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Aktienmarkt-Analyse : Zweieinhalbjahreshoch beschert der indischen Börse ein neues Kaufsignal

  • Aktualisiert am

Bild: Goldman Sachs

Mit einem Schlussstand von 18.113,15 Punkten hat der Sensex am Donnerstag auf dem höchsten Stand seit Februar 2008 geschlossen. Charttechnisch gesehen macht das den Weg frei für einen Angriff auf das Rekordhoch bei 20.870 Punkten.

          Dem indischen Leitindex ist in dieser Woche das gelungen, auf was die meisten anderen Weltbörsen bisher noch vergeblich warten. Der Sensex hat es geschafft, aus einer seit einigen Monaten anhaltenden Seitwärtsbewegung nach oben auszubrechen.

          Mit dem neu markierten Jahreshoch scheint nun der Weg frei zu sein für einen mittelfristigen Angriffsversuch auf das am 09. Januar 2008 bei 20.869,78 Punkten aufgestellte Rekordhoch. Die Anfang Juli von der Zentralbank beschlossene Leitzinserhöhung um jeweils 25 Basispunkte auf 5,5 Prozent beim Ausleihesatz und 4,0 Prozent beim Einleihesatz hat der Markt somit gut verkraftet. Noch bemerkenswerter daran ist, dass die indische Börse auch schon im abgelaufenen Quartal unter den 20 weltgrößten Börsen die beste Bilanz hingelegt hat, obwohl die Verantwortlichen schon da begonnen hatten, die Leitzinsen zu erhöhen.

          Hohes Wachstum zieht die Investoren an

          Zum eben erfolgten Kursausbruch nach oben beigetragen hat auch eine Einschätzung von Finanzminister Pranab Mukherjee, wonach sich der Anstieg der Nahrungsmittelpreise verringern und das dann die Furcht vor weitere Zinserhöhungen lindern könnte.

          Fortschritte an der Inflationsfront wären in der Tat wichtig, hat sich der Preisanstieg mit zuletzt 13,9 Prozent doch auf das höchste Niveau in Asien beschleunigt. Kishor Ostwal, Chairman und Managing Director von CNI Research kommentiert dieses Thema wie folgt: „Wenn die Inflation sinkt, sind die Chancen steigender Zinsen minimal. Und langfristig gesehen wäre das positiv für die Märkte.“

          Eine weitere wichtige Antriebsfeder für die Aktienkurse sind außerdem die sehr guten Wachstumsaussichten. Die Volkswirte von Goldman Sachs beispielsweise trauen der indischen Volkswirtschaft in den Fiskaljahren 2011 und 2012 sehr ansehnliche Wachstumsraten von 8,2 Prozent und 8,7 Prozent zu. Hinzu kommen ebenfalls überzeugende Gewinnwachstumsprognosen. Den Vorhersagen zufolge sollen die Unternehmensergebnisse in den beiden genannten Jahren um 17,3 Prozent und 20,5 Prozent zulegen. Und diese Ertragsperspektiven gefallen den Anlegern natürlich.

          Echte Schnäppchenkurse sehen anders aus

          Allerdings haben die guten Aussichten inzwischen auch ihren Preis. So bewegt sich das Kurs-Gewinn-Verhälnis auf Basis der von Goldman Sachs für 2010 erwarteten Zahlen auf 18,3 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis auf 2,7. Beides liegt über dem historischen Durchschnittswerten und nicht nur das: Die indische Börse weist verglichen mit anderen asiatischen Börsen eine Bewertungsprämie von fast 40 Prozent auf und ist damit der teuerste Markt in der Region (siehe Grafiken).

          Anleger die vielleicht jetzt erst einsteigen wollen, sollten im Hinterkopf behalten, dass indische Aktien derzeit keine echten Schnäppchen mehr sind. Eine gewisse Bürde stellt zudem eine im Juni von der Regierung erlassene Verordnung dar, wonach innerhalb der nächsten fünf Jahre jedes indische Unternehmen den Anteil der in öffentlicher Hand befindlichen Anteile auf mindestens 25 Prozent ausbauen muss. HSBC-Experte Sanjiv Duggal geht deswegen davon aus, dass dies auf kurze Sicht zu einem Überangebot am Aktienmarkt führen wird.

          Aktuell wird alles das aber vom eben neu generierten charttechnischen Kaufsignal überlagert. Und sofern es sich nicht um ein Fehlsignal handelt, stehen jetzt die Chancen auf ein weiteres Kursplus von 10 bis 15 Prozent nicht schlecht.

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