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Aktienmarkt : Reiseunternehmen belastet - Pharmawerte profitieren

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Lufthansa - Folgen der Grippe zu spüren? Bild: Lufthansa

Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schweinegrippe macht sich an den Aktienmärkten bemerkbar. Die Kurse von volatilen Reise- und Luftfahrtaktien fallen, während die solider Pharma- und Diagnoseunternehmen profitieren.

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          Die Furcht vor einer Ausbreitung der Schweinegrippe macht sich am Montag an den Finanzmärkten bemerkbar. Während die Aktien der längst angeschlagenen und hoch zyklischen Reise- und Luftfahrtkonzernen noch stärker als bisher in die Defensive geraten, können die Papiere verschiedener Pharma- und Analyseunternehmen in Erwartung guter Geschäfte Kursgewinne verzeichnen.

          Die stärksten Kursverluste verzeichnen die Papiere der Lufthansa. Sie verzeichneten im frühen Handel Kurseinbußen von knapp 15 Prozent. Der Kurs wird nicht nur von den Folgen denkbarere Reiseeinschränkungen belastet, die sich durch die Verbreitung der Schweinegrippe ergeben könnten, sondern sie spüren zusätzlich den Dividendenabschlag.

          Aktien von Reise- und Luftfahrtunternehmen in der Defensive

          Tatsächlich verlieren aber die Werte aller Unternehmen, die aufgrund der allgemeinen Wirtschaftsschwäche sowieso schon unter Druck stehen und der nun durch die möglichen Folge der Schweinegrippe noch verstärkt werden könnte. Neben den Aktien der Lufthansa fallen auch die Kurse von China Eastern Airlines, Cathay Pacific Airways, Ryanair, der Korean Air Lines, British Airways, Air France-KLM, China Airlines, All Nippon Airways bis hin zu Qantas, Easyjet und Japan Airlines um 4 bis 9 Prozent.

          Neben den Fluglinien stoßen auch die Aktien von Hotel- und Reisewerten auf Skepsis. In Asien standen die Papiere des japanischen Reisevermittlungsunternehmens H.I.S. unter Druck und verloren mehr als 10 Prozent, ebenso wie die Aktienkurse von China Travel, Shangri-La, Mandarin Oriental und SJM. In Europa verbuchen die Aktien von Thomas Cook, des Kreuzfahrtunternehmens Carnival, der Inter-Continental Hotels und nicht zuletzt auch Tui Travel Kursverluste zwischen 4 und 7 Prozent.

          „Die Furcht vor einer Pandemie ist durchaus spürbar, das war ja damals auch bei SARS so“, sagte ein Händler mit Blick auf die Infektionskrankheit, die vor einigen Jahren weltweit einige hundert Todesopfer gekostet hat und die die Geschäfte von Reise- und Luftfahrtunternehmen zumindest zeitweise beeinträchtigt hatte. Solche Phänomene dürften sich nun wiederholen. Sehr wahrscheinlich wird sich die Nachrichtenlage in Bezug auf die Schweinegrippe bald wieder beruhigen. Das ändert jedoch wenig an der Tatsache, dass sich Reise- und Luftfahrtunternehmen operativ in einer schwierigen Lage befinden.

          Pharma- und Diagnoseunternehmen können leicht profitieren

          Im Hotel- und Reisebereich stagnieren Umsätze und Gewinne, während die Gewinnentwicklung der Fluglinien stark zyklisch geprägt und langfristig wenig überzeugend ist. Ihre Aktien kann man als Anleger praktisch nur zu Beginn wirtschaftlicher Boomphasen erwerben. Absicherungsstrategien sind jedoch selbst dann dringend notwendig, um automatisch aus dem Markt genommen zu werden, sobald die Geschicke wechseln.

          Die Kehrseite der Medaille ist bei Pharma- und Diagnoseunternehmen wie Roche, Sanofi-Aventis, Glaxo-Smith-Kline, Qiagen oder auch Biotest zu beobachten. Sie gelten in Zeiten befürchteter Pandemien als „Krisengewinnler“, da ihre Produkte und Dienstleistungen vermehrt nachgefragt werden - so die Hoffung der Anleger. Bei Roche richten sich entsprechende Erwartungen auf das inzwischen bekannte Medikament Tamiflu und bei Glaxo-Smith-Kline auf Relenza. Der Kurs der Genussscheine von Roche legt am Montag um rund 4 Prozent zu, während sich der Aktienkurs von Biotest mit einem Plus von 8 Prozent sogar von den jüngsten Rückschlägen erholen und die Bodenbildung verstärken kann.

          Im Unterschied zu Reise- und Luftfahrtunternehmen sind die Aktien von Pharma- und Diagnoseunternehmen nicht nur vergleichsweise attraktiv bewertet, sondern entwickeln sich operativ langfristig vergleichsweise robust. Auf dieser Basis sind sie für langfristig orientierte Anleger interessanter. Allerdings sollten die Unternehmen über eine solide Produkt- und Entwicklungsbasis verfügen.

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