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Aktienmärkte : Französische Nebenwerte glänzen mit guter Rendite

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Aktien von kleineren französischen Nebenwerten bleiben gefragter als die ihrer großen Mitstreiter. Sie schnitten nicht nur im ersten Quartal 2003 deutlich besser ab, sondern auch über einen Zeitraum von vier Jahren.

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          Kleine Aktien kamen an der Pariser Börse im ersten Quartal groß raus. Unternehmen mit einem Marktwert unter zwei Milliarden Euro, darunter Trader Classified, Infovista und Groupe Partouche, lieferten die höchsten Kursgewinne ab. Der Midac-Index für 100 kleine Werte gewann dieses Jahr 8,1 Prozent - fast viermal so viel wie der Standardwerte-Index CAC 40 mit 1,9 Prozent. Für die vergangenen vier Jahre zeigt sich ein ähnliches Bild: Während der Midcac seit Januar 2000 insgesamt 3,5 Prozent zulegte, verlor der CAC 13 Prozent.

          Als John MacBain, der Gründer von Trader Classified Media NV, im März die australische Sparte seines Unternehmens verkaufte, war ihm schnell klar, daß er ein gutes Geschäft gemacht hat. Die Börse belohnte ihn: Der Kurs von Trader Classified schnellte 22 Prozent nach oben. Mit insgesamt 32 Prozent Kursgewinn im ersten Quartal weist Trader Classified die zwölftbeste Performance am französischen Aktienmarkt auf. Für Alcatel SA, den größten Gewinner im CAC 40, dem Index für die Schwergewichte des Landes, ging es lediglich 26 Prozent aufwärts.

          Investoren rechnen damit, daß sich der Trend fortsetzt. Kleine Unternehmen „sind häufiger im Wachstum begriffen, verfügen also über mehr Potenzial als größere Unternehmen, die schon reif sind", sagte Bruno Ducros, Vermögensverwalter bei Cardif Asset Management. Er hat kürzlich Aktien von Neopost SA gekauft, einen Versand- und Speditionsausrüster mit einem Marktwert von 1,25 Milliarden Euro. Mit Aktien von Groupe Steria SCA, einem Computerdienstleister mit 495 Millionen Euro Marktwert, hat er 98 Prozent Gewinn gemacht.

          Weltweit standen die Small Caps seit 1999 jedes Jahr wieder auf der Gewinnerliste. Der MSCI World Small Cap Index kletterte seit Januar 1999 insgesamt 32 Prozent, verglichen mit 21 Prozent für den MSCI World Index.

          Seche Environnement mit der besten Wertentwicklung

          Die beste Performance im französischen Midcac hatte Seche Environnement SA aufzuweisen, mit einem Kursanstieg von 90 Prozent auf 40,99 Euro im ersten Quartal. Das Entsorgungsunternehmen verkaufte „Geschäftsbereiche mit niedrigen Margen, die Verlust machten, wie Müllabfuhr und Recycling", erläuterte Generaldirektor Philippe Leblanc. „Der Verkauf weiterer Sparten im Ausland könnte Anlaß für einen weiteren Kursanstieg sein", sagt Xavier Afresne, Vermögensverwalter bei Michaux Gestion in Lyon. „Der Kurs kann 45 bis 50 Euro erreichen." Für den Softwareentwickler Infovista ging es in den ersten drei Monaten 63 Prozent bergauf. Für Rückenwind sorgte der Rückkauf von 1,1 Millionen Aktien, Außerdem kaufte der Vorsitzende und Vorstandschef Alain Tingaud weitere 350.000 Aktien. Insgesamt machten diese Käufe acht Prozent der ausgegebenen Aktien aus.

          Die Aktien von Groupe Partouche, Frankreichs größtem Kasino- Betreiber, verteuerten sich 54 Prozent auf 16,89 Euro. Unternehmensangaben zufolge interessieren sich die Beteiligungsgesellschaften Cinven Ltd. und Permira für eine Beteiligung an Partouche. Die Gespräche dürften darauf hinauslaufen, daß den Minderheitsaktionären ein Angebot für ihre Aktien gemacht wird, führte Vorstandschef Hubert Benhamou aus. „Sollte der Kauf nicht erfolgen, wird der Kurs in nächster Zeit auch nicht die 17 Euro-Marke überschreiten", erklärt Patrick Jousseaume, Analyst bei SG Securities Corp. Er hat die Aktie auf "halten" herabgestuft.

          Einige Investoren erwarten, daß die Small Caps weiter auf der Sonnenseite stehen, da sie im Vergleich zu den Schwergewichten häufig ein geringeres Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. So kommt Trader Classified auf ein KGV von 24, verglichen mit 66 für Alcatel. Bei den Small Caps „kann man das Gewinnwachstum schon am Horizont sehen", sagt Afresne von Michaux Gestion. Er hat kürzlich Aktien von Guerbet SA gekauft, die seit Jahresbeginn 24 Prozent gestiegen sind. Der Hersteller von Medizintechnik kommt auf einen Marktwert von 157 Millionen Euro. Auch bei der Versicherungsgesellschaft April Group, die im Quartal elf Prozent zugelegt hat, griff der Vermögensverwalter zu. Ihre Marktkapitalisierung beträgt 641,5 Millionen Euro. „Investoren stellen die großen Benchmarks in Frage", sagt Ducros von Cardif. "Sie suchen nach Performance. Und nach neuen Ideen."

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