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Aktienindizes : Dyckerhoff, Lion und Repower droht der Abstieg

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Die deutschen Aktienindizes stehen wieder vor einer Sichtung. Im Zuge dessen könnte Dyckerhoff zugunsten der Hypo Real Estate aus dem MDax fliegen. Auch Lion und Repower droht der Abstieg.

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          Am 17. Februar ist es wieder soweit. Der Arbeitskreis Aktienindizes bei der Deutschen Börse AG wird sich die jüngsten Handelsstatistiken ansehen - und danach dem Vorstand des Börsenbetreibers vorschlagen, welche Titel aus einem Index fliegen und welche aufsteigen.

          Vor allem stehen die Nachrichten an, inwieweit sich die Liste der Unternehmen ändern wird, die dem Mittelwerte-Index MDax oder dem technologielastigen TecDax angehören; deren Zusammensetzung überprüft der Arbeitskreis alle sechs Monate, stets zum März und zum September. Nicht zuletzt beschäftigt sich der Börsenbetreiber auch mit dem Kleinwerte-Index SDax, der jedes Vierteljahr „ordentlich“ angepaßt wird, was beim Dax einmal im Jahr zum September der Fall ist.

          Und weniger als im Dax dürfte sich in den nachrangigen Indizes einiges ändern. Nach der sogenannten „Fast-exit“-Regel könnten mehrere Titel ausgetauscht werden. Im MDax ist mindestens Dyckerhoff von einer Herausnahme bedroht, im TecDax sieht es schlecht aus für Lion Bioscience und Repower, wie nicht nur die DZ Bank meint (Mit Aktie von Lion Bioscience ist nichts zu verdienen). Im SDax könnte es Agiv Real Estate und Gericom erwischen.

          Orderbuchumsatz und Marktkapitalisierung entscheidend

          Der Arbeitskreis Aktienindizes zieht für sein Urteil jeweils zwei Daten heran: den sogenannten Orderbuchumsatz von Anteilen an der Frankfurter Börse und im Xetra-Handel sowie die am umlaufenden Streubesitz berechnete Marktkapitalisierung eines Titels. Dazu werden der Anteil des Streubesitzes, die an den Stückumsätzen gemessene Verfügbarkeit am Markt, die Branchenzugehörigkeit und der Zeitraum, über den eine Gesellschaft die Kriterien für Neuaufnahme oder Herausnahme erfüllt hat.

          Anhand der beiden Ranglisten ergibt sich, welche Unternehmen weiter zum Beispiel im Dax gelistet bleiben und welche als „Austauschkandidaten“ gelten. Um sicher in den Dax zu kommen, muß ein Titel bei Umsatz und Marktkapitalisierung mindestens jeweils den 35. Rang erreichen. 35/35-Regel wird dies genannt, die auch beim TecDax greift. Den Verbleib im MDax sichert jeweils Platz 60 oder eine niedrigere Zahl ab. Für den SDax gilt die 110/110-Regel.

          Umgekehrt kann eine Gesellschaft aus einem Index entfernt werden, wenn sie den zu erreichenden Rang 35, 60 oder 110 entweder bei der Marktkapitalisierung oder beim Umsatz nicht vorweisen kann. Insofern können Abstiegskandidaten leichter aus einem Index herausfallen, als Aufstiegskandidaten den Sprung nach oben schaffen können.

          Beiersdorf, Puma und T-Online drängen in den Dax

          Gemessen an diesen Vorgaben dürfte sich im Dax eigentlich nichts ändern. Zumindest derzeit nicht. Denn Tui und Fresenius Medical Care (FMC) haben sich zwar zuletzt deutlich Platz 35 genähert; die Aktie des Touristikkonzerns belegte bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes zuletzt die Ränge 32 und 33, FMC zweimal Platz 34. Doch das reicht für den Verbleib. Allerdings müssen sie sich starker Konkurrenz erwehren: Puma und T-Online liegen bei der Marktkapitalisierung besser, während Tui und FMC beim Umsatz noch die Nase leicht vorn haben, da sie direkt vor Puma und T-Online sowie vor dem weiteren Dax-Kandidaten Beiersdorf liegen.

          Zudem hängt den beiden genannten „leichten“ Dax-Werten die erst im Herbst an die Börse gegangene Hypo Real Estate AG, die ehemalige Immobilientochter der Bayerischen Hypovereinsbank, im Nacken (Hypo Real-Aktie dürfte von Aufstieg in MDax profitieren). Die Bank kommt bei der Marktkapitalisierung gemessen an den Dezember- und Januarzahlen auf Platz 28 und beim Umsatz auf Rang 31 (nach 29 im November). Dies würde zwar für einen Platz im Dax reichen. Doch muß der Wert, der bisher keinem Index angehört, zuerst mit dem MDax Vorlieb nehmen, wo er auf Anhieb der schwerste Wert vor Depfa wäre. Aber auch dies dürfte die Nachfrage und den Kurs befeuern.

          Tage von Dyckerhoff im MDax gezählt

          Dagegen scheinen die Tage von Dyckerhoff im MDax gezählt zu sein. Bei der Marktkapitalisierung kam der Zementhersteller zuletzt auf die Plätze 76 und 75 und beim Umsatz auf die Ränge 46 und 43. Er sieht gleich eine ganze Reihe von SDax-Titeln vor sich; allen voran die Deutsche Euroshop AG, zuletzt 35. und 34. beim Börsenwert des Streubesitzes war sowie 76. und 77. beim Umsatz, gefolgt von der Jungheinrich AG, die die Ränge 42 und 43 bei der Marktkapitalisierung sowie zweimal Platz 60 beim Umsatz erreichte. Die Euroshop rechnet aber nach eigenen Angaben noch nicht mit einem Aufstieg. Das mag indes Understatement sein. Denn Jungheinrich wird von vwd trotz der schlechteren Plazierung beim Börsenwert als reif für den MDax eingeschätzt.

          Im TecDax dürfte es Repower erwischen, weil der Titel beim Börsenwert zuletzt auf die Plätze 39, 37 und 43 abgerutscht ist und beim Umsatz zweimal auf 45 kam und im November 43 war. Damit erscheint die Herausnahme wahrscheinlich, wie auch die DZ Bank meint. Doch deutlicher gilt das für Lion Bioscience, da der Wert bei der Marktkapitalisierung zuletzt nur die Plätze 50, 49 und 45 belegte. Dies reicht im ersten Fall, um die „Fast-exit“-Regel greifen zu lassen. Erster Aufstiegskandidat für den TecDax ist Rofin Sinar, derzeit noch im Nemax 50 geführt; dieser Titel wies beim Börsenwert des Streubesitzes zuletzt die Ränge 14, 11 und 12 auf und die Plätze 35, 33 und 32 beim Umsatz - das genügt eindeutig für einen Aufstieg. Ähnliches gilt für die QSC AG (21/25/27 sowie 32/34/37) und Dialog Semiconductor (30/28/28 sowie 28/28/29).

          Kurse dürften von Aufstieg profitieren

          Auch deren Kurse dürften im Falle eines Aufstiegs profitieren: zum einen von einer verstärkten allgemeinen Aufmerksamkeit und zweitens von der Notwendigkeit, daß Fondsgesellschaften wie IndexChange, die einen Exchange Traded Fund auf den TecDax laufen haben, ihr Portfolio mit Aktien von Aufsteigern bestücken müssen.

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