https://www.faz.net/-gv6-8gycy

Verschuldete Rohstoffkonzerne : Aktienkurse hängen viel stärker am Ölpreis als früher

Ölraffinerie in Texas Bild: dpa

Das Bankhaus Metzler ist der Frage nachgegangen: Warum fallen Aktienkurse derzeit, wenn der Ölpreis sinkt? Und warum reagieren sie so stark darauf?

          2 Min.

          Anleger sollten sich von den heftigen Kursschwankungen an den Aktienmärkten nicht irritieren lassen - und Aktien sogar stärker als bisher in der Aufteilung ihres Vermögens berücksichtigen. Dazu rät das Bankhaus Metzler, das am Mittwoch in Frankfurt seine „Investment Strategie 2016“ für das Private Banking, also das Geschäft mit vermögenden Privatkunden, vorgestellt hat.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bank rechnet damit, dass in den kommenden zwölf Monaten die nominalen Umsätze der großen Unternehmen Europas um vier Prozent zulegen und zugleich deren zuletzt unterdurchschnittliche Marge zunimmt - so dass die Gewinne im Index Stoxx Europe 600 in diesem Zeitraum um rund sechs Prozent steigen dürften.

          „Die jüngsten Kursabschläge in Europa sind vor diesem Hintergrund irrationale Übertreibungen“, meinte Frank Naab, Leiter des Metzler Private Banking Frankfurt. Zugleich böten die historisch niedrigen Zinsen „immer weniger Spielraum für Kursgewinne bei Anleihen“, hob Emmerich Müller hervor, Partner des Bankhauses.

          Deutlich höhere Korrelation zum Ölpreis

          Besonderes Augenmerk richtete das Bankhaus auf das neue Verhältnis von Öl und Börse. Hier habe es eine bemerkenswerte Veränderung gegeben. Die Korrelation zwischen Aktienkursen und Ölpreis sei in den letzten drei Monaten deutlich enger gewesen als im langfristigen Vergleich.

          Und zwar bewegten sich nicht nur die Aktien in Ölländern wie Russland, Brasilien oder Kanada stärker mit dem Ölpreis, sondern auch beispielsweise in Deutschland. Die Korrelation, die in einer Bandbreite von 0 bis 1 gemessen wird, liege hierzulande langfristig bei 0,2. In den vergangenen drei Monaten aber sei sie auf 0,68 angestiegen.

          Das Merkwürdige daran sei, dass die Aktienkurse fielen, wenn der Ölpreis sank - obwohl für den Großteil der Unternehmen hierzulande fallende Ölpreise zunächst sinkende Kosten bedeuten und damit von Vorteil sein müssten.

          Was steckt dahinter? Dass sinkende Ölpreise als Zeichen für eine schwächere Nachfrage und damit als negatives Konjunktursignal gedeutet würden, sei zumindest nicht der Hauptgrund, glaubt man bei Metzler. Auch die von manchen ins Spiel gebrachte Erklärung, Staatsfonds in Ölländern müssten bei fallendem Ölpreis Aktienpakete auf den Markt werfen, sei nicht hinreichend. Ebenso wenig wie die Sorge, Kreditausfälle von Frackern in Amerika könnten zu einer globalen Bankenkrise führen, wie man anfänglich befürchtet habe.

          Sorgen um die Rohstoffkonzerne

          Der Hauptgrund sei wohl, dass Rohstoffkonzerne in Schwellenländern, die in Dollar verschuldet seien, geringere Einnahmen hätten und auf diese Weise in Schwierigkeiten geraten könnten - mit erheblichen Folgen für die Weltwirtschaft. Metzler gab auch einen Einblick in seine Portfolio-Aufteilung in der Vermögensverwaltung: In einem traditionellen Depot, für das die Kunden als Vorgabe 50 bis 80 Prozent Aktien vereinbart hätten, hält die Bank derzeit 69 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen und 11 Prozent Liquidität. Wichtigste Einzelaktien seien ABB, BASF, ING, SAP, Siemens - und das Biotechnologie-Unternehmen Amgen.

          Weitere Themen

          Eon hat noch viel Arbeit vor sich

          Scherbaums Börse : Eon hat noch viel Arbeit vor sich

          Versorger-Aktien hatten über Jahrzehnte einen Ruf als Witwen- und Waisenpapiere. Doch von langweiliger Solidität vergangener Tage ist bei Eon wenig zu sehen. Angesichts der Energiewende muss einmal mehr Überzeugungsarbeit bei Aktionären geleistet werden.

          Topmeldungen

          Wieder unterwegs, aber es gibt zu wenig Impfstoff: im „Impfexpress“ in Frankfurt am Main.

          Impfkampagne : Es ist zum Verzweifeln

          Schlange stehen, Engpässe, Impf-Tohuwabohu und nun doch die Impfpflicht. Man möchte laut rufen: Der Staat ist um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des Staates willen.
          
              Will eine Impfpflicht einführen: Olaf Scholz kommt zum Bund-Länder-Treffen im Bundeskanzleramt an

          Corona-Politik : SPD und Union gehen getrennte Wege

          Noch regiert die große Koalition. Bei den Verhandlungen über neue Corona-Maßnahmen zeigen beide Partner den Willen zu einer allgemeinen Impfpflicht. Doch es wird auch klar, dass sie sich in Kürze trennen.
          Besonders schwere Fälle können nicht mehr verlegt werden, weil der Transport aufwändig ist.

          Patienten-Transporte : „Die Leute können nicht mehr“

          Erst half Deutschland seinen Nachbarländern – nun ist das Gegenteil der Fall: Corona-Patienten müssen ins Ausland verlegt werden. Nicht nur Bayern will auf internationale Hilfe setzen.
          Beratungszimmer vor dem Sitzungssaal im Bundesverfassungsgericht

          Urteil zur Bundesnotbremse : Karlsruhes Richtschnur für die Corona-Politik

          Erstmals äußert sich das Bundesverfassungsgericht zu den schwersten Grundrechtseingriffen in der Geschichte der Bundesrepublik – und sagt, dass sie alle zulässig waren. Für die Ampel-Parteien kommt der Richterspruch zur rechten Zeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.