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Aktienmarkt Amerika : Personalisierte Medizin könnte die Pharmabranche erschüttern

  • -Aktualisiert am

Personalisierte Medizin: Medco Health profitiert Bild: AP

Neue Methoden zur zielgenaueren Therapie kleinerer Patientengruppen könnten das bisherige Geschäftsmodell der erfolgreichsten Medikamente drastisch verändern - zum Guten oder zum Schlechten.

          8 Min.

          Für Pharmahersteller könnte das lukrative Geschäftsmodell mit sogenannten Blockbuster-Medikamenten der Vergangenheit angehören. Bisher haben solche, auf große Patientengruppen ausgerichtete Präparate den Unternehmen Milliardenumsätze beschert - ebenso die Hoffnung, dass ein oder zwei zur rechten Zeit auf den Markt gebrachte Präparate ausreichen, um im Wettbewerb zu bestehen.

          Die Zahl potentieller Blockbuster-Medikamente ist jedoch gesunken und einige Pharmaunternehmen erkennen allmählich die möglichen Vorteile zielgenauerer Therapien für kleinere Patientengruppen, bei denen Gentests ergeben haben, dass sie am besten auf die entsprechenden Präparate ansprechen.

          Wandel unter Zwang

          Zwar geben die Pharmaunternehmen nur ungern die großen Märkte und effiziente Marketingkampagnen zugunsten einer gezielteren und wahrscheinlich kostenintensiveren Ansprache von Patientenpopulationen auf. Doch man hofft, dass höhere Sicherheit und Qualitätssicherung sowie der mögliche Einsatz von Medikamenten in früheren Behandlungsstadien zu Umsatzsteigerungen führen und damit die Nachteile eines kleineren Absatzmarktes einzelner Medikamente kompensieren.

          Bild: F.A.Z.

          Allerdings sei es angesichts schrumpfender Märkte bei bestimmten Arzneimitteln keinesfalls sicher, dass Pharmahersteller in der Lage sein werden, das mit ihren einstigen Blockbuster-Präparaten erzielte Geschäftsvolumen durch Entwicklung einer ausreichenden Zahl neuer Produkte für eine vergleichbare Anzahl von Patienten wettzumachen, sagt Isaac Ro, Biotechnologieanalyst bei Leerink Swann & Co.

          In einer Zeit, in der der Erfolg der geplanten amerikanischen Gesundheitsreform vor allem durch ihre Fähigkeit zur Senkung der Kosten im Gesundheitswesen bestimmt wird, wäre es ein durchaus überzeugendes Argument, wenn man durch stärker personalisierte Medizin Milliardensummen einsparen könnte, indem man bei Patienten auf Medikamente verzichten würde, für die nach vorangegangenen Tests keine positive Wirkung zu erwarten wäre.

          Gendiagnostik

          Während die Vorzüge der personalisierten Medizin für Versandapotheken wie Medco Health Solutions bereits offensichtlich sind, steht die Erschließung der Vorteile für die sehr viel größere Welt der Pharmahersteller erst am Anfang.

          Ärzte setzen immer häufiger Gentests ein, um für ihre Patienten mit größerer Zielgenauigkeit die beste Behandlung zu ermitteln. Pharmaunternehmen wie die 2009 von Roche übernommene Genentech und Amgen haben bereits in frühen Phasen des Forschungs- und Entwicklungsprozesses neuer Medikamente parallel mit der Entwicklung zugehöriger Diagnostika begonnen, entweder intern oder mit Hilfe externer Partner. Bei diesem kombinierten Ansatz werden mit Hilfe von Gentests jene Patienten bestimmt, die auf eine bestimmte Behandlungsform nicht ansprechen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) hat bislang 32 diagnostische Biomarker für die begleitende Testung bei aktuellen Medikamententherapien identifiziert.

          So arbeitet beispielsweise Amgen mit dem deutschen Biotechnologieunternehmen Qiagen an der Entwicklung eines begleitenden Diagnosetests für Vectibix, ein von Amgen entwickeltes Medikament gegen Kolorektalkarzinom, das von der FDA zur Third-Line-Therapie bei metastasierendem Darmkrebs zugelassen wurde. Dies bedeutet, dass eine Verschreibung des Medikaments erst nach zwei vorangegangenen erfolglosen Therapien möglich ist, wodurch Pharmaunternehmen ein geringeres Marktpotential besitzen als mit Präparaten wie Avastin, das von der FDA für die First-Line-Behandlung („Mittel der ersten Wahl“) zugelassen ist.

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