https://www.faz.net/-gv6-11q4h

Aktienmarkt : Ein kleiner Lichtblick an der Börse

Lichten sich die Wolken? Bild: Marcus Kaufhold

Die Wirtschaftsdaten sind so schlecht wie nie. Aber das sind die Zahlen von gestern. Und der Schock lässt langsam nach. Kein Zufall, glauben Analysten und setzen auf die nahende Erholung.

          3 Min.

          Die Schlagzeilen der vergangenen Woche machten es noch einmal ganz deutlich: Die Wirtschaft säuft ab. Die Finanzkrise fegte wie ein Orkan um die Welt, jetzt geht alles unter: Für die Monate Oktober bis Dezember melden die Firmen horrende Verluste, die Wirtschaft ist geschrumpft wie lange nicht, die EU spricht gar von einem nie gesehenen Ausmaß der Krise. Und die deutschen Maschinenbauer haben im Dezember nur noch rund halb so viele neue Aufträge bekommen wie ein Jahr zuvor.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch das ist der Dezember. Wer seinen Blick nach den Zahlen vom Jahresende wieder nach vorn richtet, der findet in diesen Tagen immerhin schon ein bisschen Treibholz, an das er sich klammern kann. Die gute Nachricht ist: Im Januar scheint der Sog nach unten deutlich schwächer geworden zu sein.

          Der Pessimismus nimmt ab

          Das zeigt zum Beispiel der Ifo-Geschäftsklimaindex: Jeden Monat fragt das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung 7000 Firmen in ganz Deutschland, wie es ihnen geht - und seit Januar sehen erstmals wieder mehr Firmen bessere Aussichten für die Zukunft als zuvor. Die Zahl der Schwarzseher wächst nicht mehr. Nun sind solche Umfragen immer unsicher, das Ifo-Institut spricht darum erst nach drei guten Monaten von einer Trendwende.

          Doch es gibt noch weitere Nachrichten, die Mut machen - mehr, als dass es reiner Zufall wäre, wie Volkswirte der Deutschen Bank finden: Die Einkäufer der amerikanischen Industrie sind nicht mehr ganz so pessimistisch wie im Dezember. Vielleicht geben sie also bald wieder mehr Geld aus. Die Preise für Schiffstransporte haben sich nach einem tiefen Sturz im Dezember verdreifacht: ein Indiz dafür, dass der Welthandel langsam wieder Fahrt aufnimmt.

          „Der Schock lässt langsam nach“

          Diese Werte zusammen deuten darauf hin, dass die Wirtschaft zumindest langsamer schrumpft. Und sie gehören zu den wichtigsten Vorzeichen dafür, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird. Wenn sie positiv ausschlagen, ist die Trendwende in den Firmen meist nur wenige Monate entfernt. Erste Unternehmen berichten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass ihr Geschäft im Januar etwas einfacher geworden ist.

          Das ist eine Chance für Aktionäre. Denn in solchen Situationen hat auch der Dax einige Möglichkeiten zu steigen. So sind die Börsen: Die Kurse fallen, auch wenn die Firmen noch gar keine schlechten Zahlen schreiben und von Entlassungen noch keine Rede ist. Wenn dann tatsächlich die Verluste kommen, die Arbeitslosigkeit steigt und die Verbraucher pessimistisch werden, ziehen die Kurse oft schon wieder an - falls sich abzeichnet, dass sich das Geschäft der Firmen bald wieder verbessert.

          Der Vermögensverwalter Frank Lingohr setzt sogar schon wieder auf Firmen, deren Erfolg stark von der Konjunktur abhängt: Lieferanten von Rohstoffen und Industrieprodukten. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sagt: „Die Lage ist immer noch ganz schlecht, aber der Schock lässt langsam nach.“

          „Nachlassender Schmerz“

          In dieser Krise reicht es Krämer aber nicht, dass die klassischen Konjunkturumfragen wieder etwas Mut machen. Wichtig ist ihm, dass sich auch die Finanzmärkte entspannen: Die Kurse werden weniger zittrig. Die Banken fassen langsam wieder Vertrauen zueinander und parken nicht mehr all ihr Geld bei der Zentralbank.

          Und die Industrie bekommt an der Börse wieder leichter Kredit. Damit ist die Wirtschaftskrise noch nicht ausgestanden. Doch es gibt Hoffnung darauf, dass die Lage sich in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert. Bis dahin wird die Rezession in Amerika immerhin doppelt so lang gedauert haben wie jede normale.

          Und diese Aussicht auf Besserung reicht, um die Kurse für eine gewisse Zeit zu heben. „Im ersten Halbjahr sollten wir zumindest eine Bärenmarkt-Erholung sehen, getrieben vom nachlassenden Schmerz“, glaubt Commerzbank-Volkswirt Krämer.

          Doch nur Treibholz

          Er glaubt allerdings nicht - ebenso wie seine Kollegen von der Deutschen Bank und anderen Instituten - dass der Auftrieb von Dauer sein wird. Banken- und Immobilienkrisen zogen meist viele schlechte Jahre nach sich. Trotz Stabilisierung werde der Aufschwung nicht kräftig ausfallen. Die Wirtschaft wachse noch lange so schwach, dass es keine neuen Arbeitsplätze gebe.

          So hängt der Aufschwung im Wesentlichen an der Politik. Für Hoffnung sorgen jetzt die riesigen Konjunkturpakete der Regierungen von Amerika bis China, sagt Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der Unicredit. Und sein Kollege Jörg Krämer von der Commerzbank warnt: Falls die Wirtschaft noch irgendeinen Schock bekäme - etwa durch eine weitere Banken- oder Staatspleite -, bräche der Sturm wieder los. Das Risiko dafür beziffert er auf 1:4.

          Solange das nicht passiert, sollten Anleger die Konjunkturdaten beobachten: Nächste Woche kommt der ZEW-Index zur Börsenstimmung, in der Woche darauf der neue Ifo-Index. Wenn der steigt, gibt es gute Chancen für eine kleine Rally. Das würde nicht für einen Aufschwung sorgen, aber zumindest für noch mehr Treibholz, an das sich dann noch mehr Schiffbrüchige klammern können.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ärger beim FC Bayern : „Ich könnte durchdrehen“

          Joshua Kimmich kocht nach dem 1:2 der Bayern in Gladbach vor Wut, Thomas Müller faucht, Hasan Salihamidzic ist ratlos. Und Trainer Hansi Flick wirkt angeschlagen. Die Münchner haben ein großes Problem.
          Bei welcher Krankenkasse man unter welchen Bedingungen durch Vorauszahlungen Geld sparen kann, hängt auch vom Einzelfall ab.

          Die Vermögensfrage : Mit Vorauszahlungen Steuern sparen

          Wer seine Krankenversicherungsbeiträge im Voraus bezahlt, kann damit nicht unbeträchtlich Steuern sparen. Ob dies im Einzelfall immer möglich ist, hängt allerdings auch von Versicherung und Krankenkasse ab.
          Ein Fuchs, dieser Waalkes, hier bei einer Preisverleihung im September 2018: Anstatt den Boulevardblättern der Nation einen Scheidungsskandal zu liefern, nimmt der Komiker seine Trennung einfach mit Humor.

          Herzblatt-Geschichten : Alle wissen: Ich bin Single

          Für Otto Walkes sind Scheidungen erfolgreich abgeschlossene Ehen, die Queen hilft mit ihrer Wohltätigkeitsorganisation vor allem sich selbst und Thomas Gottschalk greift Dieter Bohlens Hautmentalität an. Die Herzblatt-Geschichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.