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Aktienanalyse : Die Apple-Story wird heißer

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Steve Jobs: Der Mann macht die Musik Bild: AP

Der Glaube an den „iErfolg“ treibt die Apple-Aktie auf immer neue Höhen: iMac, iBook, iTunes, iPhone, iPod - wenn Vorstandschef Steve Jobs in den vergangenen Jahren ein „i“ vor den Namen eines neuen Produktes setzte, wurde es ein Erfolg. Nun erreichte die Aktie ein Allzeithoch.

          Die Aktie des amerikanischen Technologieunternehmens Apple läuft heiß. Wer den Mut hatte, sich das Papier im April des Jahres 2004 ins Depot zu legen, kann inzwischen auf Kursgewinne von etwas mehr als 2.000 Prozent zurückblicken. Auf diese Weise wären aus angelegten 1.000 Euro inzwischen etwas mehr als 31.000 Euro geworden. Apple gehört mittlerweile zu den 40 weltgrößten Unternehmen, wenn man sie an der Marktkapitalisierung misst.

          Allein am Dienstag legt die Aktie im europäischen Handel bis zu 8,2 Prozent auf 131,40 Euro oder umgerechnet 186,60 Dollar zu. Damit erreicht die Aktie ein Allzeithoch. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 40 und 32,5 auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sehen die Papiere zwar unglaublich teuer aus. Denn bei vernünftiger Bewertung läge die Kennzahl bei etwa 15.

          Hohe Bewertung wird bisher relativiert durch starkes, profitables Wachstum

          Allerdings wurde und wird die hohe Bewertung schon seit einiger Zeit relativiert durch das starke Wachstum des Unternehmens. Das zeigt sich einmal mehr an den am Montag nachbörslich vorgelegten Umsatz- und Ertragszahlen für das vierte Quartal des vergangenen Geschäftsjahrs. Apple hat seinen Gewinn in dieser Periode mit einem Zuwachs von 67 Prozent deutlicher als erwartet gesteigert und Analysten zudem mit einem ungewöhnlich starken Ausblick begeistert.

          Der amerikanische Konzern gab einen Nettogewinn von 904 Millionen Dollar oder 1,01 Dollar je Aktie bekannt, getrieben von mehr als zwei Millionen verkauften Mac-Computern. Der Umsatz stieg um 29 Prozent auf 6,22 Milliarden Dollar. Der Absatz des mit großem Medienrummel eingeführten iPhones lag mit 1,12 Millionen Stück am oberen Ende der Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt einen Nettogewinn von 85 Cent je Aktie und einen Umsatz von 6,06 Milliarden Dollar erwartet.

          Für das laufende erste Geschäftsquartal erwartet Apple einen Umsatz von 9,2 Milliarden Dollar und damit mehr als die 8,7 Milliarden Dollar, die der Markt zuvor erwartet hatte. Der Konzern gilt dabei als zurückhaltend mit seinen Prognosen. „Es sieht so aus, also ob sie ein extrem solides Feiertagsgeschäft erwarten“, sagte Shannon Cross von Cross Research der Nachrichtenagentur Reuters. Auch gehe Apple wohl von einer erfolgreichen Einführung des iPhones in Europa aus. Das Gerät war im vergangenen Quartal nur in den Vereinigte Staaten zu kaufen. In Deutschland soll die Kombination aus Handy und iPod ab dem neunten November exklusiv von T-Online angeboten werden.

          Der guten Einführung des iPhones standen 10,2 Millionen verkaufte iPods gegenüber und damit weniger als die von Analysten erwarteten 10,5 Millionen bis elf Millionen. Das Quartal sei daher insbesondere von dem traditionellen Computergeschäft getragen worden, sagten Analysten. „Es ist interessant, die Geschichte von Apple ist wieder die des Macs“, sagte Cross. Tim Bajarin von Creative Strategies führte den Computer-Absatz darauf zurück, dass viele Kunden durch die Kleingeräte neugierig auf Macs geworden seien. „Es steht außer Frage, dass es bei den Mac-Verkäufen weiter einen 'Halo-Effekt' durch iPod und iPhone gibt“, sagte er. Unter Firmenchef Steve Jobs hat Apple seine Computer auf Intel-Prozessoren umgestellt. Auf ihnen laufen zudem neben dem hauseigenen Betriebssystem OS X inzwischen auch Produkte von Microsoft wie Vista oder XP. Am Freitag will Apple die neue Version von OS X, „Leopard“, auf den Markt bringen.

          Apples Angebote treffen auf zunehmende Konkurrenz

          Der Erfolg von Unternehmen resultiert nicht nur aus der Qualität ihrer Produkte, sondern auch von der Art und Weise, wie sie vermarktet werden. Nirgends zeigte sich das in den vergangenen Jahren deutlicher als am Beispiel Apples. Das Unternehmen produzierte schon immer technisch überlegene Produkte, konnte sie allerdings lange Zeit nicht richtig an den Mann oder die Frau bringen. Aus diesem Grund geriet es zwischenzeitlich sogar ernsthaft in die Krise. Seit jedoch Gründer Steve Jobs wieder in die Unternehmensführung zurückkehrte und innovative Produkte und Dienstleistungen auf seine Art erfolgreich an den Markt brachte, geht es wieder aufwärts. Das gilt nicht nur für Umsatz und Gewinn, sondern in Konsequenz auch für den Aktienkurs.

          Aufgrund der anhaltenden Publicity und Apple-Euphorie dürfte die positive Entwicklung vor allem auch mit Blick auf das anstehende Weihnachtsgeschäft noch anhalten und die Aktie noch weiter nach oben treiben können. Geschicktes Design, ansprechendes Marketing und innovative Lösungen lassen sich nicht nur über den Preis allein verkaufen und führen aus diesem Grund zu hohen Umsätzen und vor allem auch zu attraktiven Gewinnmargen. Das gilt vor allem auch deswegen, weil das Unternehmen nicht mehr so dogmatisch wie in früheren Zeiten ist und sich sowohl in Bezug auf die verwendeten Hardwarekomponenten als auch auf Softwarekompatibilitäten deutlich offener und flexibler geworden ist als früher.

          Allerdings konnte sich das Unternehmen bisher vor allem deswegen so gut entwickeln, weil konkurrierende Anbieter die technischen Möglichkeiten nicht voll ausreizten. Das dürfte sich künftig ändern. Immerhin sind auch Konkurrenten wie Research in Motion sehr dynamisch und andere Unternehmensriesen wie Nokia treten in die Marktnischen ein, die Apple bisher so erfolgreich nutzen konnte. Aus diesem Grund dürfte es zumindest für Anleger ratsam sein, permanent einen kritischen Blick auf die weitere Entwicklung zu werfen und sich gegen Kursrückschläge abzusichern. Denn die Erwartungen sind inzwischen sehr hoch und die Enttäuschung dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.

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