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Aktienbewertung : „Der Markt ist reif für eine Korrektur, aber es fehlt der Anlass“

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Ralf Zimmermann: „Einige Aktien sind schon stark ausgereizt” Bild: Sal. Oppenheim

Ralf Zimmermann, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim, im Interview mit FAZ.NET über den Dax am Jahresende, Übernahmen als Kurstreiber und die Frage, ob sich die europäische von der amerikanischen Wirtschaft abkoppeln kann.

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          Ralf Zimmermann, Aktienstratege bei Sal. Oppenheim, im Interview mit FAZ.NET über den Dax am Jahresende, Übernahmen als Kurstreiber und die Frage, ob sich die europäische von der amerikanischen Wirtschaft abkoppeln kann.

          Herr Zimmermann, Sal. Oppenheim hat kürzlich das Dax-Ziel für das Jahresende angehoben: Aus fundamentaler Sicht seien statt 6.950 jetzt 7.550 Punkte angemessen. Dieses Niveau ist fast erreicht. Was passiert jetzt?

          Fundamental wären die 7.550 Punkte gerechtfertigt, das stimmt. Wir können aber die starken Übernahmeaktivitäten nicht ignorieren und rechnen mit einem Aufschlag von vier Prozent auf den Fundamentalwert, der die unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten für eine Übernahme oder Abspaltung bei den Dax-Werten berücksichtigt. Daher liegt unser Dax-Ziel bei 7.850 Zählern.

          In einer Studie schreiben Sie aber, dass die Märkte nicht mehr günstig sind.

          Das ist richtig. Von der fundamentalen Bewertung her ist die sehr Luft dünn geworden, einige Aktien sind schon stark ausgereizt. Der durchschnittliche Abstand der Notierungen zu den Kurszielen der einzelnen Dax-Werte, die meine Kollegen ausgerechnet haben, beträgt null. Aber Sie dürfen die Übernahmephantasie nicht außer Acht lassen. Deshalb rechnet der Markt bei vielen Aktien mit einem Aufschlag auf den fundamentalen Wert. Allein im April wurden in Europa Transaktionen im Wert von mehr als 330 Milliarden Dollar angekündigt. Von Januar bis April liegt der Wert 30 Prozent über dem des Vorjahres. Das ist schon irre.

          Geht das so weiter?

          Sicher nicht in dem Tempo, aber Übernahmen bleiben eine Kursstütze. Die ersten Meldungen aus dem Mai zeigen, dass das Übernahme- und Fusionsgeschäft nicht wegbricht. Das hat mehrere Gründe: Erstens ist die Liquidität nach wie vor reichlich.

          Die Geldmenge M3 im Euroraum ist im April im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent gestiegen - ein neuer Rekordwert.

          Genau. Dahinter steckt Geld, das auch für Aktienkäufe zur Verfügung steht. M3 ist möglicherweise gerade durch die Liquidität, die sich bei neuen Spielern wie Private Equity ansammelt, aufgepumpt. Für Übernahmen spricht zum zweiten, dass die Zinsen für Unternehmensanleihen in jüngster Zeit zwar gestiegen, aber nach wie vor recht niedrig sind. Auch die Finanzierung der Transaktionen ist also kein Problem.

          Halten Sie die zum Teil hohen Übernahmeprämien für gerechtfertigt? Zum Teil beträgt der Aufschlag zum aktuellen Kurs 50 Prozent und mehr.

          Im Rückblick wird sich schon zeigen, dass sich nicht jeder Zukauf ausbezahlt hat. Dann drohen hohe Abschreibungen auf den Unternehmenswert. Gesehen haben wir das ja vor kurzem bei Tui und CP Ships. Das wird kein Einzelfall bleiben.

          Ist der Markt zurzeit zu unkritisch?

          Nicht zwingend. Die Wahrnehmung am Markt ist durchaus gemischt. Der Kurs des Übernahmekandidaten steigt natürlich, aber der des Käufers nicht unbedingt. Das können Sie am Beispiel ABN Amro gut studieren. Wenn die Chancen für die Royal Bank of Scotland steigen, bei ABN zum Zug zu kommen, sinkt deren Kurs. Im Gegenzug legen die Titel des Konkurrenten Barclays zu, weil dieser den hohen Preis nicht zahlen müsste. Das zeigt, dass auch im Übernahmegeschäft die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden.

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