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Aktienbörsen : Begeisterung vor dem Ende der Party

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It's Party-Time! Bild: dpa

Zum ersten Mal seit einem Jahr hat der Dow-Jones-Index an der New Yorker Börse die Schwelle von 10.000 Punkten überwunden. Die Euphorie nimmt zu, die mahnenden Stimmen werden leiser, doch das Ende ist absehbar.

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          Der Leitindex der New Yorker Börse hat am Mittwoch im Handelsverlauf erstmals seit Oktober 2008 wieder die Marke von 10.000 Zählern überschritten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss an der Wall Street mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 10.015 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss 1,8 Prozent höher als am Vortag bei 1092 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging 1,5 Prozent im Plus mit 2172 Punkten aus dem Handel.

          Am 9. März, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hatte der Dow mit 6547,05 Punkten ein Zwölf-Jahres-Tief erreicht. Seither hat der Index um mehr als 50 Prozent zugelegt. Die anhaltende Hausse ist das Zeichen dafür, dass die Investoren der Überzeugung sind, der schlimmste Teil der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der daraus resultierenden Rezession wäre überstanden.

          Marktteilnehmer werden langsam euphorisch

          Auch die japanische Börse verbucht am Morgen kräftige Gewinne. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg um 1,8 Prozent auf 10.238 Punkte, kam damit aber von seinem Tageshoch zurück. Auch die chinesischen Börsen zeigen eine feste Tendenz.

          Und die Begeisterung kennt bisweilen keine Grenzen: Michael Jones, Manager bei Riversource Investments, nannte die 10.000-Punkte-Marke einen „entscheidenden Meilenstein“ auf dem Weg nach oben. Auch Währungsstratege Michael Woolfolk von BNY Mellon gab sich optimistisch: „Wir sehen ein deutliches Kaufsignal, da 95 Prozent der Unternehmen ihre Zahlen noch nicht vorgelegt haben.“

          Nach der wöchentlichen Erhebung der Deutschen Börse und Cognitrend unter rund 150 institutionellen Investoren ist die Zuversicht unter den deutschen Anlegern weiter gewachsen. So stieg der Anteil der Anleger, die von steigenden Kursen ausgehen, um 6 Prozentpunkte auf 54 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Pessimisten um 4 Prozentpunkte auf 30 Prozent. Mit einer Seitwärtsbewegung des Marktes rechnen 16 Prozent der Befragten, 2 Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche.

          Deutsche Anleger geben sich am Donnerstag vorerst zurückhaltend

          Der Dax hat indes am Donnerstag wenig verändert eröffnet, da Kursgewinne am Mittwoch vorweg genommen wurden, nachdem die Zahlen von BASF für gute Stimmung gesorgt hatten. Indes stellt sich hier die Frage, inwieweit nicht von so manchem Investor Zweckpessimismus betrieben wird. Denn der Zusammenhang, dass ein Ende der Hausse um so näher rückt, je größer die Begeisterung wird, ist mittlerweile allgemein bekannt. Andererseits ist auch erzwungene Rückhaltung besser als maßlose Kaufsucht.

          Indes warten die Anleger nur auf die Zahlen der amerikanischen Großbanken Goldman Sachs und Citigroup, von denen viel erwartet wird, so eine Verdreifachung des Gewinns bei Goldman Sachs. Die Investoren sitzen also in den Startlöchern, auch wenn die renommierte Analystin Meredith Whitney die Aktie gerade erst auf „halten“ zurückgestuft hat.

          Gerhard Schwarz, Aktienstratege bei Unicredit in München geht davon aus, dass die Unternehmen mit ihren Ergebnissen weiterhin die Analystenerwartungen übertreffen werden, was die Aktienmärkte weiter stützen dürfte. Und auch der schwache Rentenmarkt zeigt die Erwartung steigender Aktienkurse an. Wo anders soll das frei werdende Geld aus Anleihenverkäufen auch hin als an den Aktienmarkt?

          Wir danken der Notenpresse

          Andere Analysten werden hinsichtlich der Ursachen der Rally deutlicher. So sagt Howard Ward von Gamco Investors, diese habe ihren Grund in der aggressiven Geldpolitik. Die Erholung der Aktienmärkte sei liquiditätsgetrieben. Oder blumiger ausgedrückt von Michael Jones: Die 600 Milliarden Dollar, die die amerikanische Notenbank Fed bis März unter anderem für den Kauf hypothekenbesicherter Wertpapiere drucken wolle, sei „der Raketentreibstoff, der die Börsenrally am Laufen halten wird“.

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