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Wall Street : „Es ist momentan ein Trump-Markt“

Bild: AFP

Der Dow-Jones-Index hat am Mittwoch erstmals die Marke von 20.000 Punkten überstiegen. Die Begründung: Trump. Anleger sollten sehr selektiv vorgehen.

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          Der amerikanische Aktienindex Dow Jones ist zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 20 000 Punkten gestiegen. Dieser Schritt war seit mehreren Wochen erwartet worden, es war dann aber immer wieder knapp nicht dazu gekommen. Am Mittwoch war es nun kurz nach Börseneröffnung so weit, der Index hielt sich anschließend den gesamten Handelstag über der Marke und schloss bei 20.068 Punkten 0,8 Prozent über dem Vortagesniveau.

          Der starken Entwicklung in Amerika folgend, erreichte auch der Dax ein Jahreshoch und ging am Mittwoch 1,8 Prozent höher mit 11.806 Punkten aus dem Handel. Am Donnerstag legt er noch einen Schnaps drauf und notiert aktuell bei 11.857 Zählern.

          Die Begründung an diesem außergewöhnlich guten Mittwoch war auffälligerweise dieselbe wie an den schwachen Börsentagen zuvor auch: Trump. „Es ist momentan weitgehend ein Trump-Markt“, sagte Ayako Sera von der Sumitomo Mitsui Trust Bank. „Die Stimmung wechselt von Tag zu Tag - je nachdem, was er sagt.“

          Kann der neue amerikanische Präsident die Börsen also allein durch Worte herauf- und heruntertreiben - ganz wie vorher eine Zeitlang die Chefs der großen Notenbanken? „Magier der Märkte“, so hatten sie wegen solcherlei angeblicher Fähigkeiten einst Alan Greenspan getauft, den früheren Präsidenten der amerikanischen Notenbank. Und „Magier der Märkte“ war auch Mario Draghi genannt worden, der Präsident der Europäischen Zentralbank, als er allein durch seine Worte den Eurokurs herauf- und heruntertrieb.

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          Geht diese Fähigkeit also jetzt, in einer Zeit, in der die Fiskalpolitik die Geldpolitik wieder stärker in den Hintergrund drängen könnte, auf Trump über? „Tatsächlich scheint es so, als ob Donald Trump die Märkte fest im Griff hat“, sagt Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). „Dies ist nicht wirklich überraschend, da die Vereinigten Staaten die größte Wirtschaftsnation der Welt sind.“

          Entsprechend seien sowohl die Worte des amerikanischen Präsidenten als auch seine Taten entscheidend für die Kapitalmärkte: Dabei gebe es derzeit noch viel Interpretationsspielraum für die Märkte. „Obwohl er zumeist sehr direkt ist, ist bei vielen seiner Aussagen noch nicht ganz klar, in welche Richtung seine Politik tatsächlich geht - beziehungsweise ob den Worten auch Taten folgen“, meint Traud.

          Zum Teil ist die Deutung der Trump-Worte an den Märkten dabei recht schlicht. Sein Tweet über den Bau der Mauer zu Mexiko („Wir werden die Mauer bauen“) scheint tatsächlich wieder den Zementherstellern genützt zu haben: Der Kurs der Aktie von Heidelberg-Cement legte um mehr als 4 Prozent zu.

          HEID. CEMENT

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          Bankaktien hingegen profitierten zuletzt davon, dass Trump ankündigte, die Regulierung aus der Nachfinanzkrisenzeit zum Teil zurücknehmen zu wollen - namentlich den sogenannten Dodd-Frank-Act über den Wertpapierhandel der Banken auf eigene Rechnung. Pharmaaktien hingegen schwanken mit den Äußerungen Trumps über hohe Medikamentenpreise, aus denen Pläne für eine Preisdeckelung abgelesen werden. Zuletzt konnten zudem amerikanische Rohstoffwerte davon profitieren, dass Trump die Wiederaufnahme zweier umstrittener Pipeline-Projekte angeordnet hatte.

          Noch entscheidender für die Märkte aber ist offenbar Tag für Tag die Frage, ob aus Trumps Äußerungen eine die Wirtschaft stimulierende Politik mit Ausgabenprogramm und Steuersenkungen auf Pump herausgelesen wird. Darauf stützte sich die sogenannte Trump-Rally nach der Wahl. Oder ob gerade die Ängste vor Protektionismus, Handelskrieg und politischem Chaos an der Börse die Oberhand gewinnen.

          Was heißt das nun für Anleger? „Bisher reagieren immer die Sektoren sensibel, die Trump anspricht“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Für Anleger bedeutet dies, dass sie bei allen Aktien vorsichtig sein sollten, die mit dem Gesundheitssystem Obamacare zusammenhingen, also beispielsweise Pharmaunternehmen und Krankenhausbetreibern: „Für risikofreudigere Anleger könnte sich ein Blick auf amerikanische Finanzwerte und ausgewählte Unternehmen der Ölbranche durchaus lohnen.“

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