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Aktien : Solarwerte aus China und Amerika werden bevorzugt

Bild: F.A.Z.

Für chinesische und amerikanische Solarwerte spricht derzeit einiges: Fondsmanager setzen auf Pekings Fünf-Jahres-Plan; der größte Wachstumsmarkt sind aber die Vereinigten Staaten. Dagegen warnen Analysten vor hohen Erwartungen in Deutschland.

          Seitdem das Erdbeben in Japan die Risiken der Atomenergie deutlich vor Augen führte, sind die Kurse vieler Solar-Aktien stark gestiegen. Der TecDax stieg seit dem Tag des Bebens um mehr als 3 Prozent, während der Dax im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent fiel. Der Ardour-Solar-Index, der 29 internationale Branchen-Aktien enthält, stieg um knapp 10 Prozent. Stärkster Kurstreiber im Ardour-Solar-Index war dabei mit Abstand die Aktie von Solarworld, aber auch die anderen deutschen Indexwerte Q-Cells und SMA Solar sorgten für das rasche Ansteigen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ben Lynch, Analyst bei der Commerzbank in London, begründet das neu erwachte Interesse an deutschen Solar-Aktien mit neuer Wachstumsphantasie. Zwei Jahre hätte diese angesichts von Förderkürzungen und Sättigungserscheinungen in Deutschland gefehlt, nun sei sie wiedergekehrt. Daher hätten einige Anleger Verkaufspositionen aufgelöst. Denn 2010 hätten deren Wachstumshoffnungen auf China geruht, was bei Solar-Aktien aus dem Reich der Mitte zu deutlichen Kurssteigerungen geführt habe. In den vergangenen Tagen hätten europäische Solarwerte aufgeholt. Mittlerweile aber schienen die Aktien etwas teurer und manchmal auch zu teuer.

          Sehr profitabel und damit wettbewerbsfähiger

          Die Bewertung ist nur eines der Argumente, die aus Sicht von Jon Sigurdsen, der den Carlson DnB NOR Renewable Energy Fund leitet, für chinesische und amerikanische Solarwerte sprechen. „Die Bewertungen deutscher Aktien sind schon relativ stark gestiegen“, sagt Sigurdsen. Dagegen seien gerade die chinesischen Aktien zuletzt hinter der Marktentwicklung zurückgeblieben, aber im Vergleich zum Weltmarkt relativ günstig bewertet. So werden etwa die Aktien des Solarzellen-Herstellers JA Solar auf Basis der Analystenprognosen für das laufende Geschäftsjahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 5 gehandelt, während diese Kennziffer für die deutsche Q-Cells bei mehr als 16 liegt. Auch die Aktie des chinesischen Wafer-Herstellers LDK Solar weist ein KGV von weniger als 5 auf. Viele chinesische Unternehmen seien darüber hinaus aufgrund effizienter Kostenstrukturen sehr profitabel und damit wettbewerbsfähiger, und holten zudem hinsichtlich der Produktqualität auf.

          „Deutsche Unternehmen haben das Problem, dass sie immer noch in Europa produzieren. Sie können einfach mit den Chinesen nicht konkurrieren. Auf diesem Markt werden sich aber die Anbieter mit den niedrigsten Kosten durchsetzen“, sagt auch Colm O'Connor, Spezialist für Solar-Aktien bei Kleinwort Benson Investors (früher KBC AM). Wie Sigurdsen setzt O'Connor in China auf den neuen Fünf-Jahres-Plan der Führung in Peking, der erneuerbare Energien zu einem zentralen Thema gemacht habe. Zu seinen Lieblingswerten gehört die Aktie des chinesischen Modul- und Wafer-Herstellers Trina Solar, dessen prognostiziertes KGV wenig mehr als 6 beträgt.

          Doch der größte Wachstumsmarkt seien derzeit die Vereinigten Staaten. Dort werde sich die Kapazität bis 2012 von weniger als einem auf zwei Gigawatt verdoppeln. Dagegen sei für Deutschland kein wesentliches Wachstum mehr in Sicht. Und das größte Risiko für den Markt weltweit seien die derzeit laufenden Verhandlungen um eine Kürzung der Einspeisevergütung in Italien. Deswegen favorisiert O'Connor Unternehmen mit starkem Geschäft in den Vereinigten Staaten.

          Potential für deutsche Aktien

          Darauf setzt auch die deutsche Branchengröße Solarworld. Das Bonner Unternehmen will damit die erwarteten Nachfragerückgänge auf dem Heimatmarkt mehr als ausgleichen. Gemäß dem am Donnerstag veröffentlichtem Geschäftsbericht sollen die Vereinigten Staaten in den kommenden zwei Jahren der größte Absatzmarkt werden. O'Connor ist skeptisch: „Solarworld ist in Deutschland eine starke Marke. Aber die Chancen im Ausland sind weitaus geringer.“

          Auch Sigurdsen sieht für den amerikanischen Markt relativ großen Nachholbedarf und Vorteile für die einheimischen Unternehmen. Diese verstünden es besser als ihre europäischen Konkurrenten, Forschungserfolge rasch auch in kommerzielle Erfolge zu verwandeln. Günstig bewertet seien beispielsweise die Aktien des Modul-Herstellers Veeco und des Ausrüsters GT Solar. Beide Aktien weisen ein KGV von rund 9 auf. Die Aktien deutscher Solar-Unternehmen gelten dennoch nicht als gänzlich unattraktiv. Immerhin nähmen diese Firmen zum Teil Spitzenpositionen ein, sagt Sigurdsen. Doch aufgrund der hohen Bewertungen böten sich nur vereinzelt Chancen. Dabei nennen Lynch und O'Connor beide das Chemie-Unternehmen Wacker aufgrund seiner führenden Technologie an erster Stelle. Zudem habe sich Wacker für die kommenden Jahre vertraglich gute Preise gesichert, sagt Lynch.

          Dieser sieht auch noch Potential für deutsche Aktien, wenn die Unternehmen mit ihren Ergebnissen positiv zu überraschen vermögen. Aufgrund der niedrigeren Margen wirkten sich Verbesserungen für deutsche Unternehmen stärker aus. „Wenn die Marge einer Q-Cells von 2 auf 4 Prozent steigt, ist das eine deutliche Verbesserung. Wenn die von Yingli von 20 auf 22 Prozent klettert, wirkt sich das nicht so stark aus.“ Indes warnt Lynch vor den hohen Erwartungen. Sollten die Schätzungen für europäische Unternehmen im Lauf des ersten Halbjahres nicht erhöht werden, könnte es Probleme geben. Denn der Markt wolle nicht warten.

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