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Rekord-Gewinnausschüttungen : Für die Aktionäre gibt’s mehr Dividende

Vorstandsvorsitzender Michael Diekmann (l) und Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Perlet Bild: AP

Die Allianz verspricht, ihren Aktionären mehr Geld auszuschütten - doch sie ist nicht das einzige Unternehmen. Auch für viele andere Aktionäre dürfte es nächstes Jahr mehr Dividende geben.

          Die Gewinnausschüttungen der 30 Dax-Gesellschaften könnten nächstes Jahr ein Rekordniveau erreichen. Geht es nach den aktuellen Schätzungen von Analysten, dürfte sich die Ausschüttungssumme auf fast 29 Milliarden Euro belaufen. Dieses Jahr wurden für das Geschäftsjahr 2013 nur gut 27 Milliarden Euro ausgeschüttet. Der bisherige Dividendenrekord stammt aus dem Jahr 2008, als den Aktionären gut 28 Milliarden Euro zuflossen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Noch nicht enthalten ist in den Schätzungen zudem die jüngste Mitteilung der Allianz. Der Versicherungskonzern hatte am späten Donnerstagabend eine Veränderung seiner bisherigen Dividendenpolitik angekündigt. Künftig sollen 50 Prozent der Gewinne und nicht mehr nur noch 40 Prozent ausgeschüttet werden. Sollte der Gewinn im Geschäftsjahr 2014 mindestens auf dem Vorjahresniveau verbleiben, wonach es derzeit aussieht, winkt eine Ausschüttungssumme von mindestens 3 Milliarden Euro – mehr als bei jedem anderen Konzern in Deutschland. Dieses Jahr hatte die Allianz eine Dividende von 5,30 Euro je Aktie gezahlt. Die Analysten gingen bislang von einer Steigerung auf 6,20 Euro aus. Nun dürften es eher 6,60 Euro oder mehr werden.

          Auf Platz zwei in der Ausschüttungsrangliste folgt Siemens, das für seine schon am 27. Januar 2015 stattfindende Hauptversammlung eine Dividende von 2,9 Milliarden Euro vorgeschlagen hat. Das sind mit 3,30 Euro je Aktie zwar 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach nur einem Jahr würde der Münchener Konzern damit dennoch schon wieder vom Dividendenthron gestoßen, den zuvor jahrelang die Deutsche Telekom besetzte.

          Die Allianz könnte dort auch deshalb länger verbleiben, weil sie nicht nur die Ausschüttungsquote generell erhöhen will. Im Sinne der Dividendenkontinuität soll es zudem keine Dividendenkürzungen mehr geben. Außerdem soll erstmals Ende 2016 und dann alle drei Jahre überprüft werden, ob das für Zukäufe vorgesehene Geld vollständig dafür verwendet wurde. Übrig gebliebene Gelder sollen dann zusätzlich an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Der Versicherungskonzern kommt damit Forderungen von Investoren nach, mehr Geld an die Aktionäre auszuschütten.

          Die Allianz hatte in den vergangenen Jahren viel Kapital angehäuft, auch weil unklar war, wie streng die neuen Kapitalvorschriften der EU (Solvency II) ausfallen würden. „Die Dividendenpolitik steht unter der Bedingung einer nachhaltigen Solvency-II-Quote von über 160 Prozent“, teilte die Allianz nun mit. Derzeit kommt die Allianz auf eine Quote von 184 Prozent und weist ein Eigenkapital von 58 Milliarden Euro aus. Der Aktienkurs der Allianz stieg am Freitag um 5 Prozent auf 133 Euro. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzung von 6,20 Euro Dividende je Aktie ergibt sich eine Dividendenrendite von 4,7 Prozent. Bei 6,60 Euro wären es sogar 5 Prozent. Auch in dieser Kategorie dürfte sich die Allianz damit an die Spitze begeben. Die Münchener Rück hat zwar auch eine höhere Dividende als die dieses Jahr gezahlten 7,25 Euro je Aktie angekündigt. Auf Basis der aktuellen Schätzungen von 7,50 Euro je Aktie kommt sie aber „nur“ auf eine Dividendenrendite von 4,9 Prozent.

          Auch in einem Modell der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), das besonders attraktive Aktien für dividendenorientierte Anleger herausfiltern soll, liegen die beiden Versicherer im Dax an der Spitze. In die Bewertung gehen dabei neben der Dividendenrendite auch weitere Faktoren ein: Erhöht ein Unternehmen die Dividende regelmäßig, wird das ebenso positiv vermerkt wie ausgebliebene Dividendenkürzungen. Auch die Bonität des Unternehmens spielt eine Rolle, zudem, wie stark die Gewinnausschüttung auch durch eine tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens gedeckt ist.

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