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Aktienmarkt : An der Wall Street häufen sich die Warnsignale

  • -Aktualisiert am

Besorgter Blick: Sollte die Hausse an der amerikanischen Börse kritisch betrachtet werden? Bild: AP

Die Rekordstände der großen Aktienindizes locken amerikanische Privatanleger in den Aktienmarkt. Profianleger sorgen sich indes um Rückschläge: Warnsignale sprächen für eine Marktkorrektur.

          An der Wall Street häufen sich nach einer fast fünfjährigen Haussephase die Zeichen für eine Überhitzung des Aktienmarktes. Bekannte Investoren wie der Hegdefondsmanager Carl Icahn haben zuletzt Zurückhaltung angemahnt. „Ich bin derzeit vorsichtig bei Aktien. Dieser Markt könnte locker stark abstürzen“, sagte Icahn auf einer Anlegerkonferenz.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Auf seiner Internetseite fügte Icahn später zwar erläuternd hinzu, dass es „fast unmöglich“ sei, kurzfristige Marktbewegungen vorherzusagen. Aber der Milliardär ist besorgt genug, dass er seine Positionen „in gewissen Maße“ absichert. Laurence Fink, der Vorstandsvorsitzende der großen Fondsgesellschaft Blackrock, sprach auf einer anderen Konferenz von einer Rückkehr „blasenartiger Märkte“ und führte als Beispiel „übereifrige“ Kursgewinne von Aktien an.

          Privatanleger reagieren traditionell spät auf Trends

          Während sich Profianleger Gedanken über Rückschläge machen, locken die Rekordstände der großen Aktienindizes verstärkt amerikanische Privatanleger in den Aktienmarkt. Kleinanleger investieren nach jahrelanger Abstinenz seit Anfang des Jahres wieder mehr Geld in Aktienfonds. Nach Angaben des Fondsverbandes Investment Company Institute sind die Neuanlagen bislang vorwiegend in Aktienfonds geflossen, die international anlegen.

          Seit vier Wochen überwiegen aber erstmals wieder die Zuflüsse in heimische Aktienfonds. Profianleger sehen diesen Trend mit Sorge, weil Privatanleger traditionell sehr spät auf einen Trend aufspringen. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 ist allein in diesem Jahr um mehr als 25 Prozent gestiegen.

          Neben dem Interesse der Privatanleger gilt auch die starke Nachfrage nach risikoreichen Börsenneulingen als Warnsignal. Nach Angaben der Analysegesellschaft Renaissance Capital sind die Kurse von Aktien am ersten Handelstag in diesem Jahr um durchschnittlich 17 Prozent gestiegen – so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. In vier Fällen verdoppelte sich der Aktienkurs am ersten Tag sogar. Das ließ Erinnerungen an die spekulative Blase der Technologieaktien in den späten neunziger Jahren wachwerden, als derart extreme Kurssprünge fast normal wurden.

          Der Kurs des bislang unprofitablen Kursnachrichtendienstes Twitter schnellte am Tag der Erstemission vor zwei Wochen um 73 Prozent nach oben. Unternehmen versuchen die positive Stimmung zu nutzen, um ihre Aktien zu möglichst hohen Kursen zu emittieren. In diesem Jahr sind bislang 203 Unternehmen an die Börse gegangen – 63 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Nach Schätzungen des Finanzprofessors Jay Ritter von der Universität von Florida waren rund drei Fünftel aller Neuemissionen in diesem Jahr unprofitabel.

          Als Korrektur gilt ein Rückschlag zwischen 5 Prozent und 15 Prozent

          Das ist der höchste Anteil seit 1975 – ausgenommen der beiden Jahre 1999 und 2000, als sich die spekulative Blase ausdehnte und schließlich platzte. Ein weiteres Zeichen für den gestiegenen Wagemut von Anlegern: Der Aktienindex Russell 2.000, der risikoreichere Nebenwerte abbildet, hat sich in diesem Jahr mit einem Plus von knapp 30 Prozent besser entwickelt als der S&P 500.

          „Eine Marktkorrektur würde mich nicht überraschen. Ich glaube, niemand wäre überrascht“, sagte Michael Farr, der Präsident des Vermögensverwalters Farr, Miller & Washington dem „Wall Street Journal“. Als Korrektur gilt ein Rückschlag zwischen 5 Prozent und 15 Prozent. Allerdings hätten sich die Kurse noch nicht so stark von den fundamentalen Daten abgekoppelt, wie es vor einer Baisse üblich sei. Weitere Kursgewinne könnten schwerer fallen, aber einen nachhaltigen negativen Trend für Aktien erwartet Farr noch nicht. „Der Markt wird wahrscheinlich noch teurer werden“, meint Farr.

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