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Aktien : Im Durchschnitt 8,5 Prozent Rendite

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Bild: F.A.Z.

Wer in Aktien investiert, macht langfristig einen guten Schnitt. Er muß aber viele Höhen und Tiefen ertragen: Seit 1996 gab es im Dax nur zwei Jahre mit Kursschwankungen von weniger als zehn Prozent.

          Ein Wertpapier, das 8,5 Prozent Rendite im Jahr bringt, ist am Finanzmarkt gern gesehen. Wenn es dies mehr als 50 Jahre lang tut, ist es noch besser. Wenn die Anleger trotzdem nicht so recht darauf anspringen, läuft etwas schief.

          Wer vor 50 Jahren sein Depot mit Aktien der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften ausgestattet hat und anschließend nichts unternommen hat, außer die Dividenden wieder in die Aktien zu investieren, kann heute auf eine durchschnittliche Jahresrendite von 8,5 Prozent zurückblicken. Aus 10.000 Euro Anlagesumme wären mittlerweile 591.000 Euro geworden. Die deutschen Anleger läßt eine solche Bilanz aber relativ kalt. Die lukrativen Renditen werden Banken, Versicherungen, Unternehmen und Ausländern überlassen. Lediglich 7 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahre halten von solcher Großzügigkeit nichts und profitieren selbst mit Aktien von den Unternehmensgewinnen. 93 Prozent der Deutschen verzichten darauf und halten Aktien aus ihrem Depot fern.

          0,5 Prozent Zinsen beim Sparbuch fließen verläßlich

          Den Grund dafür zeigt die Grafik: Aktien werfen eben nicht jedes Jahr regelmäßig 8,5 Prozent Ertrag ab, sondern nur im Durchschnitt. Es geht deutlich auf und ab. 33 Mal in den 50 Jahren betrug der Kursausschlag mehr als zehn Prozent. Auch dieses Jahr bringt wieder einen größeren Kursausschlag: plus 18 Prozent. Überhaupt gab es seit 1996 nur zwei Jahre mit Kursschwankungen von weniger als zehn Prozent, in den anderen Jahren betrug die Dax-Veränderung durchschnittlich 31 Prozent.

          Solche Schwankungen sind den Deutschen suspekt. Sehr viel verläßlicher ist es, am Ende des Jahres 0,5 Prozent Zinsen auf das Geld auf dem Sparbuch zu erhalten oder 3 Prozent auf die Bundesschatzbriefe. Bei Aktien kann es vorkommen, daß die Rendite in einem Jahr unter Null fällt. 16 Mal ist dies bei den Werten des Deutschen Aktienindex Dax in den vergangenen 50 Jahren passiert. Im Jahr 2002 ist der Dax sogar um 44 Prozent gefallen. Da dies viele Anleger fast als Diebstahl an ihrem Eigentum betrachten, verzichten sie lieber auf Aktien, auch wenn sie im nächsten Jahr möglicherweise einen Wertzuwachs von 30 Prozent oder mehr erzielt hätten. Ein Anstieg in dieser Höhe ist immerhin in 13 der 50 Jahre eingetreten.

          „Der deutsche Anleger handelt zyklisch“

          Unruhig werden die Nichtaktionäre aber schon, wenn es am Aktienmarkt steil bergauf geht und man selbst nur die biedere Beständigkeit seines Festgeldkontos verfolgen kann. Irgendwann schreitet der Aktienskeptiker dann doch zur Tat und kauft die eigentlich verhaßten Papiere. „Der deutsche Anleger handelt zyklisch“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Er kauft, wenn alle kaufen, und verkauft, wenn alle verkaufen.“

          Das verhagelt jede Rendite, führt aber zu den starken Ausschlägen im Dax. So kletterten Ende der 1990er Jahre und Anfang 2000 die Kurse deutlich. Prompt stiegen am Ende dieser Hausse die Aktienskeptiker ein - abschätzig auch als Milchmädchen oder ähnliches bezeichnet. Das Deutsche Aktieninstitut vermeldete einen Anstieg der Aktionärszahlen von 4,5 auf 6,2 Millionen, und Deutschland schien ein Volk von Aktionären zu werden.

          „Hohe Rendite auf nur wenige gute Tage zurückzuführen

          Schade nur, daß viele ausgerechnet zum Höhepunkt des Zyklus gekauft haben. Der Dax sank von mehr als 8.000 auf unter 2.200 Punkte. Die erhofften Kurssprünge blieben für die Neuaktionäre aus - die jährliche Rendite von 8,5 Prozent rückte in weite Ferne. Statt auf die Erholung zu warten, stiegen die meisten enttäuscht und wütend aus - und verpaßten den Aufschwung bis auf 6.500 Punkte.

          „Die Anleger sollten langfristig dabeibleiben“, sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut. „Die hohe Rendite der Anlageform Aktie ist auf nur wenige besonders gute Tage zurückzuführen. Diese Tage verpaßt man, wenn man nicht permanent dabei ist.“ Jürgen Kurz bemängelt auch das ehrgeizige Ziel der Anleger, am Tiefpunkt kaufen und am Höhepunkt verkaufen zu wollen. „Das schafft keiner“, sagt Kurz. Meist werde so der Aufschwung verpaßt, weil die Anleger auf eine günstigere Kaufgelegenheit warten. Wer statt dessen über alle Höhen und Tiefen hinweg dabei ist, erhält beim Dax immerhin eine Rendite von 8,5 Prozent - seit 50 Jahren.

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