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Aktienmarkt : Der Niedergang stolzer Dax-Konzerne

Der Handelssaal der Frankfurter Börse. Bild: Reuters

Die Dax-Prognosen vieler Banken werden niedriger. Wie viele Fälle wie Volkswagen und Deutsche Bank kann der deutsche Aktienmarkt noch verkraften?

          4 Min.

          An der Börse hat die Ankündigung eines Rekordverlustes der Deutschen Bank am Donnerstag die Kurse nicht gerade dramatisch bewegt: Nachdem die Deutsche Bank am Mittwoch nach Börsenschluss mitgeteilt hatte, dass sie im dritten Quartal den höchsten Quartalsverlust in ihrer 145-jährigen Geschichte erlitten hat und die Dividende zu streichen erwägt, da war der Aktienkurs im außerbörslichen Handel um zehn Prozent eingebrochen. Als die Börsen dann am nächsten Morgen öffneten, schwankte der Kurs zwar zunächst zwischen Verlusten und Gewinnen – schloss letztlich aber mit einem moderaten Minus von 1,8 Prozent. Auch der deutsche Aktienindex Dax blieb entsprechend vor Verlusten bewahrt und legte 0,2 Prozent auf 9993 Punkte zu.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist bemerkenswert: Mit Volkswagen und der Deutschen Bank sorgen zwei große deutsche Unternehmen, beide im Dax, beide von hoher symbolischer Bedeutung auch für das Land, kurz hintereinander für außergewöhnlich schlechte Nachrichten, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und der Dax hält sich trotz allem ganz wacker.

          Man fragt sich: Warum wurde die Deutsche Bank von den Märkten nicht stärker abgestraft? Und: Wie viele Fälle wie VW und Deutsche Bank verkraftet der deutsche Aktienmarkt noch, bevor es schlimmer abwärtsgeht? Sicher ist: Anders als bei Volkswagen, deren Aktien bei Bekanntwerden des Skandals rund 30 Prozent verloren, hatte die Deutsche Bank schon in den vergangenen Jahren erheblich an Börsenwert eingebüßt – so dass möglicherweise schlechte Nachrichten schon stärker in den Kurs „eingepreist“ gewesen waren. Gleichwohl sagt Philipp Häßler, Bankenfachmann beim Analysehaus Equinet: „Ich bin auch überrascht von der positiven Kursentwicklung.“ Vermutlich seien die Investoren erleichtert, dass die Aufräum-Maßnahmen des neuen Chefs der Deutschen Bank, John Cryan, keine Kapitalerhöhung nach sich zögen, die den Wert ihrer Aktien verwässert hätte.

          Dax-Prognosen werden niedriger

          Das allein reicht als Erklärung allerdings nicht aus. Offenbar werde es von den Investoren an den Märkten als positives Signal gewertet, dass der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank mit der „erhofften harten Hand“ durchregiere, die Bilanz bereinige und die Boni möglicherweise kürze. „Das scheint die Dividendenkürzung oder -streichung aus Sicht der Investoren mehr als auszugleichen“, meinte Häßler.

          Wenn man die Kurse von Deutscher Bank und Volkswagen über die vergangenen Jahre vergleicht, so ist der Niedergang bei der Deutschen Bank sogar noch ausgeprägter gewesen als bei Volkswagen jetzt. Zumindest, wenn man die Finanzkrise und die Phase der nachfolgenden juristischen Auseinandersetzungen mit einbezieht. Im Mai 2007 lag der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie bei 102 Euro, jetzt sind es nur noch 25 Euro (minus 75 Prozent). Der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktie hatte im März dieses Jahres mit 255 Euro seinen höchsten Stand erreicht und steht jetzt bei 104 Euro (minus 59 Prozent). Der Kurs der VW-Stammaktie hatte im Zuge der Porsche-Fusion allerdings schon einmal für kurze Zeit noch deutlich höher gestanden.

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