https://www.faz.net/-gv6-726mg

Aktienhausse : Analysten sehen Dax-Anstieg auf 7000 Punkte skeptisch

Die Bullenskulptur vor der Frankfurter Wertpapierbörse steht für steigende Aktienkurse Bild: Irl, Maria

Doch die Worte des EZB-Präsidenten Mario Draghi zur Erhaltung des Euro zeigen Wirkung. Die italienischen und spanischen Aktienmärkte haussieren seit Anfang August noch stärker als der deutsche Markt.

          2 Min.

          Die Aktienmärkte haussieren. Der Dax hat am Freitag über weite Strecken des Handels mehr als 7000 Punkte aufgewiesen - ein Wert, den er am Vortag schon kurz touchiert hatte. Am Freitag stieg der Dax dann bis auf 7032 Punkte und näherte sich damit seinem Mitte März verzeichneten Jahreshoch von 7194 Punkten weiter an. Der M-Dax der 50 größten deutschen Aktiengesellschaften nach den 30 Dax-Werten kletterte am Freitag sogar auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Analysten begleiten die Aktienhausse mit Skepsis. „Die Aufwärtsbewegung bewegt sich auf dünnem Eis“, heißt es von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Andreas Hürkamp von der Commerzbank, der auch während der tiefen Verluste im April und Mai, die den Dax bis auf 5914 Punkte zurück geworfen haben, an seinem Ziel von 7200 Dax-Punkten bis Jahresende festgehalten hat, will nun das Ziel nicht aufstocken. Und auch die DZ Bank hält an ihrer vorsichtigen Prognose von 6600 Dax-Punkten am Jahresende und 6800 Punkten Mitte kommenden Jahres fest.

          EZB als Hauptgrund für Aktienhausse

          Im wesentlichen vermissen die Analysten positive Überraschungen in der weitgehend abgeschlossenen Berichterstattung der Unternehmen über das zweite Quartal. „Viele Unternehmen berichteten von einem zurückhaltenden Orderverhalten ihrer Kunden sowohl im Inland als auch im Ausland“, stellt die LBBW fest und moniert: „Die etwas vorsichtigeren Ausblicke haben bisher nur zu einer leichten Senkung der Gewinnschätzungen durch Analysten geführt.“

          Die DZ Bank sieht das ähnlich kritisch: „Die Gewinnprognosen für 2013 sind angesichts der spürbar abkühlenden konjunkturellen Dynamik zu optimistisch.“ Bislang schätzen Analysten im Durchschnitt, dass die 30 Dax-Unternehmen im Jahr 2013 ihre Gewinne nochmals um fast 11 Prozent steigern können. Derzeit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der geschätzten Gewinne für 2011 im Dax bei 11 - ein historisch eher niedriger, aber nicht sehr niedriger Wert.

          Kursentwicklung seit Anfang des Monats

          Da die Unternehmensberichte eher enttäuschen, gilt als Hauptgrund der Aktienhausse die Europäische Zentralbank (EZB). Deren Präsident Mario Draghi hatte Anfang August gesagt, die EZB werde alles Erforderliche tun, um den Euro zu erhalten. „Diese verbale Intervention zeigt Wirkung“, sagt Carsten Klude von M.M. Warburg. Seit Anfang August habe das Risiko abgenommen, dass es zu einer kurzfristigen Verschärfung der Schuldenkrise komme, die den Fortbestand der Währungsunion gefährde. Die EZB könnte künftig Rettungsaktionen flankieren und würde die Schuldenkrise noch aktiver bekämpfen. „Daher spricht viel dafür, dass die Länderrisikoprämien für Spanien und Italien abnehmen“, sagt Klude.

          Tatsächlich haben die italienischen und spanischen Aktienmärkte seit Anfang August stärker haussiert als der deutsche. Während der Dax 3 Prozent zulegte, kletterte der italienische Mib-Index um 9 und der spanische Ibex sogar um 12 Prozent. Anleger hatten den spanischen und den italienischen Aktienmarkt lange gemieden. Seit Jahresanfang liegen die Indizes noch mit 2 Prozent (Mib) und 15 Prozent (Ibex) deutlich im Minus, während der Dax inzwischen ein Jahresplus von 18 Prozent aufweist. Dies spiegele die „klar bessere konjunkturelle Entwicklung Deutschlands“, meint Klude. „In den kommenden Wochen aber könnten die Aktienmärkte Italiens und Spaniens trotz größerer konjunktureller Abwärtsrisiken dennoch eine bessere Wertentwicklung aufweisen als der deutsche Aktienmarkt.“

          Hürkamp von der Commerzbank ist die Stimmung der Anleger zu schnell zu euphorisch geworden. Für ein höheres Kursziel als 7200 Dax-Punkte fehlen ihm Hinweise darauf, dass das von der EZB den Banken günstig bereit gestellte Geld bei den Unternehmen als Kredit ankommt. Holger Sandte von West LB meint, die „Draghi-Rally“ brauche für eine Fortsetzung Unterstützung von Politik und Konjunktur. Doch werde es bei „der Politik der zu kleinen Schritte“ bleiben, die Anleger nicht dauerhaft überzeuge.

          Sandte sieht viele Störfaktoren für die Aktienmärkte in den kommenden Wochen: „Griechenland wirbt bei seinen Kreditgebern für eine Streckung des Spar- und Reformprogramms bis 2016, was mit einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 20 Milliarden Euro verbunden sein soll“, sagt er. Und ein Hilfsantrag Spaniens an EFSF/ESM sei eher eine Frage der Zeit. Dann werde das Thema einer Vergrößerung des Rettungsschirms akut.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.