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Aktienmärkte : Überraschte Investoren

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Dass Fondsmanager nicht immer richtig liegen, ist auch keine neue Erkenntnis. Umfragen zufolge haben sie in Europa auf defensive Titel umgeschichtet. Analysten meinen nun, sie könnten von der Entwicklung überrascht werden.

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          Die rasante Aufwärtsbewegung an den globalen Aktienmärkten in den vergangenen Tagen hat Analysten überrascht und zwingt Fondsmanager möglicherweise dazu, ihre kurzfristige Positionierung über den Haufen zu werfen. Viele Marktteilnehmer hatten nicht erwartet, dass die amerikanischen Indizes Dow Jones und S&P 500 ihre langfristige Abwärtstrendlinie seit Oktober 2007 gleich beim ersten Versuch nach oben durchbrechen würden. Dies ist beiden Indizes in dieser Woche jedoch gelungen. Dies hat große Signalwirkung für die Aktienmärkte auch in anderen Ländern.

          In der Regel prallt der Markt zunächst an derart wichtigen Linien ab. Dies erklärt neben zahlreichen anderen Faktoren, warum so viele Analysten bis vor wenigen Tagen mit einer Korrektur von bis zu 15 Prozent gerechnet hatten. Aber der S&P 500, der den breiten amerikanischen Markt abbildet, festigte seinen Stand über der technisch relevanten Marke von 1100 Punkten. In der Folge setzten auch andere Märkte wie der deutsche Dax-Index ihre Aufwärtsbewegung fort. Am Mittwoch legte er bis zum Nachmittag rund 0,5 Prozent auf gut 5800 Punkte zu.

          Fibonacci wartet

          Mit Spannung warten Marktteilnehmer nun darauf, wie sich die Situation in den nächsten Tagen weiterentwickelt. Dem amerikanischen Markt droht in kurzer Zeit der nächste, wichtige technische Widerstand. Bei der Marke von etwa 1120 hat der S&P 500 die Hälfte seines gesamten Indexverlustes aus der Finanzkrise aufgeholt. Dies ist ein Widerstand nach Fibonacci, der von vielen Marktteilnehmern beobachtet wird und daher kurzfristig eine Korrektur auslösen kann.

          Viele Marktbeobachter gehen ungeachtet dessen davon aus, dass sich die Aktienmärkte mit Hilfe einer Jahresend-Rally bis in das erste Quartal kommenden Jahres gut behaupten werden. „Die Rally geht weiter“, glaubt der Aktienstratege Teun Draaisma von Morgan Stanley, der als einzige Gefahr für die Märkte eine straffere Geldpolitik der Notenbanken sieht. Dies jedoch erst ab Mitte kommenden Jahres.

          Konjunkturerholung ausgemacht

          Eine Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter mehr als 200 global investierenden Fondsmanagern zeigt, dass die Risikofreude der professionellen Investoren im November weiter gestiegen ist. Sie investieren wieder in hochzyklische Märkte wie Russland und reagieren auf Inflationsgefahren mit Investitionen in Rohstoffe, Edelmetalle und Positionen an den Märkten der Schwellenländer. Eine erste Zinserhöhung erwarten sie bei der Federal Reserve erst in der zweiten Jahreshälfte 2010 und bei der Europäischen Zentralbank im Sommer 2010. Den Euro halten die meisten Investoren für leicht überbewertet, sind aber uneins darüber, ob die Währung über den Jahreswechsel gegenüber dem Dollar abwerten wird.

          Immer mehr Fondsmanager sind mittlerweile von der Konjunkturerholung überzeugt. Die Angst vor einem zweiten Konjunkturtief im nächsten Jahr verfliegt. Viele Fondsmanager glauben sogar, dass die Unternehmen mit zweistelligem Gewinnwachstum aufwarten werden. Die Investoren drängen Unternehmen, nicht mehr nur Schulden zu tilgen und die Bilanz zu stärken, sondern auch wieder mehr zu investieren. Dieser Sinneswandel wird oft als Kaufsignal für Aktien interpretiert.

          Und noch mehr erwartet

          Trotz dieser positiven Sichtweise haben vor allem europäische Fondsmanager die Handbremse angezogen und von zyklischen Werten, Bankaktien und Technologiewerten verstärkt auf defensive Titel in den Branchen Gesundheit, Nahrungsmittel, Getränke, Energie, Gas und Öl umgeschichtet. „Wenn wir recht behalten und die Stärke der Konjunkturerholung überraschen wird, dann könnte diese Positionierung dazu führen, dass die Investoren plötzlich umschwenken müssen und die zyklischen Werte aufholen“, heißt es bei Merrill Lynch. Dies würde erklären, warum in den letzten Tagen gerade konjunkturabhängige Dividendentitel wieder so kräftig zugelegt haben.

          Grundsätzlich ist eine deutliche Mehrheit der Fondsmanager der Ansicht, dass die Aktienmärkte im Euro-Raum unterbewertet sind. Gleichzeitig halten sie die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten und den Schwellenmärkten überwiegend für überbewertet.

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