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Aktienbörsen : Hohe Dividenden werden wichtiger

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Gewinnausschüttung wird wieder ein wichtiger Aspekt bei einer Investition in Aktien. Die Anleger sind offenbar recht bescheiden geworden.

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          Lange waren Dividenden aus der Mode, und zwar so gründlich, dass vor einigen Jahren amerikanische Investmentbanken sogar ihre Abschaffung forderten. Die Unternehmen sollten ihren Gewinn für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben, um Anleger mit Kursgewinnen zu beglücken.

          Eine Finanzkrise später haben sich die Zeiten in dieser Hinsicht geändert. „Nicht nur Privatanleger, auch institutionelle Investoren suchen derzeit höhere Renditen, als risikolose Anlagen versprechen, und bevorzugen Investitionen mit einer jährlichen Ausschüttung“, sagt Jens Wilhelm, Vorstandsmitglied der Union Asset Management. „Wir erwarten eine Renaissance der Dividendenwerte.“

          Zeichen langfristiger Werthaltigkeit

          Heute zählt die Dividendenrendite wieder zu den Kennziffern, auf die Anleger achten. Sie berechnet sich aus der Dividende im Verhältnis zum Aktienkurs und unterscheidet sich deshalb von der Aktienrendite, die angibt, wie sich ein Aktienengagement innerhalb eines bestimmten Zeitraums entwickelt. Deshalb berücksichtigt die Aktienrendite neben der in dieser Zeit gezahlten Dividende auch die Entwicklung des Aktienkurses.

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          Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft DWS und selbst Aktienfondsmanager, setzt verstärkt auf Aktien, die verlässlich Gewinne erzielen und einen hohen Anteil davon an die Aktionäre ausschütten. Er legte jüngst einen Fonds auf, der in solide Anlagen investiert: in Immobilienbeteiligungen, Gold, Rohstoffe, inflationsindexierte Staatsanleihen und in Aktien solider Unternehmen „mit Zugang zu realen Werten, die Preiserhöhungen relativ leicht am Markt durchsetzen können“ und zuverlässig Dividende zahlen.

          Stabile Mittelzuflüsse, zuverlässige Gewinne und ein disziplinierter Umgang mit den Mitteln - das sind auch nach Meinung Wilhelms die Qualitäten, die im kommenden Jahr an den Aktienmärkten zählen. Die Dividende sei dabei ein Zeichen für die langfristige Werthaltigkeit eines Unternehmens. Zudem seien dividendenstarke Aktien derzeit eher unterbewertet, da die Marktakteure in diesem Jahr vor allem auf zyklische Aktien gesetzt hätten, die von einer wirtschaftlichen Erholung als erste profitieren. Die niedrige Bewertung misst Wilhelm daran, dass dividendenstarke Aktien oft eine Dividendenrendite von 6 bis 7 Prozent aufwiesen, während die Anleihen derselben Unternehmen zum Teil eine Rendite von nur 3 bis 3,5 Prozent abwerfen, also gerade einmal die Hälfte.

          30 Prozent der Rendite und steigend

          Die hohe Dividendenrendite erklärt sich auch mit einem niedrigen Aktienkurs. Als Beispiele nennt Wilhelm die Ölgesellschaften Total und Eni wie auch den Telekommunikationskonzern KPN oder auch einige Pharma-Aktien.

          „Der Dividendenertrag wird bei Aktieninvestments eine größere Rolle spielen“, sagt Wilhelm und verweist darauf, dass in der Vergangenheit die Dividende zum Teil 60 Prozent der Aktienrendite ausmachte (siehe Infografik). Derzeit liege der Anteil bei 30 Prozent, werde jedoch künftig steigen. Dass Aktienanleger verstärkt auf die Dividende achten, zeigt, dass sie recht pessimistisch auf den Aktienmarkt schauen. Denn ein rasanter Anstieg der Notierungen lässt die Dividendenrendite bei gleichbleibender Ausschüttung tendenziell sinken. In dieser Marktphase suchen die Investoren Titel, die in einem stagnierenden oder fallenden Markt verlässliche Erträge abwerfen.

          Der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach von Flossbach & von Storch hält neben Risikostreuung und der Vermeidung von Prozyklik die Qualität eines Unternehmens und eine geringe Verschuldung für herausragend bei der Aktienauswahl. Die Qualität misst er besonders an der Höhe, der Nachhaltigkeit und der Vorhersehbarkeit der Erträge.

          Marc Renaud, Fondsmanager und Gründer der Fondsgesellschaft Mandarine Gestion in Paris, dagegen hält eine dividendenbasierte Strategie in diesem Marktumfeld zwar für verführerisch, doch letztlich für zu defensiv. Mutige Investoren suchten jetzt den Markt nach Titeln ab, die unterbewertet sind und vor einer Ertragswende stehen.

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