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Aktienmarkt-Analyse : Wahlausgang in Peru verschreckt die Anleger

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Der linke Präsidentschaftskandidat Humala verstreckt die Anleger in Peru Bild: REUTERS

Die Aussicht auf einen linken Staatspräsidenten hat den Börsianern in Peru kalte Füße beschert. Der Leitindex ist nach dem ersten Urnengang jedenfalls massiv abgetaucht. So langsam scheinen sich die Gemüter aber wieder zu beruhigen.

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          Offensichtlich völlig auf dem falschen Fuß erwischt wurden die Marktteilnehmer vom Ausgang der ersten Runde bei der Präsidentschaftswahl in Peru. Denn nachdem feststand, dass der Linksnationalist Ollanta Humala als Sieger daraus hervorgegangen ist, kam es am lokalen Aktienmarkt zu einem Ausverkauf.

          Der Lima General Index stürzte bis zum Donnerstag in der Spitze um rund 15 Prozent ab und auch die Landeswährung Sol verbilligte sich zum Dollar auf ein Viermonatstief. „Die Anleger sind wegen der allgemeinen Verunsicherung über den Wahlausgang in Panik geraten,“ berichtet Miguel Pancorvo, Händler beim Broker Compass SAB. Auch Michael Shaoul berichtet über Panik unter den heimischen und ausländischen Investoren.

          Nach dem Einbruch Kurserholung zum Wochenausklang

          Einige Anleger waren auch schon im Vorfeld der Wahlen nervös geworden, als sich in Umfragen langsam abzeichnete, dass der zunächst weit zurückliegende Humala Boden gut macht und doch gute Siegchancen hat. Allerdings scheint man inzwischen den ersten Schock bereits wieder verdaut zu haben. Zumindest konnte sich der Aktienmarkt bereits im Verlauf des Donnerstag wieder etwas stabilisieren. Und am Freitag kann der IGBVL-Index bisher sogar um 4,66 Prozent auf 19.604 Punkten zulegen.

          Bild: Tai-Pan

          Wie es nach diesen jüngsten Kursturbulenzen nun mittelfristig weitergeht, wird auch davon abhängen, wie am 5. Juni die Stickwahl ausgehen wird. Da kämpft Humala dann gegen die Tochter des wegen Menschenrechtsverletzungen und Korruption inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori um den Präsidentensessel. Gewinnt der favorisierte Humala, wird anschließend viel davon abhängen, welche Politik er durchzieht.

          Derzeit haben viele Börsianer in dieser Hinsicht noch bedenken, weil Humala früher dem venezolanischen Präsidenten Chávez nahe stand, der eine mehr als nur umstrittene Wirtschaftspolitik betreibt. Allerdings hat Humala inzwischen seine aggressive Rhetorik gezügelt und Chávez nach außen hin auf Distanz gehalten. Auch am Wahlabend äußerte er sich versöhnlich und kompromissbereit. Er sprach zwar von einer „Umwandlung“ des Landes, aber auch davon, zu „vielen Konzessionen“ bereit zu sein.

          Bewertung spricht gegen einen anhaltenden Ausverkauf

          Den Börsianern wird es vor allem darum gehen, dass die Wirtschaft auf Wachstumspfad bleibt. Unter dem bisherigen Präsidenten Garcías erlebte der Andenstaat ein Rekordwachstum von zuletzt 8,8 Prozent und dank des vorhandenen Rohstoffreichtums gelten auch die Konjunkturaussichten für 2011 als sehr gut. So rechnen die Volkswirte von Goldman Sachs mit einem Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt von 6,8 Prozent.

          Auf dieser Basis werden auch den Unternehmen deutliche Gewinnsteigerungen zugetraut. Vor diesem positiven Hintergrund präsentiert sich die Bewertung des Marktes als relativ moderat. Durch die jüngsten Kursverluste beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes nur noch rund elf. Im weltweiten Börsenvergleich ist das ein vorzeigbarer Wert.

          Bewertungstechnisch und volkswirtschaftlich gesehen spricht somit vieles für eine Wiederaufnahme des Ende 2009 aufgenommenen Aufwärtstrend an der Börse. Doch bevor man sich für Produkte wie das von der Royal Bank of Scotland emittierte Open End Zertifikat auf den Peru TR Index (ISIN: DE000AA0PEU5) interessiert, sollten zumindest vorsichtig agierende Anleger erst einmal abwarten, wer und mit welcher Politk künftig Peru regiert. Zumal auch der noch nicht abgeschlossene Zinserhöhungszyklus der Notenbank zunächst noch Bremsspuren am Aktienmarkt hinterlassen dürfte.

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