https://www.faz.net/-gv6-8g4ul

Börsen im Aufwind : Warum Anlagestrategen optimistisch für die Aktienmärkte sind

Weiter auf dem Gaspedal: Die Anlagestrategen sehen kein Ende der lockeren Geldpolitik. Bild: dpa

Nach Ansicht von Experten soll sich der Aufschwung an den Aktienmärkten weiter fortsetzen - angetrieben von der lockeren Geldpolitik der EZB. Konjunktur und Unternehmensgewinne dürften eher positiv überraschen.

          Der jüngste Aufschwung an den Aktienmärkten dürfte sich nach Ansicht von Kapitalmarktstrategen auch in den nächsten Monaten fortsetzen. „Immer wenn in der Öffentlichkeit viel Negatives diskutiert wird, wie es derzeit der Fall ist, dann geht das nicht spurlos an den Märkten vorüber, dann ist das in Kursen auch enthalten“, sagt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba, auf einer Pressekonferenz des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) am Mittwoch in Frankfurt. „In solchen Marktphasen ist das Überraschungspotential eher auf der positiven Seite.“

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Er sieht den Dax in einem Jahr auf 12.000 Punkten. „In den aktuellen Kursen ist viel Wachstumsskepsis enthalten“, sagt Reinwand. Die Bewertungen von Aktien seien daher im langjährigen Durchschnitt moderat, im Vergleich zu Anleihen sogar sehr günstig. „Die zu hohen Bewertungen von vor einem Jahr sind abgebaut und die Gewinnperspektiven für Aktien dadurch wieder deutlich höher“, sagt der Aktienstratege. Er legt dabei einen klaren Fokus auf europäische Aktien. „Zinserhöhungen, wie sie die Fed plant, führen üblicherweise zu einer niedrigeren Bewertung von Aktien“, sagt Reinwand. „Das ist in Amerika bisher aber noch nicht zu beobachten. Die Märkte scheinen daher also eine höhere Gewinndynamik der Unternehmen oder ein Ausbleiben der Zinserhöhungen zu erwarten. In beiden Punkten könnten sie negativ überrascht werden.“

          Auch Joachim Schallmayer, Stratege der Deka-Bank sieht den Höhepunkt der Konjunktursorgen überschritten. „Es gibt eine Verlangsamung des weltwirtschaftlichen Wachstums, aber keinen Einbruch.“ Für eine weitere Erholung der Aktienkurse sprechen für ihn vier Aspekte: Die niedrigere Erwartungshaltung an den Märkten kann leichter übertroffen werden, die Rohstoffpreise haben sich stabilisiert, die Unternehmen können sich historisch günstig finanzieren, und Aktien sind gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis durchschnittlich, gemessen am Preis-Buchwert-Verhältnis sogar günstig bewertet. „Wir sehen vor allem einen hohen Risikoabschlag für Aktien gegenüber Anleihen und von europäischen Aktien zu amerikanischen“, sagt Schallmayer. Dafür gebe es politische Gründe wie den Terror, die Flüchtlinge und die Brexit-Debatte. „Falls der Brexit ausbleibt, was wir für wahrscheinlich halten, würden sich die zu hohen Risikoprämien für Aktien durch entsprechende Kursgewinne auflösen“, sagt der Stratege. Sollte es andererseits zu einem Brexit kommen, sei die Deka-Bank vorbereitet und sieht je nach Kursreaktion gute Kaufgelegenheiten.

          EZB-Geldpolitik treibt die Märkte an

          Geht es nach der Einschätzung von Markus Herrmann, Leiter der Kapitalmarktstrategie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), könnte ein Brexit heftige Kursrückschläge von 30 bis 40 Prozent auslösen. „Dann fliegt der Laden auseinander, und wir haben eine europäische Krise“, erwartet Herrmann. Er hält einen Verbleib Großbritanniens in der EU aber für wahrscheinlicher und zeichnet daher auch ein positives Bild für die Aktienmärkte in den kommenden Monaten. In einem Jahr sieht er den Dax auf 11.500 Punkte steigen. Besonders Aktien mit starkem Bezug zu Konsum und dem deutschen Binnenmarkt wie zum Beispiel auch Bauwerte rät er überzugewichten, amerikanische Aktien wegen schwächerer Gewinnaussichten und höherer konjunktureller Unsicherheit indes unterzugewichten.

          Weitere Themen

          Kanadische Aktien auf Rekordkurs

          Börse in Toronto : Kanadische Aktien auf Rekordkurs

          Kanadische Börsianer liefern sich in diesem Jahr ein hartes Wettrennen mit ihren Konkurrenten in New York. Wie geht es nach den kräftigen Gewinnen im ersten Halbjahr weiter?

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.