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Aktienmarkt-Analyse : Börse in Vietnam zwischen Liquiditätssorgen und günstiger Bewertung gefangen

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Nicht viel getan hat sich in den vergangenen zwölf Monaten am Aktienmarkt in Vietnam. Zurückgehalten werden die Kurse von Sorgen um die heimische Devise. Aber dafür sind immerhin die Bewertungen inzwischen auf ein vernünftiges Niveau zurückgekommen.

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          An der Börse in Vietnam, an der es in den vergangenen Jahren oft turbulent und volatil zuging, verlief das Geschehen zuletzt relativ gemächlich. Ein aktueller Stand von 513 Punkten beim Leitindex VN ist gleichbedeutend mit einem Kursniveau, das auch bereits im Juli 2009 Bestand hatte.

          Bei einem ersten kurzen Blick auf den volkswirtschaftlichen Datenkranz erschließen sich die Gründe für diese Lethargie nicht sofort. Denn das Land befindet sich weiterhin auf einem Wachstumskurs. Im Vorjahr ist das Plus beim Bruttoinlandsprodukt mit 5,3 Prozent zwar auf den tiefsten Stand in diesem Jahrzehnt zurückgefallen, aber angesichts der Kreditkrise kann sich das immer noch sehen lassen. In diesem Jahr peilt de Regierung zudem auch schon wieder ein deutlich höheres Plus von 6,5 Prozent an und die Volkswirte bei HSBC Holdings halten sogar einen Zuwachs von 7,2 Prozent für denkbar.

          Korruption ist nach wie vor viel zu hoch

          Doch bei genauer Hinsicht gibt es auch Schwachstellen. Das gilt mit den ausländischen Direktinvestitionen sogar für einen Bereich, in dem es über viele Jahre hinweg dank des regen Interesses ausländischer Firmen regelmäßig sehr gut gelaufen ist. Gemeint ist mit dieser Kritik aber nicht in erster Linie der im Vorjahr gemessene Wert von 16,3 Milliarden Dollar, auch wenn das verglichen mit dem im Jahr 2008 erzielten Rekordwert von 64 Milliarden Dollar ein erheblicher Rückgang war. Zu denken geben vielmehr Untersuchungen, wonach bei amerikanischen Investoren zwischen den ersten Investmentplänen und der tatsächlichen Eröffnung von Produktionsstätten im Schnitt über zehn Jahre liegen.

          Angesichts dessen überrascht es nicht, dass das Land im „Ease-of-doing-business“-Index der Weltbank unter 183 Nationen nur den 93. Rang belegt. Besonders schlecht schnitt man dabei mit Platz 172 übrigens beim Schutz der Investoren ab. Zu denken gibt zudem die Platzierung im „Corruption Perception Index“ von Transparency International. Hier rangiert man 2009 auf Rang 120 verglichen mit Platz 79 für China.

          Kopfzerbrechen bereiten Beobachtern laut Stefanie Schmitt vom Länderinformationsdienst GTAI neben der schwachen Landeswährung Dong auch das Handelsdefizit und die rückläufigen Währungsreserven. Anfang Mai beliefen sich letztere nur noch auf 15. Mrd. Dollar, womit die Einfuhren nur noch für 2,4 Monate gedeckt sind. Die dünnen Devisenreserven hatte die Kreditbewertungsagentur Fitch Ratings schon zuvor zu einem Zeitpunkt kritisiert, als die Einfuhren noch für 2,6 Monate gedeckt waren. Bereits da wurde bemängelt, dies sei der niedrigste Stand seit 1994 und der schlechteste unter allen mit der Ratingnote „BB-“ bewerteten Ländern.

          Bewertungsübertreibungen sind inzwischen korrigiert

          Vietnam ist somit auf Kapital aus dem Ausland angewiesen und das mit das Land in schwierigen Zeiten wie diesen anfällig für Schocks. Deswegen ist es sehr hilfreich, dass sich im Mai wenigstens die Inflationsrate mit 9,1 Prozent zurückgebildet hat und sich damit die Ängste vor einer weiter anziehenden Teuerung etwas verflüchtigt haben. Beim Broker Dragon Capital reagierte man darauf sogar mit einer Senkung der Inflationsprognose für das Gesamtjahr von 9,0 Prozent auf 8,5 Prozent.

          Sollte es gelingen, Fortschritte auch im Kampf gegen die für aufstrebende Volkswirtschaften typischen Problemfelder zu erzielen, dann könnten sich die Anleger mittelfristig wieder stärker auf die Pluspunkte konzentrieren, mit denen Vietnam ebenfalls aufwarten kann. Dazu gehört inzwischen erfreulicherweise auch die Bewertungsseite. Während sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Gesamtmarktes im Hoch im März 2007 bei mehr als 40 bewegte, hat es sich nach Angaben von Dragon Capital für 2010 und 2011 auf 12,2 und 10,4 zurückgebildet.

          Die Verantwortlichen bei der VietNam Holding (Isin KYG9361X1043), die den einzigen Vietnam-Fonds managen, der von der Bafin als “transparent“ eingestuft wird, bezeichnen dieses Bewertungsniveaus als vergleichsweise attraktiv. Ein Kurspotenzial von 10 bis 15 Prozent traut dem Markt auch Analyst Fiachra Mac Cana vom Broker HSC zu. Allerdings weist er auch darauf hin, dass eine Flut an neuen Aktien das Aufwärtspotenzial begrenzen dürfte und zudem zahlreiche bevorstehende Anleiheemissionen viel Liquidität von der Börse fernhalten könnten.

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