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Deutsche Kreditinstitute : Lohnen sich Bankaktien noch?

Düstere Aussichten: Aktien der Commerzbank schneiden im internationalen Vergleich schlecht ab. Bild: Lukas Kreibig

Aktien von internationalen Finanzhäusern liegen im Trend. Die Anleger schätzen vor allem amerikanische Institute. Deutsche Banken hinken dagegen auch in Europa hinterher.

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          Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank teilen eine Gemeinsamkeit: Sie schneiden im internationalen Vergleich sehr schlecht ab – unabhängig davon, welche Kennziffer zur Beurteilung herangezogen wird. So ist die Commerzbank nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sehr teuer bewertet. Das bedeutet, dass der auf ihre Aktie entfallende Gewinn mit einem hohen Multiplikator bewertet wird.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das KGV der Commerzbank beträgt auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr mehr als 17. Der Gewinn von einem Euro kostet als mehr als 17 Euro. Demgegenüber ist die Deutsche-Bank-Aktie mit einem KGV günstiger, aber noch preiswerter sind die spanische Santander-Aktie mit 11,10 oder die französische BNP Paribas mit 9,45. Es gibt Aktien, die ein hohes KGV wie die Commerzbank aufweisen, aber dann erwarten die Anleger ein hohes Wachstum. Das gilt zum Beispiel für junge Internetunternehmen, sogenannte Start-ups. Aber nicht für die Commerzbank: Ihr hoher Wert ist Ausgleich der im Vergleich zum Aktienkurs zu geringen Profitabilität.

          Potential für weitere Kursgewinne?

          In einer anderen Kennziffer wiederum ist ihre Aktie ebenso wie die der Deutschen Bank extrem günstig: Das Kurs-Buch-Verhältnis von 0,32 bedeutet, dass die Börsenbewertung des Eigenkapitals nicht einmal einem Drittel des Wertes in der Commerzbank-Bilanz entspricht. Auch die Deutsche Bank, deren Aktienkurs sich seit den Tiefs im August von weniger als 10 Euro sehr beeindruckend erholt hat, schneidet hier mit 0,4 sehr schlecht ab. Die amerikanische JP Morgan weist einen Wert von 1,36 auf, die Börse bewertet sie also um gut ein Drittel höher als in der Bilanz. Die amerikanische Bank Wells Fargo weist sogar einen Kursaufschlag von 63 Prozent auf. In diesen Aktien ist eine ertragreiche Zukunft schon eingepreist. Es stellt sich gerade mit Blick auf die amerikanischen Banken die Frage, ob hier noch Potential für weitere Kursgewinne vorhanden ist.

          Diese Frage beantwortet Kian Abouhossein, Analyst von JP Morgan, in seiner am Montag veröffentlichten Studie zu europäischen Bankaktien mit einem klaren Ja. Aber auch in Europa sieht er Chancen, allerdings nicht für die beiden deutschen Großbanken. Für Abouhossein spricht weiter das bessere Risikoprofil für die amerikanischen Banken im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern. Das zeigte sich in den Kursgewinnen der vergangenen zwölf Monate: Amerikanische Bankaktien legten – gemessen am Branchenindex (KBW-Index) – um 56 Prozent zu.

          Dagegen gewannen europäische Bankaktien nur 25 Prozent (Stoxx-Banken-Index). Nach Ansicht von Abouhossein ist die Eigenkapitalausstattung amerikanischer Institute besser. Zudem hätten sie nur noch geringe Risiken aus Rechtsstreitigkeiten. Schließlich will die neue Regierung unter Präsident Donald Trump die Regulierung der Banken überprüfen, was in einzelnen Bereichen wie etwa dem Handelsgeschäft deutliche Erleichterungen erwarten lässt. Deshalb haben die Kurse amerikanischer Bankaktien seit der Wahl Trumps zum Präsidenten schon deutlich angezogen.

          Nachwehen der Finanzkrise

          Dagegen riefen in der vergangenen Woche die Sorgen um Griechenland oder die Wahlen in Frankreich und den Niederlanden die Risiken in der Eurozone wieder in Erinnerung. Europäische Bankaktien gerieten unter Druck, während sich die Risikoaufschläge französischer oder italienischer Staatsanleihen deutlich erhöhten. Allerdings haben auch die europäischen Banken ihr Risikoprofil verbessert. So lassen bei ihnen die Rechtsstreitigkeiten nach.

          Das zeigen die jüngsten Vergleiche der Deutschen Bank im Zusammenhang mit verlustreichen amerikanischen Hypothekenanleihen und dem Geldwäscheskandal in der Moskauer Niederlassung. Abouhossein erwartet, dass die Nachwehen der Finanzkrise für europäische Banken abklingen. Das sind neben den Rechtsrisiken auch die aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die von europäischen Banken, Aufsehern und Politikern gefürchteten neuen Eigenkapitalvorgaben („Basel IV“) wertet er gegenwärtig als nicht akut, weil auch die amerikanische Seite derzeit nicht an einem Abschluss interessiert sei.

          Der JP-Morgan-Fachmann hält die Aktien europäischer Banken mit hoher Dividendenrendite und hoher Ausschüttungssicherheit für attraktiv. Dazu zählt er etwa die niederländische ING, die belgische KBC oder die britische Lloyds. Neben Banken mit einem wenig schwankungsanfälligen Privatkundengeschäft hält er auch Santander, Credit Suisse oder Société Générale für chancenreich, da sie in wichtigen Geschäftsfeldern Verbesserungsmöglichkeiten besitzen.

          Dagegen rät Abouhossein von Instituten ab, die eine geringe Profitabilität sowie eine knappe Eigenkapitalausstattung aufweisen: Dazu zählt er Deutsche Bank und Commerzbank. Auch am Anleihemarkt gehören die beiden zu den riskantesten Großbanken. Die Forderung von einer Million Euro gegenüber der Deutschen Bank abzusichern kostet eine jährliche Prämie von 15.800 Euro. Bei der Commerzbank wären 11.881 Euro nötig, bei der ING aber nur 6538 Euro.

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