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Aktienindizes : Paris und Frankfurt gehen getrennte Wege

Bild: F.A.Z.

Der Dax liegt seit einigen Jahren deutlich vor seinem französischen Pendant. Der Cac-40 leidet unter der Öl-Katastrophe, der Schuldenkrise und den trüben Aussichten der Energiebranche.

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          Wenn man die Börsenleitindizes von Frankreich und Deutschland vergleicht, so ergibt sich für die beiden vergangenen Jahre fast immer eine parallele Entwicklung. Seit April jedoch schneidet der Dax deutlich besser ab als der Cac-40 - so wie im Übrigen der Dax sich in der ersten Jahreshälfte besser gehalten hat als die meisten wichtigen Kursbarometer der Welt. Der Dax liegt seit knapp vier Jahren deutlich vor dem Cac-40; zuvor hatten sich die Indizes jahrelang parallel bewegt.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Für Olivier de Faramond, Fondsmanager der französischen Vermögensverwaltungsgesellschaft Swan Capital, sind dafür die bessere Finanzlage der deutschen Unternehmen und des deutschen Staates sowie die besondere Struktur des Cac-40 verantwortlich. „Derzeit blicken die Investoren stark auf die Verschuldung der Konzerne. Da stehen die deutschen Unternehmen insgesamt besser da“, meint der Franzose. Die solidere Finanzlage der Staatsfinanzen liefere dabei die Hintergrundmusik. Frankreich verfüge zwar auch so wie Deutschland über die Bestnote („AAA“) der Ratingagenturen, doch bei Deutschland sei die Note sicherer. „Hinzu kommt, dass die deutschen Unternehmen derzeit stark vom Export profitieren. Sie sind vor allem hinsichtlich der asiatischen Schwellenländer besser aufgestellt und profitieren jetzt von der Schwäche des Euro“, meint de Faramond.

          Französische Banken gehören zu den Verlierern

          Eine besondere Belastung für den Cac-40 ergibt sich zudem aus seiner Öl-Lastigkeit und dem vergleichsweise großen Gewicht von Banken und Stromlieferanten. Total, der viertgrößte Ölkonzern der Welt, steht meistens für zwölf bis dreizehn Prozent der gesamten Kapitalisierung im Cac-40. Derzeit leidet er wie der gesamte Sektor unter der BP-Katastrophe in den Vereinigten Staaten. Ausrüster der Ölindustrie wie Technip werden mit in die Tiefe gezogen. „Das ganze Offshore-Geschäft steht vor einer Neubewertung“, meint de Faramond. Total hat seit Jahresbeginn 15 Prozent an Wert verloren.

          Auch die französischen Banken gehören zu den Verlierern des bisherigen Jahresverlaufs. Durch die von den Subprime-Krediten ausgelöste Finanzkrise kamen sie gut durch, weil sie in der Regel die Finger von undurchsichtigen Finanzprodukten ließen, doch die Risiken im Geschäft mit Südeuropa erweisen sich nun als Belastung. Das gilt an erster Stelle für den Crédit Agricole und sein Engagement in Griechenland, in geringerem Maße für die Société Générale. Am besten schlägt sich in den Aktiencharts in diesem Jahr die BNP Paribas, sie muss aber auch mit einem Kursrückgang von rund 10 Prozent seit Jahresbeginn leben.

          Manchen Unternehmen fehlt es an „Preissetzungsmacht“

          Letzter Schwachpunkt des Cac-40 sind seine Stromlieferanten Electricité de France (EdF) sowie GdF Suez, die sonst als Schwergewichte des Index für Stabilität sorgen. „Heute differenzieren die Anleger unter den defensiven Werten zwischen jenen, die auf dem Heimatmarkt möglichen Steuererhöhungen, Regulierungsverschärfungen und Nachfragerückgang ausgesetzt sind, sowie jenen, die stark vom internationalen Geschäft profitieren“, sagt Frédéric Buzaré, Vermögensverwalter bei Dexia AM. Unternehmen wie EdF und GdF Suez fehle es auch an „Preissetzungsmacht“, urteilen die Analysten, denn die Stromtarife werden in Frankreich vom Staat festgelegt.

          Zu Jahresbeginn hatten die meisten Analysten noch mit einer deutlichen Kurssteigerung an der Pariser Börse im Laufe des Jahres gerechnet. Für den Cac-40, der heute bei rund 3600 Punkten notiert, tippte die Versicherungsgesellschaft Groupama etwa auf 4200 Punkte bis zum Jahresende, der Konkurrent Axa sogar auf 4500 Punkte. Jetzt backt man kleinere Brötchen. Lucile Combe, Fondsmanagerin bei Cogefi Gestion, sieht den Cac-40 in den kommenden zwölf Monaten erst wieder bei 3800 Punkten. De Faramond ist etwas optimistischer und rechnet bis Ende 2010 mit 3900 Punkten, hält aber zuvor ein weiteres Absacken auf 3200 Punkte für möglich.

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