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Aktienmärkte : Euro-Korrektur macht Daxwerte günstig

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Bild: FAZ.NET

Die Kursverluste des Euro der vergangenen Monate sorgten für viele Schlagzeilen. Sie verbessern die Wettbewerbssituation europäischer Unternehmen. Manche der Dax-Unternehmen haben ausgesprochen hohe Auslandsumsätze.

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          Die Kursverluste des Euro der vergangenen Monate sorgten für viele Schlagzeilen. Tatsächlich hat die europäische Einheitswährungen gegen den amerikanischen Dollar seit Dezember des vergangenen Jahres rund 22 Prozent ihres vorher erreichten Kursniveaus abgegeben und gegen asiatische Währungen wie den malaysischen Ringgit, die indonesische Rupie, den thailändischen Baht oder auch den Taiwan-Dollar sogar etwas mehr.

          Viele Medien erklärten im Rahmen dramatisierender Analysen sogar, der Euro sei schwach. Solche Behauptungen lassen sich jedoch mit Verweis auf theoretische Bewertungsmodelle widerlegen. Gemäß der Kaufkraftparitätentheorie ist der Euro im Vergleich mit der amerikanischen Währung fair bewertet oder sogar noch etwas zu teuer. Das heißt, die europäische Währung hat das an Kursniveau abgegeben, was ihr vom Markt in den Jahren 2006 bis 2008 im Rahmen der damaligen Dollarkrise zuviel zugemutet worden war.

          Kurskorrektur des Euro verbessert die Wettbewerbssituation europäischer Unternehmen

          Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Kurskorrektur des Euro nicht negativ, sondern sie verbessert die Wettbewerbsposition der europäischen Unternehmen im internationalen Handel. Die hatten in den vergangenen Jahren mit einem überaus starken Euro leben müssen, der letztlich das Resultat einer offenen Dollarabwertungspolitik war. Denn nicht nur die amerikanische Währung war geschwächt, sondern auch die vieler asiatischer Staaten. Die hatten ihre Wechselkurse durch direkte Interventionen und indirekt durch die Diversifikation der entstehenden Devisenreserven in den Euro beeinflusst und auf diese Weise in erster Linie die Europäer benachteiligt.

          Nun führten die Währungsturbulenzen der vergangenen Wochen letztlich zu einer Normalisierung, die zuvor anders nicht zu erreichen war. Sie bringt Europa eine Erleichterung, von der unter anderem die europäischen Exportunternehmen profitieren können. Die hatten schon in den vergangenen Monaten maßgeblich zur geld- und fiskalpolitisch getriebenen Erholung von der Krise beitragen können. Die deutschen Exporte konnten in den vergangenen Monaten deutlich zulegen und haben inzwischen wertmäßig beinahe wieder das im Juni des Jahres 2008 markierte Rekordniveau erreicht.

          Selbst wenn die Dynamik der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten nach Auslaufen der Wirkung stimulierender Maßnahmen und nach dem Einsetzen notwendiger Sparmaßnahmen nachlassen sollte, haben europäische und vor allem auch deutsche Unternehmen alleine schon aufgrund des tieferen Kurses des Euro gegen viele Währungen gut Aussichten, vergleichsweise robuste Gewinne ausweisen zu können. Firmen mit hohen Auslandsanteilen am Umsatz können nette Umrechungsgewinne verbuchen.

          Manche Dax-Unternehmen haben ausgesprochen hohe Auslandsumsätze

          Das gilt allen voran für Adidas und Fresenius Medical Care, die knapp 70 Prozent ihrer Erlöse im Ausland erwirtschaften. Umsatzanteile von mehr als 50 Prozent sind auch bei Infineon, Bayer, Fresenius SE, Daimler, Linde und BMW zu verzeichnen. Dagegen haben die Banken, Versorger und Telekomunternehmen vergleichsweise geringe Auslandsanteile. Bei der Commerzbank, die im Europageschäft mit dem Rücken zur Wand steht, fallen im Ausland kaum Erträge an.

          Angesichts hoher Auslandsumsatzanteile und Kurs-Gewinnverhältnissen von deutlich weniger als 15 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sehen die Papiere von Bayer, BASF und der Deutschen Post sogar ausgesprochen günstig aus. Dagegen scheinen die Papiere zyklischer Unternehmen wie die der Lufthansa, von Salzgitter, ThyssenKrupp und MAN vergleichsweise hoch bewertet zu sein. Die Papiere von Adidas sind nur noch dann günstig, wenn die Geschäfte anlässlich der Fußballweltmeisterschaft gut laufen und der Dollar weiter aufwertet.

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