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Aktienanlage : „Indonesien ist spannender als Bric-Börsen“

  • Aktualisiert am

Reisanbau in Indonesien Bild: REUTERS

Auch in diesen Krisenzeiten ist das südostasiatische Land fast ein Hort der Stabilität. Niedrige Zinsen und Wachstum locken Anleger. Fachleute trauen dem Markt mittel- und langfristig noch weitere Kursgewinne zu.

          Indonesien präsentiert sich in diesen Krisenzeiten fast wie ein Hort der Stabilität. Die Wirtschaft wächst, die Inflation fällt, die Wahlen brachten einen klaren Sieger hervor, und die Aktienkurse steigen. Allerdings wurde die Ruhe am 17. Juli durch einen blutigen Terroranschlag getrübt. Doch wer geglaubt hat, dies könnte den Kursaufschwung an der Börse gefährden, der sieht sich inzwischen eines Besseren belehrt. Selbst am Tag des Anschlags gaben die Notierungen nur leicht nach, und insgesamt hat der Jakarta Stock Index seitdem um weitere 12 Prozent zugelegt. Noch besser fällt die Bilanz gemessen an dem im Oktober vergangenen Jahres markierten Tief aus. Mit aktuell rund 2350 Punkten ist der Index seitdem um 112 Prozent gestiegen.

          Nicht wenige Asien-Experten trauen dem Markt mittel- und langfristig noch weitere Kursgewinne zu. Zu den Optimisten zählt etwa Sebastian Sharp. Der Chef des Aktienresearch bei Danareksa Sekuritas, dem größten Broker vor Ort, sieht für den Index bis Ende 2009 noch Luft bis auf 2700 Punkte. Denn aus seiner Sicht bewegt sich die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für 2010 und einem um die Inflation bereinigten Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,8 noch im grünen Bereich.

          Starke inländische Nachfrage

          Außerdem traut er dem Land, das selbst in diesem Jahr voraussichtlich ein Wachstum von 4,8 Prozent ausweisen wird, in den kommenden Jahren eine Wachstumsbeschleunigung zu. Über einige Jahre hinweg könnte die von einer starken inländischen Nachfrage gestützte Konjunktur um mindestens 6 Prozent jährlich wachsen. "Es gibt hier Nachholbedarf, nachdem das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zwölf Jahren mit im Schnitt rund 3 Prozent relativ langsam im Vergleich mit den zuvor üblichen Plusraten von 6 bis 7 Prozent gewachsen ist", so Sharp.

          Selbst Anschläge sollen nicht in der Lage sein, diese optimistische Konjunkturprognose ins Wanken zu bringen. Zumindest gibt sich Andy Purwohardono, Präsident von Danareksa, zuversichtlich: "Die Widerstandsfähigkeit der Konjunktur ist groß, und die Leute sind gewillt, sich vom Terror nicht aus der Bahn werfen zu lassen." Die Hoffnungen ruhen dabei nicht zuletzt auf Staatschef Susilo Bambang Yudhoyono, der schon im ersten Wahlgang als klarer Sieger aus den kürzlich abgehaltenen Präsidentenwahlen hervorgegangen ist. Von ihm werden in seiner zweiten Amtszeit weitere Fortschritte beim Abbau der Korruption und der Bürokratie erwartet.

          Als ein Stützpfeiler für den Aktienmarkt wirkte zuletzt auch die expansive Geldpolitik. Die Notenbank hat eben erst wieder die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte auf 6,5 Prozent gesenkt. Damit hat sie die Zinsen seit Dezember schon um insgesamt 300 Basispunkte nach unten geschleust. Sharp geht davon aus, dass das Ende der Fahnenstange damit noch nicht erreicht ist. "Leitzinsen von 6 Prozent und darunter sind bis Anfang 2010 möglich. Sie dürften dann längere Zeit auf diesem Niveau verharren, denn es gibt keinen Grund für höhere Zinsen." Flankiert wird diese Prognose durch die in der Wirtschaft vorhandenen Überkapazitäten und eine Inflationsrate, die im Juli auf 2,71 Prozent, den tiefsten Stand seit neun Jahren, gesunken ist.

          Geschäftspolitik der Banken zu konservativ

          Vergleichsweise gut stehe auch der Finanzsektor Indonesiens da, betont Purwohardono weiter. Dieser profitiert noch immer davon, dass die Branche im Zuge der Asien-Krise generalüberholt wurde, was Verstaatlichungen und Rekapitalisierungen beinhaltete. Die damalige Krise steckt den Verantwortlichen noch bis heute in den Knochen. Zumindest bezeichnet Purwohardono die Geschäftspolitik der Banken als zu konservativ und die Kreditvergabe sowie die Risikobereitschaft als zu zögerlich. Wenn sich das mittelfristig wieder ändere, könnte davon zusätzlicher Schwung auf die Konjunktur ausgehen.

          Wegen des skizzierten vorteilhaften volkswirtschaftlichen Datenkranzes wird Indonesien immer häufiger als Kandidat für eine Aufnahme in den Kreis der Bric-Staaten genannt. Doch für Sharp ist dieser Anschluss nicht erstrebenswert. "Indonesien wird künftig sogar schneller wachsen als Indien und China, und das Land wird deshalb auch so genügend Aufmerksamkeit von den Anlegern bekommen." Das von der Börse vorgegebene Ziel, die Marktkapitalisierung von derzeit rund 180 Milliarden Dollar in den kommenden drei Jahren zu verdreifachen, hält er jedenfalls für erreichbar. "Früher belief sich die Marktkapitalisierung auf 40 bis 50 Prozent, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Heute sind es nur rund 30 Prozent, obwohl früher nur 240 Unternehmen gelistet waren und jetzt 383." Noch im zweiten Halbjahr sei mit zwei Privatisierungen aus der Bau- und Bankenbranche zu rechnen, und wenn später auch noch die Schwergewichte aus den Bereichen Öl, Strom und Agrar an den Markt gebracht werden, würde dies der Marktkapitalisierung einen gehörigen Schub geben.

          Unter den schon jetzt notierten Werten favorisiert Sharp derzeit Aktien, die mit dem Rohstoffsektor zu tun haben wie United Tractors, die unter anderem Komatsu-Maschinen verkaufen. Unter den Banken dürften Institute wie Danamon von den tiefen Zinsen und der anziehenden Konjunktur profitieren. Die steigenden Ausgaben für Infrastruktur dürften Zementhersteller wie Holcim Indonesia begünstigen.

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