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Aktienmarkt Amerika : Mögliche Auswirkungen der Wahlen auf die Märkte

  • -Aktualisiert am

Kämpft für billigere Studienkredite: Nancy Pelosi, Fraktionsvorsitzende der Demokraten Bild: AP

Wenn die Demokraten den Kongreß zurückerobern, könnte das für Unternehmen wie Wal-Mart und Big Pharma Ärger bedeuten - und Gewinne für Anbieter alternativer Energien.

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          Weniger als zwei Wochen vor den Zwischenwahlen am 7. November lassen sich weiterhin nur Vermutungen anstellen, welche Partei obsiegen wird. Die Umfragewerte für Präsident Bush und die Republikaner sind angesichts der anhaltenden Gewalt im Irak und der Folgen eines Sex-Skandals, in den der ehemalige Republikaner Mark Foley verwickelt ist nach wie vor trostlos. Analysten zufolge könnte die „Grand Old Party“ jedoch immer noch in der Lage sein, eines oder beide Häuser des Kongresses zu halten. Wie es auch immer ausgeht - einige Anleger werden sich vermutlich Sorgen machen, was die Wahlen für die Märkte bedeuten können.

          In einer Meinungsumfrage von USA Today/Gallup am 24. Oktober sprachen sich 54 Prozent der Wahlberechtigten für den demokratischen Kandidaten ihres Bezirks aus, während sich 41 Prozent für den Republikaner entschieden. Diese Differenz von 13 Prozentpunkten stellte einen Rückgang gegenüber der Vorwoche dar, lag jedoch auf der gleichen Höhe wie der Vorsprung, den die Republikaner zwei Wochen vor ihrem erdrutschartigen Wahlsieg 1994 verzeichneten.

          Keine Erschütterungen im Depot zu erwarten

          Dennoch dürfte die republikanische Partei von einer relativ geringen Zahl ungewisser Sitze und insgesamt von einer für sie günstigen Tendenz in den am härtesten umkämpften Bezirken profitieren, meint Chuck Berwick, Ökonom bei Goldman Sachs. Ganz gleich, ob nun der Esel (das Wappentier der Demokraten) oder der Elefant (Wappentier der Republikaner) als Sieger aus dem Rennen hervorgeht - die Anleger sollten sich nicht zu sehr mitreißen lassen.

          Eine Erschütterung in Washington könnte ein sinnvoll diversifiziertes Portfolio wahrscheinlich nicht erschüttern, meinen Analysten. „Es gibt keinen Hinweis auf eine statistisch signifikante Beziehung zwischen der politischen Führung in Washington und dem Aktienmarkt,“ stellt Mark Riepe fest, Vizepräsident im Schwab Center for Investment Research. Riepe analysierte die Gesamtrendite für den Standard & Poor's 500 Index seit 1953 und stellte fest, daß Unterschiede in der Parteienmacht nur geringe Auswirkungen auf die allgemeine Marktausrichtung hatten.

          Der derzeitige Wahlkampf wird da vermutlich keine große Ausnahme machen. „Uns fällt kaum ein großes Ereignis mit Auswirkungen auf die Aktienmärkte ein, das auf Grund der Zwischenwahlen eintreten könnte,“ schrieb Tobias Levkovich, Chefstratege für amerikanischen Aktien bei der Citigroup, in einer Kundenmitteilung.

          Schlechte Zeiten für Pharma-Aktien

          Dennoch könnte der „Wind of Change“ in Washington neue Risiken - oder auch gewisse Vorteile - für einige besondere Aktien und Branchen mit sich bringen. Auch bei einer Mehrheit der Demokraten in einer der Kammern bestünde immer noch die Gefahr eines Vetos des Präsidenten und ein Wechsel in der politischen Führung könnte zumindest die politische Agenda auf dem Kapitol verändern.

          Nach Auffassung von Analysten könnten Unternehmen in den Sektoren Arzneimittel und Energie betroffen sein, ebenso Wal-Mart. Zu den Aktien, die allgemein unter einem Sieg der Demokraten leiden könnten, gehören Pharmagesellschaften wie Johnson & Johnson oder Pfizer. Sollten die Demokraten die Mehrheit in nur einem der Häuser gewinnen, würden die Chancen steigen, daß der Kongreß das Medicare-Gesetz Teil D ändert und die Regierung Verhandlungen über die Arzneimittelpreise führen läßt, wie UBS-Stratege Thomas Doerflinger meint. Demokratische Politiker hätten vermutlich während der Amtszeit von Präsident Bush keinen Erfolg mit einer Gesetzesänderung, doch der Arzneimittelsektor hätte es dennoch mit einem „Sentiment-Risiko“ zu tun.

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