit eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte. Die Steuererklärungssoftware TurboTax verkauft sich nicht so gut wie erwartet.

Auch die Aktie von Zynga gibt kräftig um 6,8 Prozent nach. Der Anbieter von Online-Spielen wie FarmVille hat zwar das erste Quartal überraschend mit einem Gewinn abgeschlossen, dafür laufen ihm die Spielkameraden davon. Die Zahl der aktiven Spieler ging deutlich zurück. Qualcomm hat zwar auf bereinigter Basis im zweiten Geschäftsquartal besser abgeschnitten als erwartet, doch kommt der Ausblick des Chipherstellers nicht gut an. Der Kurs gibt um mehr als 5 Prozent nach.

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