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Aktienbörsen : Düstere Prognosen werden ignoriert

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Bild: F.A.Z. - Kai

Die Konjunkturdaten bleiben düster. Doch die Anleger an den Aktien- und Rohstoffbörsen hoffen auf eine baldige Wende zum Besseren. Kritiker fürchten dagegen die negative Wirkung der Banken: Diese haben bisher auf „kreativer Buchführung“ gesetzt.

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          Die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für den weiteren Verlauf der größten Krise seit der Depression in den 1990er Jahren sind ziemlich düster, aber die Investoren an den Aktienmärkten setzen auf eine baldige Erholung. Jedenfalls hat sich die Rally an den Aktienbörsen rund um den Globus auch in der Woche nach Ostern fortgesetzt. Vor allem die überraschend guten Quartalsergebnisse einiger amerikanischer Großbanken sorgten für Zuversicht. Skeptiker unken, dass gerade die Banken demnächst wieder für Ernüchterung sorgen dürften.

          Nach der jüngst veröffentlichten Analyse des IWF dürfte die globale Rezession aufgrund des Zusammentreffens von Finanz- und Wirtschaftskrise ungewöhnlich schwer und lange ausfallen; zudem sei nur mit einer schleppenden Erholung zu rechnen.

          Zahl der Baubeginne in Amerika gesunken

          Einige der neuen Konjunkturdaten lassen sich so deuten: So war die europäische Industrieproduktion im Februar um 18 Prozent geringer als ein Jahr zuvor, in den Vereinigten Staaten lag sie im März um 13 Prozent niedriger. Das hat die Kapazitätsauslastung in Europa im ersten Quartal auf den langjährigen Tiefstand von 75 Prozent fallen lassen; in den Vereinigten Staaten ist sie sogar auf 69,3 Prozent abgesackt, den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1967. Spielraum für Preiserhöhungen haben die Unternehmen damit kaum, eher im Gegenteil. Das wiederum dürfte die Gewinne belasten.

          Bad Banks könnten den Staat nicht wie erwartet 200, sondern bis zu 600 Milliarden kosten

          Zu den negativen Nachrichten zählt auch, dass die Zahl der Baubeginne in den Vereinigen Staaten zuletzt wieder ab-, die Zahl der Zwangsversteigerungen hingegen zugenommen hat. Weiter geht die Ratingagentur S&P nun davon aus, dass nicht weniger als 29 Prozent der von ihr als spekulativ eingestuften 765 europäischen Unternehmen bis Ende 2010 Insolvenz anmelden werden.

          Die Ratingagentur Fitch wiederum hat vor dem Risiko beträchtlicher Kreditausfälle in Osteuropa gewarnt. Und in Detroit mehrten sich am Freitag die Anzeichen für eine Insolvenz des großen Autokonzerns GM.

          Börsen wurden „über Gebühr abgestraft“

          Die Anleger an den Aktienmärkten haben alles dies Beiseite gewischt. Sie spekulierten darauf, dass die großen Konjunkturprogramme, die Regierungen rund um den Globus aufgelegt haben, demnächst einen starken Aufschwung auslösen werden.

          Vor allem aber sorgte für Zuversicht, dass mehrere amerikanische Großbanken gute Quartalsergebnisse vorgelegt haben. Das ließ die Hoffnungen auf ähnlich gute Ergebnisse anderer Unternehmen, insbesondere der Banken, wachsen. So ist der Index für europäische Bankaktien allein in der vergangenen Woche um 17 Prozent gestiegen. Der deutsche Leitindex Dax kletterte in den jüngsten fünf Börsentagen um satte 7,3 Prozent; mit 4677 Punkten liegt er inzwischen 30 Prozent über seinem Tief vom 6. März.

          Im Vergleich zum Jahresbeginn liegt der Dax aber immer noch 3 Prozent im Minus. Ähnliches gilt für die Börsenbarometer in Wall Street, Tokio, Zürich, Paris und London. Völlig anders sieht die Entwicklung in den Schwellenländern aus. So liegt der Leitindex in Indien seit Jahresbeginn 14 Prozent im Plus, in Korea 18 Prozent, in Brasilien 22 Prozent und in Taiwan 25 Prozent. In China beträgt der Anstieg 38 Prozent, in Moskau sogar 51 Prozent.

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