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Marode Energiekonzerne : Verkauft diese Aktien, ihr Witwen und Waisen!

Häuser mit Solarzellen auf dem Dach: Der Energiemarkt ist übersättigt mit Strom Bild: dpa

Die Aktien von Eon und RWE galten jahrzehntelang als sicheres Investment. Das ist vorbei: Heute sind sie so riskant wie nie. Sie werden zum Objekt von risikofreudigen Investoren.

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          Anfang Oktober gab der französische Energiemanager Henri Proglio der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ ein folgenreiches Interview. Der Mann, damals noch in Diensten des Energiekonzerns EdF, sagte da über seine deutschen Konkurrenten Eon und RWE: „Einer ist mehr oder weniger tot, der andere in einer sehr schwierigen Situation.“ Der Widerhall in Deutschland war gewaltig: An der Börse fielen die Aktienkurse der deutschen Energieversorger (obwohl der Manager nicht klarstellte, welches der beiden Unternehmen für ihn tot und welches noch am Leben sei).

          Dennis Kremer
          (dek.), Geld & Mehr

          Mögen Proglios Worte auch drastisch überspitzt sein: Wenn die beiden größten deutschen Energieversorger in der kommenden Woche ihre Quartalszahlen vorlegen, müssen sich Anleger einmal mehr auf schlechte Nachrichten einstellen. Was für sich genommen schon zeigt: Bei Eon und RWE ist nichts mehr so, wie es einmal war. Jahrzehntelang gab es in Deutschland für Anleger wohl kaum ein sichereres Investment als die Aktien von Energieversorgern.

          Der Strom floss stetig, die Unternehmen verdienten gutes Geld und die Aktionäre gleich mit. Jahr für Jahr stieg die Dividende, Jahr für Jahr der Aktienkurs. Kein Wunder, dass sich selbst die sonst so aktienscheuen Deutschen an die Papiere heranwagten. Eon beispielsweise ist nach einer Untersuchung der DAB Bank von 2013 noch immer die achthäufigste Aktie in den Depots deutscher Privatanleger. Und noch weniger verwundert es, dass die Versorgeraktien bis heute vielen Anlegern als Werte gelten, für die an der Börse seit jeher die Bezeichnung „Witwen- und Waisenpapier“ üblich war. Gemeint ist: auf alle Zeiten unerschütterlich.

          Energieriesen RWE und Eon: Das Hoch ist auch schon sieben Jahre her.
          Energieriesen RWE und Eon: Das Hoch ist auch schon sieben Jahre her. : Bild: F.A.Z.

          Doch ein Blick auf die Aktien der beiden Firmen zeigt, dass davon keine Rede mehr sein kann: Lange, nämlich fast sieben Jahre ist es her, dass beide Konzerne den Höchststand ihres Aktienkurses feiern konnten. Seitdem geht es im Gleichschritt abwärts – bis heute haben beide mehr als 70 Prozent ihres Börsenwertes eingebüßt. Das heißt nun nicht, dass sich die Aktien in all der Zeit nicht auch manchmal für ein paar Monate wieder erholt hätten. RWE beispielsweise notiert seit Jahresanfang fünf Prozent im Plus.

          Trotzdem hat sich die Einstellung vieler Profianleger zu Versorgeraktien gründlich verändert: Früher kauften vor allem jene Profis, die auf der Suche nach defensiven Aktien waren, wie das im Börsensprech heißt – also Aktien, die selbst bei einem starken Rückgang der Konjunktur möglichst wenig fallen.

          Heute dagegen ist es eine andere Gruppe von Investoren, die sich für Energieaktien interessiert – Anleger wie der Frankfurter Vermögensverwalter Hendrik Leber von Acatis beispielsweise, die sich eine Aktie dann ins Depot legen, wenn sie im Kurs kräftig gefallen ist. Das Kalkül, für das man gute Nerven braucht: die Aktien jetzt billig einkaufen und dann einfach abwarten, bis sich ihr Kurs irgendwann wieder deutlich erholt. Zugespitzt gesagt: Früher griffen die Furchtsamen zu Eon und RWE, heute sind es die Zocker.

          Größe ist nicht alles

          Damit einher geht eine weitere Veränderung. Die Kurse der beiden Aktien notieren nicht nur auf einem tieferen Stand als früher, sondern sie schlagen während eines Börsentages im Durchschnitt auch viel stärker nach oben und nach unten aus. Die Experten bezeichnen dies als Volatilität, und sowohl Eon als auch RWE kamen hier zuletzt auf Werte von rund 30 Prozent. Auch das ist eine viel zu hohe Ziffer für Aktien, die mal als weitgehend risikolos galten.

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