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Aktienmarkt-Analyse : Rally an der Börse Hongkong wird 2005 weitergehen

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Der Chart zeigt die Entwicklung beim Hang Seng Aktienindex Bild:

Der Börse in Hongkong winkt 2005 nach Ansicht von Analysten das dritte Gewinnjahr in Folge. Begründet wird die trotz gestiegener Bewertungen anhaltende Zuversicht mit steigenden Touristenzahlen und höheren Immobilienpreisen.

          Investoren und Broker erwarten, daß die Rally an der Börse Hongkong, die bereits vor zwei Jahren einsetzte, auch 2005 weiter laufen wird. Die steigenden Touristenzahlen aus China und die Erholung der Immobilienpreise in Hongkong werden den Aktienmarkt in Schwung halten.

          Der Hang Seng Index dürfte bis Jahresende 2005 auf 15.100 Zähler klettern, ergab eine Umfrage von Bloomberg News unter zehn Brokern und Investoren. Das liegt 6,4 Prozent über dem Stand vom Dienstag von 14.180,79 Punkten.

          Boom beim Tourismus beflügelt die Wirtschaft

          In diesem Jahr hat die Benchmark in Hongkong 13 Prozent gewonnen und steuert auf den zweiten Jahresgewinn in Folge zu. Die Börse Hongkong profitierte von der Entscheidung Chinas, die Beschränkungen bei Auslandsreisen für seine Bürger zu lockern. Die Besucherzahlen schnellten in den ersten zehn Monaten 47 Prozent nach oben, die Hälfte der Touristen kam vom chinesischen Festland. Angekurbelt vom Tourismus erholt sich Wirtschaft der früheren Kronkolonie. Während der sechsjährigen Flaute waren auch die Immobilienpreise bis zu zwei Drittel eingebrochen.

          „Wir sind sehr positiv gestimmt," sagt Geoff Lewis, Fondsmanager bei JF Asset Management Ltd. in Hongkong. „Die Immobilienpreise steigen wieder rasant." Die Begeisterung der Anleger für Immobilien in Hongkong zeigte sich auch, als sie diesen Monat für 76 Milliarden Dollar Zeichnungen für Aktien am ersten Immobilien-Investmenttrust (REIT) der Stadt abgaben, der ein Volumen von 2,7 Milliarden Dollar hat. Allerdings wurde die Emission wegen der Gerichtsklage einer 67jährigen Sozialhilfeempfängerin diese Woche aufs Eis gelegt. Die Hong Kong Public Housing Authority kündigte an, sie wolle nach dem Prozeß einen neuen Plan für das IPO vorlegen.

          Angesichts der Konjunkturerholung die Aktienkurse der Bekleidungskette Esprit Holdings Ltd. und von Immobilienentwicklern, darunter Sun Hung Kai Properties, gestiegen. Esprit hat dieses Jahr an der Börse Hongkong die beste Performance eingefahren, der Aktienkurs ist 82 Prozent nach oben geschnellt, Sun Hung Kai sind 20 Prozent vorgerückt.

          Immobilienpreise befinden sich im Höhenflug

          Der 33 Werte umfassende Hang-Seng-Index erreichte am 2. Dezember bei 14.339,06 Punkten den höchsten Stand seit dem 7. März 2001. Im Jahr davor hat er 35 Prozent gewonnen. Ein drittes Jahresplus 2005 wäre die längste Gewinnsträhne, seit 1993 ein sechsjähriger Kursaufschwung zu Ende ging.

          Immobilientransaktionen, insbesondere bei Wohnungen, haben sich im November mit 44,5 Milliarden Hongkong-Dollar (4,3 Milliarden Euro) mehr als verdoppelt, geht aus den Daten des Grundbuchamts der Stadt hervor. Die Preise für Appartements haben sich dieses Jahr 35 Prozent verteuert und dürften 2005 weitere 20 Prozent klettern, erwartet Kenneth Tsang vom Immobilienmakler Jones Lang LaSalle Inc.

          Bei Sun Hung Kai, dem größten Immobilienentwickler Hongkongs, gemessen am Marktwert, ist der Gewinn in den sechs Monaten bis 30. Juni 51 Prozent gestiegen. Der zweitgrößte Immobilienentwickler Cheung Kong Holdings Ltd., der zum Imperium des Milliardärs Li Ka-shing gehört, hat im ersten Halbjahr die Immobilienverkäufe mehr als verdreifacht. Die Aktie verteuerte sicht dieses Jahr um 21 Prozent. Der Hang Seng Property Index, in dem sechs Werte enthalten sind, liegt für dieses Jahr 22 Prozent im Plus.

          Angeschoben werden die Aktienkurse in Hongkong auch von Spekulationen, daß China im nächsten Jahr seine Währung, den Yuan aufwertet, berichtet Teresa Chow, Fondsmanagerin bei RBC Investment Management Asia in Hongkong. Bisher ist die chinesische Währung bei einem Kurs von 8,28 an den Dollar gebunden. Dies könne durch ein „flexibleres" System abgelöst werden, erklärte China letzten Monat, nannte jedoch keinen Zeitplan.

          Der Markt nicht mehr billig

          „Sehr viel heißes Geld" fließt in die Aktien, erläutert Chow. „Der Markt spekuliert auf eine Aufwertung des Yuan." Ein festerer Yuan dürfte den Hongkong Dollar-Wert von Festlandsaktien steigern wie beispielsweise des Mobilfunkanbieters China Mobile (H.K.) Ltd. und der Supermarktkette China Resources Enterprise Ltd. China Mobile haben dieses Quartal 13 Prozent zugelegt, China Resources haben 17 Prozent angezogen.

          Einige Stimmen warnen jedoch, daß die Aktien durch die Rally zu teuer geworden seien. Der Hang Seng Index kommt auf ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von 15,7, zeigen Bloomberg-Daten. Zum Vergleich: Die Aktien der Börse Singapur werden zum 13,9fachen des geschätzten Gewinns gehandelt.

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