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Aktienmarkt : Börsen buhlen um die Privatanleger

Vor einer ruhmreichen Zukunft? Die Börse in Düsseldorf Bild: Schoepal, Edgar

Die Börse Frankfurt wirbt mit einer neuen Qualitätsgarantie, die in Düsseldorf baut ihr Handelssystem aus. Das Rennen ist eng, und der Kunde profitiert davon.

          Der Wettbewerb der deutschen Börsenplätze um die Privatanleger gewinnt weiter an Intensität. Befeuert wird er neuerdings vor allem von Frankfurt aus. Der bedeutendste Börsenplatz hierzulande versucht den Marktanteilsverlusten seines Parketthandels Einhalt zu gebieten. Anleger erhalten daher seit dem 1. November eine „Qualitätsgarantie“. Die 110 deutschen Aktien aus Dax, M-Dax und Tec-Dax, die 50 Werte aus dem Euro Stoxx 50 und 100 große amerikanische Titel aus dem S&P 100 werden immer mindestens so günstig für den Anleger gehandelt wie an dem Handelsplatz mit den höchsten Umsätzen in den Titeln. Sollte Transaktion des Anlegers schlechter ausgeführt werden, erhält er die Differenz zum für ihn günstigeren Kurs erstattet.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Frankfurt versucht mit der Offensive verlorenen Boden vor allem gegenüber den Börsen Tradegate und Stuttgart gutzumachen. Seit knapp vier Jahren mischt die in Berlin beheimatete und mehrheitlich zur Deutschen Börse gehörende Tradegate Exchange den Börsenhandel für Privatanleger auf und gilt im Aktienbereich als Marktführer. Die Börse Stuttgart hat sich schon seit vielen Jahren auf die Bedürfnisse von Privatanlegern fokussiert. „Bei uns werden seit 1995 alle Orders mindestens zum besten Preis ausgeführt, der zu diesem Zeitpunkt an einem zugelassenen Referenzmarkt verfügbar ist“, kontert Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Börse Stuttgart daher den Vorstoß der Börse Frankfurt gelassen. Stuttgart liegt zusammen mit der Börse Frankfurt im Aktienbereich auf Platz zwei hinter Tradegate, ist jedoch im Handel mit Anleihen, Fonds und Zertifikaten die führende Börse für Privatanleger in Deutschland.

          Börse Stuttgart als Vorreiter

          Außen vor bleibt in der Betrachtung die auf institutionelle Großanleger zugeschnittene Handelsplattform Xetra der Deutschen Börse. Zwischen 9 Uhr und 17.30 Uhr findet hier der größte Teil des Aktienhandels in Deutschland statt. Auch viele Privatanleger handeln insbesondere Dax-Aktien und andere liquide Titel auf Xetra.

          Viele Jahre wurde den kleinen Regionalbörsen angesichts der übermächtigen Xetra-Konkurrenz der Untergang prophezeit. Sie haben sich jedoch ihre Daseinsberechtigung mit langem Atem erkämpft. In vielen Bereich gilt die Börse Stuttgart als Vorreiter: neue Ordertypen, bei denen die Ausführungsbedingungen sehr präzise definiert werden können, wurden eingeführt, die Handelszeiten über jene des Xetra-Systems hinaus auf 8 bis 22 Uhr erweitert, neue Anlageklassen wie Zertifikate forciert, der Anleihehandel stärker an den Interessen der Privatanleger ausgerichtet und Mittelstandsanleihen neu eingeführt.

          Andere Börsen sind dem Vorbild gefolgt, so dass sich dem deutschen Privatanleger insgesamt eine große Auswahl günstiger Handelsmöglichkeiten bietet. Unter anderem hat der Wettbewerb dazu geführt, dass der Börsenhandel sehr günstig geworden ist. Neben den bankspezifischen Depot- und Transaktionsgebühren kommen auf den Anleger von Seiten der Börsen kaum noch Handelskosten zu. Die Börse Tradegate verzichtet ganz auf Gebühren. Im Xetra-System kostet eine typische Privatanlegerorder 1,75 Euro. An anderen Börsen sind es inklusive volumenabhängiger Entgelte und Courtagen auch nur wenige Euro.

          DWP-Bank gibt Ausführungsempfehlungen

          Dies gilt neben den vielgehandelten Dax-Aktien auch für kleinere Nebenwerte und viele tausend Auslandsaktien. Gerade bei den weniger gehandelten Aktien können Regionalbörsen gegenüber dem elektronischen Handelssystem ihre Stärken ausspielen, indem sie Händler dazu verpflichten, selbst ins Risiko zu gehen und durch eigene Käufe und Verkäufe Transaktionen im Sinne der Anleger zu ermöglichen. Die Kursqualität bietet in Deutschland kaum Anlass zur Beanstandung. Die Unterschiede zwischen Kauf- und Verkaufskursen (Spread) ist niedrig, oft wird sogar mit einem Spread von null geworben. Die DWP-Bank gibt als Dienstleisterin für die Sparkassen und viele andere Banken regelmäßig Ausführungsempfehlungen für bestimmte Ordergrößen und Anlageklassen. In den meisten Bereichen sieht sie derzeit Tradegate vorne, das Rennen zwischen den Börsen ist jedoch eng.

          Kleinere Börsen wie Düsseldorf, Hamburg oder München haben zwar längst nicht so eine ruhmreiche Vergangenheit wie Frankfurt oder eine so erfolgreiche Privatanlegerstrategie wie Stuttgart oder Tradegate, kommen aber immer wieder auch mit eigenen Akzenten an den Markt. So hat die Börse Düsseldorf zuletzt ihr elektronisches Handelssystem Quotrix ausgebaut und will damit eine größere Zielgruppe erreichen. Zunächst können die Anlageberater der angeschlossenen Sparkassen das System nutzen, die Nutzergruppe soll jedoch ausgebaut werden. Handel ist hier sogar bis 23 Uhr möglich.

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