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Aktienmarkt-Analyse : Börse in Nigeria berappelt sich langsam wieder

  • Aktualisiert am

Bild: Tai-Pan

Bedingt durch die mit Wahlen verbundenen Unsicherheiten hat sich der Aktienmarkt in Nigeria eine Auszeit genommen. Doch nachdem der Urnengang jetzt vorbei ist, fangen die Kurse an, sich wieder zu erholen.

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          Zum Wochenausklang legte der Nigeria All Share Index jedenfalls um 1,9 Prozent auf 26.225 Punkte zu. Damit hat er sich wieder etwas abgesetzt von dem Mitte März erreichten Zwischentief bei 24.337 Punkten. Auf dieses Niveau waren die Notierungen abgerutscht, nachdem der am 25. Januar im Jahreshoch noch bei 27.800 Punkten gehandelt wurde.

          Abgerutscht waren die Kurse nach einem viel versprechenden Jahresauftakt wegen der Sorge vor politischen Unruhen. Diese Bedenken vieler Marktteilnehmer knüpften sich an die im April abgehaltenen Parlaments-, Präsidentschafts-, Senats- und Gouverneurswahlen. Diese Ängste schienen zunächst unbegründet zu sein. Denn die Urnengänge wären zwar von logistischen Schwierigkeiten überschattet, internationale Wahlbeobachter lobten sie jedoch als die besten, die in Nigeria seit 1999 abgehalten wurden.

          Erst nach der Stimmauszahlung der Präsidentschaftszahlen zeigte sich dann, warum sich die Anleger Sorgen gemacht hatten. Denn nach Verkündung der Wiederwahl von Präsident Goodluck Jonathan revoltierten die Anhänger seines wichtigsten Konkurrenten Mohammadu Buhari. Während der tagelangen Unruhen starben nach Angaben einer nigerianischen Menschenrechtsgruppe mindestens 500 Menschen und fast 40.000 weitere wurden in die Flucht getrieben.

          Inflation trübt das Wachstum

          Diese Ereignisse erinnern alle Investoren daran, dass die Spaltung zwischen dem mit 150 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas zwischen dem überwiegend muslimischen Norden und dem ölreichen christlichen Süden, der Herkunftsregion des Präsidenten, noch immer sehr tief ist. Letztlich sind es dabei die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Landesteilen, die seit langem für Spannungen sorgen.

          Das ist auch deshalb sehr schade, weil das Land wegen dem vorhandenen Rohstoffreichtum vieles für eine bessere Zukunft mitbringt. Ein Segen sollte eigentlich insbesondere das reichlich vorhandene Öl sein. Im Vorjahr brachte das dem Staat auch Einnahmen von 59 Milliarden Dollar ein, aber Rebellen boykottieren auch immer wieder die Ölanlagen.

          Trotz Probleme dieser Art sorgt aber nicht zuletzt der hohe Ölpreis dafür, dass die Wirtschaft auch in diesem Jahr deutlich zulegen wird. So hat der stellvertretende Notenbankgouverneur Kingsley Chiedu Moghalu eben erst für 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von immerhin 7 Prozent in Aussicht gestellt. Eine Bürde stellt dagegen die Inflation dar, die sich im März auf 12,8 Prozent beschleunigt hat. Der Internationale Währungsfonds geht allerdings davon aus, dass sich die Inflationsrate bis zum Jahresende wieder auf rund 9 Prozent zurückbilden wird.

          Wie die zu hohe Teuerung zeigt, ist Nigeria auch wirtschaftlich gesehen nicht frei von Sorgen. Viel von den Schwierigkeiten steckt aber schon in den Aktienkursen drin. Experten beziffern das historische Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes auf rund acht. Verglichen mit dem Wert von 14, auf das laut Bloomberg der MSCI Frontier Market Index kommt, stellt das einen deutlichen Bewertungsabschlag dar.

          Moderate Marktbewertung

          Auch deshalb haben die Verantwortlichen des Magna Africa Fund schon vor den Wahlen ihr Engagement in Nigeria erhöht. Ermutigt dazu wurden sie auch in Gesprächen mit vielen Unternehmen, weil ihnen diese den Eindruck vermittelten, als ob sich die Wirtschaftsaktivität auch gestützt auf staatliche Infrastrukturprojekte im weiteren Jahresverlauf erholen könnte.

          Wie groß theoretisch die Geschäftschancen sind, zeigt sich unter anderem am Bankensektor. Denn mit geschätzt fast 70 Millionen hat fast die Hälfte der Einwohner noch kein Bankkonto. Das mit solchen Zahlen verbundene Potenzial hat in der jüngeren Vergangenheit die Anleger aber noch nicht richtig aus der Reserve gelockt. Der Nigeria All Share Index tritt jedenfalls schon seit zwei Jahren nur auf der Stelle.

          Wenn es dem Leitindex aber demnächst gelingen sollte, sein Jahreshoch bei 27.800 Punkten zurückzuerobern, dann wäre das gleichbedeutend mit einem charttechnischen Befreiungsschlag. Wer angezogen von der moderaten Bewertung schon jetzt genau darauf Wetten will, dem stehen allerdings nur begrenzte Möglichkeiten, wie etwas das von der Royal Bank of Scotland emittierte RBS Nigeria Open End Index Zertifikat (Isin DE000AA0VRW1) zur Verfügung.

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