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Aktienmarkt-Analyse : Die baltischen Börsen dürften ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben

  • Aktualisiert am

Bild: OMX Exchanges

Die baltischen Staaten haben sich dank strammer Wachstumsraten zur europäischen Ausgabe der asiatischen Tiger-Staaten gemausert. Den dortigen Börsen bringt diese Wertschätzung stolze Kursgewinne.

          2 Min.

          Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen haben sich in den vergangenen Jahren einige Lorbeeren verdient. Volkswirtschaftlich gesehen haben diese kleinen, aber sehr offenen Länder vieles richtig gemacht.

          Der im vergangenen Jahrzehnt nach der Loslösung von Rußland bewiesene Reformmut macht sich längst bezahlt. Wegen seiner hohen Wirtschaftswachstumsraten wird die Region auch als osteuropäischer Tiger gefeiert.

          Und in der Tat können sich die Zuwächse sehen lassen. So ist die estnische Wirtschaft im zweiten Quartal 2004 um 5,9 Prozent gewachsen, die litauische hat es im dritten Quartal auf ein Plus von 6,0 Prozent gebracht und Lettland ist im ersten Halbjahr um 8,2 Prozent expandiert, und damit so schnell wie kein anderes der zehn neuen EU-Länder.

          Beeindruckende Kursgewinne

          Da stramme Wachstumsraten wie diese keine Eintagsfliegen sind, sondern tendenziell schon seit längerem Bestand haben, läßt sich unschwer vorstellen, daß dies auch an den Börsen honoriert wird. Die zuletzt eingefahrenen Kurssteigerungen lassen jedenfalls die Herzen aller Anleger höher schlagen.

          Selbst der lettische RIGSE-Index als schwächster Index hat in den vergangenen drei Jahren um 93 Prozent zugelegt, während sich die Kurse in Estland (TALSE-Index plus 216 Prozent) und in Litauen (VILSE-Index plus 226 Prozent) im Schnitt locker verdreifacht haben. Die im Baltix-Index zusammgengefaßten wichtigsten baltischen Aktien kommen dadurch auf einen Wertzuwachs von 160 Prozent.

          Mit den richtigen Einzelwerten war natürlich noch viel mehr drin. Als Beweis genügt schon ein Blick auf Börsen-Schwergewicht und Banken-Marktführer Hansapank, dessen Aktienkurs in den vergangenen drei Jahren um 273 Prozent zugelegt hat.

          Konjunkturelle Aussichten sprechen weiter für die Börsen

          Das spannende an dieser Bilanz ist nun, daß einiges dafür spricht, daß sich diese positive Enzwicklung an den baltischen Börsen langfristig fortsetzen wird. Zwar vermutlich nicht in dem Ausmaß wie bisher, die Aufwärtstrends sollten grundsätzlich aber intakt bleiben.

          Davon ist zumindest dann auszugehen, wenn es gelingt, das Wirtschaftswachstum auf dem erreichten hohen Niveau zu verstetigen. Und genau das haben sich diese Ländern zum Ziel gesetzt, wie die interne Vorgabe der Regierung in Riga signalisiert, die sich bis 2010 ein jährliches Wachstum von bis zu acht Prozent vorgenommen hat.

          Trotz des Nachteils eines nur kleinen Absatzmarktes gewinnt auch der Handel zwischen Deutschland und dem Baltikum immer mehr an Schwung. Das zeigt beispielsweise die Resonanz auf Baltikum-Tage, wie ihn die IHK Rheinland-Pfalz in dieser Woche veranstaltet hat. Die Teilnahme baltischer und deutscher Firmen ist inzwischen sehr rege und die bei Anläßen wie diesem geknüpften Kontakte dürften ebenfalls dazu beitragen, die Wachstumsraten hoch zu halten.

          Konto vor Ort die beste Lösung

          Wer sich von den günstigen Wachstumsraten angelockt fühlt und über Aktieninvestments nachdenkt, steht vor dem Problem, wie er zu günstigen Konditionen an Aktien herankommt. An der Berliner Börse werden inzwischen etliche estnische Aktien (neben Hansapank sind das Baltika, Harju Elekterm Kalev, Merko, Viisnurk, Eesti Telekom, Hansapank, Norma, Rakvere Lijakombinaat, Saku, Tallinaa Farmaatsiatehase, Tallinna Kaubamaja) und mit Lietuvas Telekom ein litauischer Titel gehandelt, aber dort sind die Umsätze natürlich noch dünner als ohnehin auch an den Heimatbörsen.

          Wegen dieser Probleme dürfte es sinnvoll sein, primär auf die größeren Werte wie etwa Hansapank oder den Kühlschrankproduzenten Snaige aus Litauen zu setzen. Eine Alternative wären auch auf das Baltikum spezialisierte Aktienfonds. Davon gibt es einige, doch leider hat keiner davon eine Vertriebszulassung für Deutschland, was diese Option steuerlich unattraktiv macht.

          Am geeignetsten scheint somit ein Konto und ein Depot vor Ort. Aber leider schrecken genau davor die meisten deutschen Anleger noch immer ab, obwohl sie sich dadurch viele sehr spannende Anlagechancen sowie die günstigste Beschaffungsmöglichkeit verbauen. Wer sich aber einmal getraut und den richtigen Partner gefunden hat, der wird vermutlich schon bald auch in anderen Ländern nicht mehr anders agieren wollen.

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