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Aktienmarkt : Linde verschreckt, RWE-Spaltung erfreut

  • Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Mit dem Kurs der Linde-Aktie geht es nach einer Prognosesenkung am Dienstag steil abwärts. RWE will sich aufspalten und ist gefragt.

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          Der Gase-Konzern Linde hat seinen Aktionären mit einem pessimistischeren Blick in die Zukunft eine kalte Dusche verpasst. Der Aktienkurs knickt am Dienstag um mehr als 13 Prozent ein.

          Die Kurserholung seit Ende September ist damit zum Großteil dahin. Für den bisherigen Jahresverlauf steht nun ein Minus von mehr als 7 Prozent zu Buche.

          Die Münchener peilen 2017 nur noch ein operatives Ergebnis von 4,2 bis 4,5 Milliarden Euro an statt der bisher angestrebten 4,5 bis 4,7 Milliarden Euro. Einer der wesentlichen Gründe dafür ist der weltweite Rückgang des Wachstums der Industrieproduktion, das sich auf das Industriegase-Geschäft auswirkt. Zudem würden staatliche Preiskürzungen für Leistungen im amerikanischen Gesundheitswesen voraussichtlich stärker als erwartet ausfallen.

          Langfristige Ziele seien in der Chemieindustrie in den vergangenen Jahren in Mode gewesen, schreibt Analyst Peter Spengler von der DZ Bank in einer ersten Einschätzung. Mit den meisten habe es aber nicht geklappt.

          Analyst Tim Jones von der Deutschen Bank reduzierte seine Gewinnerwartungen und senkte das Kursziel von 178 auf 170 Euro. Er bezeichnete die Zielsenkung für 2017 als Enttäuschung. Allerdings sieht er immer noch rund 15 Prozent Luft nach oben und beließ es bei einer Kaufempfehlung. Zwar fehlten kurzfristige Treiber, doch hätten die Papiere langfristig Potenzial. Das Geschäftsmodell des Konzerns funktioniere.

          Sobald sich der Staub lege, dürfte klar werden, dass die Gewinne im Jahr 2016 weitgehend stabil bleiben dürften, schrieb Jones in seiner Studie. Es sei also kein komplettes Desaster, und 2017 werde es wohl eine normalere Wachstumsrate geben. Voraussetzung sei aber, dass konjunkturelle Störfeuer ausblieben. Zudem werde das Unternehmen nun vermutlich mit Blick auf Kostensenkungen noch mehr tun.

          Zum Verkauf rät dagegen das Analysehaus S&P Capital IQ mit einem Kursziel von 135 Euro. Das Kursziel impliziere einen Bewertungsabschlag auf die Aktien der Konkurrenz, was angesichts der stärkeren Ausrichtung von Linde auf die Petrochemie-, Öl- und Gas-Industrie gerechtfertigt sei, schreibt Analyst Jit Hoong Chan. Diese Branche spüre wegen des gesunkenen Ölpreises Gegenwind. S&P hatte aber schon zuvor die Aktie zum Verkauf empfohlen.

          Die meisten Analysten haben ihre Empfehlungen am Dienstag beibehalten. Kepler Chevreux änderte die Einschätzung dagegen von „Kaufen“ auf „Reduzieren“.

          Aus techinscher Sicht wird interessanz sein zu sehen, ob die Unterstützung zwischen 138 und 140 Euro hält. Falls nicht, ist eine weitere Abwärtsbewegung denkbar.

          RWE-Aufspaltung wirkt positiv

          Auf der Positivseite dominieren gegen Mittag RWE mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Deutschlands zweitgrößter Versorger plant eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Teile. Der Vorstand habe beschlossen, die Geschäftsfelder Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in einer neuen Tochtergesellschaft zu bündeln, teilte RWE mit.

          Die konventionellen Kraftwerke sollen weiter im Hauptkonzern bleiben. Eon hatte vor knapp einem Jahr seine Aufspaltung in den Bereich konventionelle Energien, zu dem auch die Atomkraft gehört, und Erneuerbare Energien beschlossen. Die Versorger haben derzeit vor allem mit dem Preisverfall im Strom-Großhandel infolge des Ökostrom-Booms zu kämpfen.

          Rund zehn Prozent der neuen Gesellschaft sollen voraussichtlich Ende 2016 im Wege eines Börsengangs im Zusammenhang mit einer Kapitalerhöhung plaziert werden. Zeitgleich oder nachfolgend könnten weitere Anteile an der neuen Gesellschaft veräußert werden.  Der Aufsichtsrat soll am 11. Dezember entscheiden.

          Der Dax tendierrt dagegen praktisch unverändert bei 11.375 Zählern.

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