https://www.faz.net/-gv6-usxf

Aktienmarkt-Analyse : Säbelrasseln des Militärs belastet den türkischen Aktienmarkt

  • Aktualisiert am

Seit Jahresbeginn stimmt die Bilanz an den türkischen Finanzmärkten noch

Von Jahresanfang bis Ende vergangener Woche hatte die türkische Lira 5,4 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Zum Euro kam sie bis Freitag auf ein Plus von 2,7 Prozent. Der National-100 hatte bis vor dem Kursrutsch am Montag 20 Prozent angezogen, am 25. April erreichte er erst das Allzeithoch von 48.033 Punkten.

Die Rendite im Februar 2009 fälliger türkischer Staatsanleihen stieg am Montag um 86 Basispunkte auf 19,25 Prozent. Zuvor hatten türkische Anleihen in diesem Jahr eine Rendite von 9,4 Prozent gebracht und damit deutlich besser als die Anleihen anderer Schwellenländer abgeschnitten, die es bislang auf ein Jahresplus von 3,9 Prozent gebracht haben.

Regierungspartei kann wirtschaftliche Erfolge vorweisen

Seit Erdogans Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) ins Amt kam, hat die Partei weitreichende Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, die die Wirtschaft stabilisierten und die Türkei dem Beitritt zur Europäischen Union näher brachten. Die Inflation sank von über 70 Prozent im Jahr 2002 auf 10,9 Prozent im vergangenen Monat. Die Redefreiheit steht auf breiteren Füßen, die Rechte von Minderheiten wurden gestärkt.

Vergangenes Jahr strömten insgesamt 19,8 Mrd. Dollar ausländischer Investments in die Türkei, so viel wie noch nie. Und im ersten Quartal 2007 beliefen sich die ausländischen Investitionen auf weitere elf Milliarden Dollar. Seit 2002 wuchs die Wirtschaftskraft des Landes jährlich durchschnittlich um sieben Prozent verglichen mit lediglich 1,6 Prozent in den Euro-Ländern. Wohl auch ermutigt durch diesen soliden Datenkranz gibt sich Katinka Barysch, Chef-Volkswirtin beim Londor Center for Economic Reform noch einigermaßen gelassen: „Dank des starken Zuflusses an ausländischen Kapital hat die türkische Wirtschaft ein hohes Momentum. Drastische politische Entwicklungen wären zwar Besorgnis erregend. Momentan sehen ich aber noch keine richtige Gefahr für eine politische Krise.“

Gül war Mitglied der proislamischen Regierung, die 1997 von der Armee aus dem Amt gehoben wurde. Die Wohlfahrtspartei, der sowohl Gül als auch Erdogan angehörten, wurde damals verboten. Beide gründeten anschließend die AKP.

EU-Erweiterungskommisar Olli Rehn bezeichnete die Reaktion der Armee auf die Parlamentsabstimmung als „klaren Testfall“, ob das Land die demokratischen Werte der Europäischen Gemeinschaft respektieren könne. Oppositionsparteien haben Neuwahlen für das Parlament gefordert, so dass eine neue Legislative den Präsidenten wählen kann. Die wichtigste Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei, hatte die Parlamentsabstimmung zur Präsidentenwahl boykottiert.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ein Mann schwenkt eine türkische Nationalflagge und feiert die Übernahme einer syrischen Provinz durch das türkische Militär.

Brief aus Istanbul : Wie die Militäroffensive Erdogan innenpolitisch nützt

Präsident Erdogan führt in Syrien einen Feldzug gegen die Kurden. Kritik aus dem Ausland und Sanktionen nimmt er in Kauf. Um seine Macht zu erhalten, muss er die öffentliche Wahrnehmung in der Türkei verbiegen. Wie lange hält das vor?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.