https://www.faz.net/-gv6-430r

Aktienkultur : Verbraucherzentrale fordert besseren Kleinanlegerschutz

  • Aktualisiert am

Die Bundesregierung hat zwar ein Zehn-Punkte-Programm für einen verbesserten Anlegerschutz vorgelegt. Doch angesichts der vielen Skandale gehen den Verbraucherschützern die Vorschriften nicht weit genug.

          1 Min.

          Mutige und umfassende Reformen für einen besseren Anlegerschutz haben die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die ihr angeschlossene Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) gefordert.

          „Es hat sich gezeigt, dass derzeit auf die Redlichkeit der Unternehmensführungen kein Verlass ist“, sagte vzbv-Vorstand Edda Müller am Dienstag in Berlin. Sie verwies auf prominente Firmenskandale und die „dramatische Kapitalvernichtung“ von 700 Milliarden Euro in den vergangenen drei Jahren.

          Um Anleger besser gegen Managementfehler zu wappnen, verlangten die beiden Organisationen vor allem, den Unternehmen erweiterte Informationspflichten aufzuerlegen, auch die Top-Manager persönlich für Falschinformationen schärfer in Haftung zu nehmen und die Klagemöglichkeiten zu verbessern. Wenn die privaten Anleger wieder Vertrauen in den Aktienmarkt fassen sollten, dann dürfe man sich nicht „mit Haftungsregeln begnügen, die so solide sind wie die Zahlen von EM.TV, Comroad oder Enron“, erklärte Müller.

          Manager sollen zur Kasse gebeten werden

          „Aktionäre müssen die Chance haben, aus Fehlverhalten entstandenen Schaden ersetzt zu bekommen“ betonte auch SdK-Vorstandsvorsitzender Klaus Schneider. Das von der Bundesregierung Ende Februar vorgelegte Zehn-Punkte-Programm begrüßten die Organisationen als Schritt in die richtige Richtung, doch komme es auf die Ausgestaltung der guten Ansätze an.

          Unter anderem forderten sie, dass eine Haftung für die Verletzung der Informationspflichten nicht nur für so genannte Ad-Hoc-Mitteilungen, sondern auch für Äußerungen auf Hauptversammlungen, bei Analystenbesprechungen und in den Medien gelten solle. Dies müsse begleitet werden von einer persönlichen Haftung von Vorständen und Aufsichtsräten, denen bei Verstößen „schmerzhafte finanzielle Einbußen“ drohen sollten, erklärte vzbv-Fachmann Manfred Westphal.

          Längere Verjährungsfristen gefordert

          Über die Vorhaben der Bundesregierung hinaus gehend, sprachen sich die Organisationen dafür aus, Anlegern bessere Klagemöglichkeiten etwa durch die Umkehr der Beweislast zu ihren Gunsten zu eröffnen: Dann gälte grundsätzlich die Vermutung, dass die fehlerhafte oder unterlassene Information der Anlass war, die Aktie überhaupt zu kaufen.

          Auch müssten die Verjährungsfristen deutlich von drei auf fünf Jahre verlängert werden. Bei der in Aussicht gestellten Möglichkeit von Musterklagen solle die Verjährung für andere Betroffene ausgesetzt werden, damit ihre Ansprüche nicht schon perdu sind, wenn das Musterverfahren nach Jahren erfolgreich endet.

          Weitere Themen

          Streit um Bank neuen Typs

          Check 24 : Streit um Bank neuen Typs

          Volksbanken und Sparda-Banken begehren auf gegen die neue Bank von Check 24. Sie kritisieren, ein Unternehmen könne nicht gleichzeitig neutrale Vergleiche von Girokonten versprechen und selbst eines anbieten.

          Topmeldungen

          Unser Autor: Martin Benninghoff

          F.A.Z.-Newsletter : Was bringt der Lockdown-Gipfel?

          Deutschlands sechzehn Ministerpräsidenten suchen einen Konsens über Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung. Es ist nicht der einzige Showdown in der Hauptstadt. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Newsletter.
          Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

          Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

          Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.