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Aktienmarkt : Leoni und Hochtief lasten auf den Kursen

  • Aktualisiert am

Leonis Gewinne werden nicht mehr so steigen wie geplant. Bild: dpa

Eine überraschende Gewinnwarnung des Autozulieferers Leoni ließ dessen Aktienkurs am Dienstag drastisch fallen. Von VW war aber in diesem Zusammenhang nicht die Rede.

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          Der Aktienkurs des Kabelherstellers und Autozulieferers Leoni geriet am Dienstag stark unter Druck. Die Aktien verloren mehr als 33 Prozent an Wert. Die Franken hatten am Vorabend ihre Prognosen für das laufende und das kommende Jahr gekippt. „Die Gewinnwarnung kommt überraschend, nachdem das Unternehmen vor rund drei Wochen noch den Ausblick für 2015 als auch 2016 bestätigt hat“, urteilte DZ-Bank-Experte Michael Punzet.

          Leoni begründete die Prognosekürzung mit Schwierigkeiten im Geschäft mit Bordnetzen. So müsse das Unternehmen einerseits neue Projekte im laufenden Jahr wegen der akuten Nachfrage der Autobauer schneller hochfahren als geplant, wovon insbesondere die Werke in Rumänien und Serbien betroffen seien. Andererseits erfasst nun auch die Automarktschwäche in China den Zulieferer. Rentable Projekte dort seien früher weggefallen als erwartet, erklärte ein Firmensprecher. Er räumte auch strukturelle Defizite ein: „Wir haben leider noch nicht die Effizienz, wie wir sie haben müssen.“

          Daher sei das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 200 Millionen Euro 2015 nicht zu erreichen, teilte Leoni mit. Der Umsatz werde aber wie erwartet bei 4,3 Milliarden Euro liegen. Im kommenden Jahr würden die Erlöse auf nur rund 4,6 anstatt der geplanten 4,8 Milliarden Euro steigen. Die anvisierte operative Marge von sieben Prozent werde deutlich unterschritten. Erst Mitte September hatte Leoni seine Ziele für 2016 wegen des Verkaufs der Hälfte an seinem chinesischen Bordnetz-Werk gesenkt.

          Leoni kündigte an, auf die immer komplexer werdende Steuerung globaler Projekte zu reagieren. Es werde derzeit ein Maßnahmenbündel geschnürt, um die Rendite im Bordnetzgeschäft zu stützen. Details dazu wollen die Nürnberger am 10. November mit der Vorlage ihres Quartalsberichts nennen.

          Mit der Gewinnwarnung löste Leoni den heftigsten Kursrutsch in der Unternehmensgeschichte aus. Allein in den ersten 30 Handelsminuten wechselten rund vier Mal so viele Leoni-Papiere die Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Mit 38,05 Euro waren sie so billig wie zuletzt vor rund einem Jahr. Die Anleger - durch den Volkswagen -Abgasskandal und schwache China-Absatzzahlen sensibilisiert - verkauften auch Titel anderer Autozulieferer. Continental, Schaeffler Elring-Klinger, Hella und Grammer gaben bis zu 3,8 Prozent nach.

          Unter Druck standen auch Hochtief, die mehr als 6 Prozent abgaben. Der Staatsfonds des Emirats Katar hat sieben Millionen Aktien zu 77 Euro verkauft. Dies entspricht in etwa zehn Prozent der Hochtief-Papiere. Ein Hochtief-Sprecher wollte die Angaben zunächst nicht kommentieren.

          Ein maßgeblicher Teil des Paketes sei an einen einzelnen strategischen Aktionär gegangen, hieß es weiter. Ob damit der Hauptaktionär von Hochtief, die spanische Baufirma ACS gemeint ist, wurde nicht gesagt. Allerdings ist dieser neben dem nun aus dem Aktionärskreis ausgeschiedenen Katar der einzige bekannte Groß-Anteilseigner der Deutschen. ACS hatte laut Angaben auf der Internetseite von Hochtief zuletzt einen Anteil von 60,7 Prozent.

          Hochtief hatte das Emirat mitten in der Abwehrschlacht gegen den jetzigen Großaktionär ACS im Jahr 2010 als Investor an Bord geholt. Hochtief zufolge hielt die Investmentgesellschaft des Emirats zuletzt 11,10 Prozent der Anteile. ACS hatte sich damals trotz des Engagements des Emirats die Mehrheit an Hochtief gesichert, die Spanier kontrollieren rund 60,70 Prozent der Anteilsscheine.

          Auch wenn sowohl Leoni als auch Hochtief nicht im Dax notiert sind, verlor dieser 0,9 Prozent auf 10.032 Punkte. Zum einen zog die Gewinnwarnung Leonis die Aktienkurse aus der Automobilbranche nach unten. Als Belastung hinzu kamen Kursverluste an den asiatischen Börsen, die auch Gewinnmitnahmen bei den Versorgeraktien auslösten, die am Vortag stark zugelegt hatten.

          Es werde langsam spürbar, dass der Dax sein kurzfristiges Aufwärtspotential großteils ausgereizt habe, schrieb Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Der mit 100 Werten den Markt deutlich breiter abbildende F.A.Z.-Index verlor stärker mit einem Minus von 1 Prozent deutlich stärker als der Dax. Leoni ist im F.A.Z.-Index enthalten.

          Einzig SAP hielten sich mit einem Aufschlag von mehr als 5 Prozent deutlich im Plus. Europas größter Softwarekonzern verdiente im dritten Quartal operativ überraschend viel und habe die Markterwartungen durch die Bank übertroffen, schreibt Analyst Mark Moerdler vom amerikanischen Analysehaus Bernstein Research. Das Unternehmen habe die Stärken im Kerngeschäft unter Beweis gestellt und zudem seine Einschätzung bestätigt, dass die Neuausrichtung in die Cloud zu Umsatzsteigerungen führe.

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