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Aktienmarkt : Der Dax scheint nicht zu stoppen

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Bild: Wresch, Jonas

Die Aktienmärkte sind nach dem Iran-Abkomen auf weitere Rekordjagd gegangen. Analysten prognostizieren für 2013 einen höheren Dax-Stand, mahnen aber auch zur Vorsicht.

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          Der Dax setzt seine Rekordjagd scheinbar unbeirrt fort. Nachdem der Index der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften am Freitag erstmals eine Woche mit mehr als 9200 Punkten beendet hatte, setzte er zum Auftakt der neuen Woche noch einen Höchststand drauf. Am Montag beendete der Dax den Handel mit 9299,95 Punkten als am Freitag einen Schnaps unter der Marke von 9300 Punkten, die er im Handelsverlauf bis auf 9323 Stellen überstiegen hatte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Montag waren die Aktien von Fresenius Medical Care mit 7,5 Prozent Kursaufschlag stärkster Wert. Die Meldung, dass die amerikanischen Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid die Zuzahlungen an Dialyse-Patienten in den kommenden zwei Jahren um weniger als 1 Prozent senken wollen, bewirkte großes Interesse an der Aktie, da man von einer Absenkung der Vergütung um fast 10 Prozent ausgegangen war.

          LBBW prognostiziert 9800 Punkte für 2014

          Insgesamt waren die Anleger nach der Einigung über das iranische Atomprogramm in Kauflaune. Auffällig viele Analysten halten sich aber mit kurzfristig positiven Aktienprognosen zurück. Zwar erwarten die Fachleute auch der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für 2014 einen steigenden Dax, warnten am Montag aber auch vor Euphorie. „Es wird nicht so ganz einfach werden wie in diesem Jahr“, sagte Aktienstratege Berndt Fernow. Er und seine Kollegen sehen den Index Ende des kommenden Jahres bei 9800 Punkten.

          Die Gewinnsteigerungen der Unternehmen sollten die Kurse treiben. Im kommenden Jahr müssten diese Erwartungen aber erfüllt werden. Chefvolkswirt Uwe Burkert sagte, nicht mehr die Exporte würden das Wachstum treiben, sondern die Binnennachfrage. Für die Eurozone rechne die LBBW mit einem Wachstum von 1 Prozent und für Deutschland mit 2 Prozent.

          Trotz des hohen Niveaus des Dax' empfahl die LBBW den Anlegern, auch aktuell neu in Aktien zu investieren. Während die Euro-Staatsschuldenkrise weiter an Dramatik verliere, könnten schlechte Nachrichten aus den Schwellenländern 2014 die Kauflaune trüben. Größere Ausschläge nach unten sollten daher trotzdem einkalkuliert werden.

          Auf Rückschläge warten

          Auf Rückschläge sogar warten sollen die Anleger nach Ansicht der DZ Bank. Erst ab einem Niveau von 8700 bis 8800 Punkte sei der Einstieg in den deutschen Aktienmarkt derzeit interessant, hieß es von den Analysten des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken in der vergangenen Woche. Zu groß sei derzeit der Optimismus und der Markt reif zumindest für eine Pause. Gleichwohl gaben die DZ-Bank-Analysten ein Ziel bis Jahresende 2014 für den Dax von 10200 Punkten aus.

          Auch der technische Analyst Wieland Staud hat lange gezögert, bis er nach Erreichen seines Dax-Ziels von 9000 Punkten Mitte November das nächste Ziel mit 9870 Punkten ausgerufen hat. Nach der starken Vorstellung des Dax am Freitag aber zeigte sich Staud von seiner neuen Prognose überzeugt wie selten zuvor: „Im Rahmen einer keineswegs auszuschließenden Übertreibungsphase könnte das Ziel von 9870 Dax-Punkten im von Widerständen freien Territorium sogar relativ schnell erreicht werden“, sagte Staud. Dies könnte vor allem dann passieren, wenn wegen des bisher schon hervorragenden Aktienjahres kaum jemand mit einer Jahresendrallye rechnet.

          Wenig Hoffnung für Gold

          Für Gold rechnen die LBBW-Fachleute mit weiter nachgebenden Preisen. Die Feinunze (31,1 Gramm) dürfte nach ihrer Prognose Ende 2014 rund 1200 Dollar kosten, am Montag waren es 1240 Dollar. Bei den Anlegern im Westen sei aufgrund des freundlicheren Konjunkturumfelds kaum mit einer Zunahme der Nachfrage nach Gold zu rechnen. Die LBBW rechnet wegen der sich beschleunigenden Weltkonjunktur mit steigenden Rohstoffnotierungen, nach dem sie im zu Ende gehenden Jahr überwiegend zurückgegangen waren. Bei den Basismetallen dürfte das stärker zu spüren zu sein als bei den Edelmetallen wie Silber, Palladium oder Platin.

          Wal Street weiter in Feierlaune

          Die Einigung im Atomstreit sorgt zu Wochenbeginn auch für eine Fortsetzung der Rekordjagd an der Wall Street. Erstmals seit 13 Jahren hat der Nasdaq-Index die Marke von 4.000 Punkten hinter sich gelassen. Seit Jahresbeginn hat der Index um 33 Prozent zugelegt und damit stolze 10 Prozentpunkte mehr als der Dow Jones. Gerade die Werte aus den Sektoren Gesundheit und Konsum, die bei der Indexzusammenstellung immer wichtiger geworden sind, entpuppen sich dabei als die Treiber.

          Während der Dow-Jones-Index um 0,2 Prozent auf 16.098 Punkte klettert, geht es für den S&P-500 um 0,1 Prozent auf 1.806 Zähler nach oben. Der Nasdaq Composite rückt um 0,2 Prozent auf 3998 Punkte vor, im Verlauf marschierte der Index bis auf das neue Hoch von 4.007 Zählern. Einen kleinen Dämpfer liefert der Immobilienmarkt. Die vom Immobilienverband NAR ermittelten ausstehenden Hausverkäufe sind im Oktober sowohl auf Jahres wie auch auf Monatssicht gefallen.

          Unter den Einzelwerten ziehen Apple um 0,9 Prozent an. Der iPhone-Hersteller hat sich im immer beliebter werdenden Bereich der Bewegungssteuerung mit einer Übernahme verstärkt. Zudem kursieren Gerüchte über ein inovatives Metallgehäuse für das kommende iPhone6. Beim kriselnden Smartphone-Hersteller Blackberry müssen gleich drei Vorstandsmitglieder ihre Posten räumen. Die Titel gewinnen 0,5 Prozent. Twitter fallen wieder unter die Marke von 40 Dollar und markieren ein neues Allzeittief, sie geben 4,5 Prozent ab. Yelp büßen 7,4, Facebook 3,6 und  LinkedIn 3,2 Prozent ein.

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